Amtszeit von 1979 bis 1983
Der Beantwortung Ihrer Fragen muss ich diese Vorbemerkung voranschicken, damit klar wird, von welcher bildungspolitischen Grundposition her ich mein damaliges Handeln und meine heutige Beurteilung bestimme.
Horst von Hassel, Bildungssenator von 1979 bis 1983
Ich war von 1947 bis 1971 als Lehrer bzw. Schulleiter im Schuldienst der Stadt Bremerhaven. Ich begegnete als junger Lehrer dem Bremischen Schulgesetz von 1949 mit der 6jährigen Grundschule und der darauf aufbauenden Volksoberschule, vorgetragen von Schulpolitikern, die nach den Erfahrungen der Nazi-Diktatur der Idee der Einheitsschule folgten.
In den 60er Jahren entwickelte sich erneut die Idee der gemeinsamen Schule für alle Kinder eines Jahrgangs, nun unter der Bezeichnung Gesamtschule. Von 1967 bis 1971 war ich als Leiter am Aufbau der Heinrich-Heine-Gesamtschule in Bremerhaven beteiligt.
Diese Schulform, die in den Stufen 5 – 10 auf Selektion und Trennung der Schüler nach Schularten verzichtet, war mein Leitbild, als ich 1971 in die Bremische Bürgerschaft gewählt wurde.
In seiner Regierungserklärung vom 15. Dezember 1971 postulierte Bürgermeister Koschnick: "Als weiterführende Schule strebt der Senat die integrierte Gesamtschule an." Der Umsetzung dieser Vorgabe diente dann das Bremische Schulgesetz von 1975. Wir folgten mit diesem Gesetz weitgehend den Intentionen des Strukturplans des Deutschen Bildungsrats.
Unter der Verantwortung von Bildungssenator Thape wurde als erster Schritt zur Integration 1977 landesweit die schulartenunabhängige Orientierungsstufe eingeführt. In meiner Senatorenzeit von 1979 – 1983 ging es vorrangig um Absicherung dieses ersten Reformschrittes und um weitere Horizontalisierung der Sekundarstufen, vor allem in Bremen-Stadt.
Als ich nach 8 Jahren als Schuldezernent in Bremerhaven 1991 in den Ruhestand trat, gab es in dieser Stadt einen klar gegliederten horizontalen Schulaufbau mit Grundschulen 1 – 4, Sek.-I.-Zentren 5 – 10 und drei großen Oberstufenzentren mit GyO und Berufsschulen.
Von diesen Strukturen ist in Bremen und Bremerhaven seitdem vieles aufgegeben worden.
Ich halte es nicht für zulässig, den schulischen Erfolg von Schülerinnen, von Schulen, von Bundesländern und deren Ranking von den vor allem auf kognitive Fähigkeiten abzielenden Testaufgaben der Pisa-Untersuchungen abzuleiten. Wenn man dem im Artikel 26 Bremische Landesverfassung formulierten Bildungsauftrag für schulische Arbeit folgt, dann umfasst diese tägliche Arbeit nach Umfang und Beurteilung wesentlich mehr als nur die Feststellung verwertbarer Qualifikationen. Offensichtlich haben die bremischen Lehrkräfte diesen Auftrag immer auch ernst genommen. Hinzu kommt, dass natürlich schulische Arbeit in Städten mit hoher Armut und starkem Migrantenanteil zusätzlich erschwert ist.
Nein. Im November 1979 habe ich mich durch Eidesleistung verpflichtet, dem Bildungsauftrag der Landesverfassung zu folgen und vor allem dem seit 1975 geltenden Schulgesetz Umsetzung und Ausgestaltung zu verschaffen. Darum habe ich mich nach Kräften bemüht. Mit dem Eintreten für eine integrierte Schule verband sich damals die starke Bereitschaft, sozialen Benachteiligungen von Kindern entgegenzu- wirken und dafür auch Mittel bereitzustellen.
Es war ein Fehler, seit Beginn der 90er Jahre in dem Bemühen um eine bessere finanzielle Situation des Haushaltsnotlagelandes Bremen den Bildungshaushalt unter Sparvorgaben zu stellen. Die erheblichen Zuweisungen des Bundes sind, wie man sagte, "zur Stärkung der Finanz- und Wirtschaftskraft" voll in zum Teil gescheiterte Großinvestitionen gesteckt worden, ohne damit die Haushaltslage entscheidend zu verbessern.
Die heute im Lande Bremen vorfindliche Schulstruktur ist zurückgekehrt zur Selektion und Verteilung der 10jährigen auf zwei getrennte Schularten. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sich diese Verteilung verbindet mit der sozialen Situation der einzelnen Kinder, ja sie noch verstärkt.
Zugleich ist der Auslesedruck wieder in die Grundschulen verlagert worden und belastet dort durch die Elternerwartungen die Arbeit. Schulische Probleme im Sekundarbereich konzentrieren sich vorwiegend in den Oberschulen, viel weniger in den Gymnasien. Das gilt auch für die übereilt eingeführte inklusive Beschulung, auch diese anspruchsvolle Reform wurde ausschließlich den Oberschulen aufgebürdet.
Bremen hat sich mit der aktuellen Schulstruktur weit entfernt von den Zielvorstellungen der Jahre 1949 und 1975, von dem Bild einer gemeinsamen Schule, wie sie einer demokratischen Gesellschaft entspräche, frei von Aussonderung, getragen von dem Vertrauen, dass längeres gemeinsames Lernen allen zugute kommt.
Henning Scherf (SPD)
Der spätere Bürgermeister setzt darauf, die Kinder schon früh zu fördern. Dazu müssten Grundschulen und Kindergärten enger zusammenarbeiten. In seiner Amtszeit sei es ihm zwar nicht gelungen, die gegensätzlichen politischen Lager zu einem Kompromiss zu bewegen. Aber in den Schulen zähle am Ende, wie motiviert und qualifiziert die Lehrkräfte sind. Mehr...
Bringfriede Kahrs (SPD)
Erst nach ihrer Amtszeit nahmen Bremer Schüler am Pisa-Test teil und belegten seitdem immer die letzten Plätzen. Einen Grund sieht die ehemalige Senatorin in der schwierigen sozialen Situation der Großstädte. Mehr...
Willi Lemke (SPD)
Für die schlechten Pisa-Ergebnisse bekam er quasi einen "Blauen Brief". Denn viele Bremer Schüler können nicht gut lesen und hinken auch in den naturwissenschaftlichen Fächern ein Schuljahr hinterher. Allein am Geld könne es aber nicht liegen, da ist sich der Senator sicher. Mehr...
Moritz Thape (SPD)
Schulvergleich gab es in seiner Amtszeit nicht. Als er das Bildungsressort übernahm, ging es vielmehr um Schulneubauten und um die gleichen Chancen für alle Kinder. Ein längeres gemeinsames Lernen konnte sich aber in Bremen nicht durchsetzen. Mehr...
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