Amtszeit von 1965 bis 1979
Schulvergleich gab es in seiner Amtszeit nicht. Als er das Bildungsressort übernahm, ging es vielmehr um Schulneubauten und um die gleichen Chancen für alle Kinder. Ein längeres gemeinsames Lernen konnte sich aber in Bremen nicht durchsetzen.
Moritz Thape musste sich in seiner Amtszeit nicht um Bildungsvergleiche kümmern, sondern mehr um den Bau neuer Schulen.
Ich nehme die Vergleichsstudien nicht so ernst, auch nicht die künstlichen Aufregungen. Zudem kenne ich die Grundlagen für die Beurteilungen nicht. Zweifle auch an ihrer objektiven Aussagekraft. Zumal Beispiele großartiger Schulerfolge nicht berücksichtigt werden, wie z.B. die Gesamtschule Ost, die nicht nur von einem engagierten Schulleiter und Kollegium, außerschulischen Einrichtungen wie der Bremer Philharmonie, sondern von dem ganzen Stadtteil getragen wird.
Als ich das Bildungsressort im Juli 1965 übernommen habe, wurden Schulvergleiche der heutigen Art nicht durchgeführt. Vielmehr ging es im Lande Bremen um Schulneubauten und um die gleichen Bildungschancen für alle Kinder, auch für die aus bildungsfernen Elternhäusern. Gestritten wurde schon seit 1945/46 über die sechsjährige Grundschule und über die Gesamtschulen. Forderungen der Sozialdemokraten wurden erbittert abgelehnt von CDU und FDP und ihrem konservativen Anhang, die das dreigliedrige Schulsystem und die Sonderstellung der Gymnasien erhalten wollten. Es ist mir in meiner Amtszeit nicht gelungen, diese bei vielen Eltern bewusst geschürte Ablehnung aufzubrechen. Dass kein westliches Industrieland die Schulkinder schon nach vier Jahren trennt, spielte für die Ablehnungsfront keine Rolle. Die Orientierungsstufe sollte dann die längerfristige Umstellung des Schulsystems einleiten, sie wurden aber später von einem meiner Nachfolger wieder abgeschafft.
Nein. Bremen war bis weit in die 70er Jahre des 20. Jahrhundert hinein eine der kinderreichsten Großstädte der Bundesrepublik. Die Notwendigkeit, in fast allen Stadtteilen zusätzlichen Schulraum zu schaffen, stand im Vordergrund. Die Schülerinnen und Schüler werden zum Teil in provisorischen Gebäuden, zum Teil in Doppelschichten, unterrichtet. Während meiner Amtszeit wurden so viele Schulen gebaut und es wurden dafür so viele Mittel bereitgestellt, wie wahrscheinlich nie zuvor und wie es sicherlich auch später nicht mehr geschehen wird. Gelobt wurde Bremen für diese enorme Kraftanstrengung von Politik und Verwaltung allerdings nicht.
Man kann meine Amtszeit nicht mit den Maßstäben der Jahre 2001/2012 messen. Vieles, das heute wichtig erscheint, spielte vor 40 Jahren keine Rolle. Weder in der Politik, noch in der Wissenschaft. Wir sind zum Beispiel dafür gelobt worden, dass wir über zusätzliche Sonderschulen Kinder betreuen, die bis dahin nicht für schulfähig gehalten wurden. Heute ist Inklusion das Stichwort.
Die Ereignisse der 68er Bewegung und folgende haben allerdings neben positiven Effekten, die unsere Nachkriegsgesellschaft zum Teil verändert haben, auch zu negativen und belastenden Entwicklungen für Schulen geführt, die zeitweise mehr Hemmnisse und Desorientierung als Öffnung und gesellschaftliche Teilhabe gebracht haben. Aber diese Auswüchse, die von großem Enthusiasmus, gutem Willen, von Aktionismus und manchmal auch von der Freude am öffentlichen Krawall genährt wurden, sind schnell sachlicher Reformarbeit gewichen.
Nicht viel. Man kann die nationalen Entwicklungen nicht ignorieren. Kurze Vergleiche können gelegentlich verblüffen, aber die jeweiligen Bedingungen nicht einfach übertragen werden. Oder wollen wir England kopieren, wo Eltern sich für Privatschulen hoch verschulden, nur um ihre Kinder nicht in staatliche Schulen schicken zu müssen. Finnland wird oft als Beispiel genannt, aber verschwiegen, dass in Finnland die Lehrer bedeutend geringer entlohnt werden als in der Bundesrepublik und somit für den gleichen finanziellen Aufwand mehr Personal für Hilfs- und Betreuungsaufgaben zur Verfügung steht.
Ich glaube, man hilft den Schulen aktuell am meisten, wenn man sie einige Zeit in Ruhe lässt und nicht nach jeder Talkshow mit neuer Kritik überzieht. Auch habe ich den Eindruck, dass die Bildung unserer Kinder immer stärker nur noch unter dem Gesichtspunkt ihrer späteren ökonomisch-industriellen Verwendbarkeit und nicht auch unter dem Gesichtspunkt der menschlichen und kulturellen Entfaltung und Bereicherung gesehen wird. Professor Leussinck, der erste parteilose Bildungsminister im Kabinett Willy Brandt, hat einmal vom akademisch gebildeten Tankwart gesprochen, damit die Bildung als eigenständiges Element, frei vom reinen Nützlichkeitsdenken gemeint. Davon sind wir, wie auch ihre Fragen zeigen, weit entfernt.
Wir müssen endlich auch zur Kenntnis nehmen, dass die Schule nicht alle erzieherischen Versäumnisse des Elternhauses ausgleichen kann. Toleranz, Rücksichtnahme, Höflichkeit, Achtung vor dem Mitmenschen, aber auch Disziplin, Pünktlichkeit und Lernbereitschaft sind Bringschulden der Familie.
Wie schon in früheren Zeiten, seit der Industrialisierung, muss auch unsere Jugend auf die immer komplizierter werdende Arbeitswelt vorbereitet werden. Dabei ist es aber nicht notwendig, hinter Japan und China herzulaufen. Unsere Kinder haben neben all dem Lernen auch das Recht, jung zu sein.
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