Schul-Check-Bilanz
Häufiger Unterrichtsausfall, veraltete Bücher, abbröckelnder Putz – Ergebnisse des Radio-Bremen-Schul-Checks. Auch die Toiletten sehen oft schlimm aus. Was sagt die Bildungssenatorin dazu? Welche Erklärung liefert Eva Quante-Brandt (SPD) für ein Hausverbot von Reportern und warum sie sich einen Atlas bringen lassen will?
Eva Quante-Brandt stellte sich den Fragen bei Bremen Eins und Bremen Vier.
Bilanz des Schul-Checks, [4:47]
Gespäch mit Radio-Bremen-Reporterin Grit Thümmel
Radio Bremen: Das Thema war für uns oft schwierig, weil viele Schulleiter den Schul-Check boykottiert haben. Wir haben sogar in einem Fall Hausverbot bekommen. Und dass, obwohl Sie die Schulen im Vorfeld gebeten haben, die Aktion zu unterstützen.
Quante-Brandt: Die Schulleiter hören natürlich auf mich. Trotzdem ist es in ihrer Freiheit, zu entscheiden, dass sie es zu diesem Zeitpunkt nicht machen wollen. Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit der Beteiligung der Schulleitungen. Es ist ja ein ungewöhnliches Format, das Radio Bremen gewählt hat. Dass da die Schulleitungen zum Teil ein bisschen skeptisch gewesen sind, das sehe ich ihnen nach.
Radio Bremen: Die Rückmeldungen in den vergangenen zwei Wochen gingen vor allem um drei große Themen: Häufige Kritik gab es zum Unterrichtsausfall. Es sei überhaupt nicht sicher gestellt, dass der Unterricht zuverlässig stattfindet.
Quante-Brandt: Das ist auch verbesserungswürdig. Daran arbeiten wir auch. Für 2014/15 haben wir mehr Geld für den Vertretungspool vorgesehen, damit mehr krankheitsbedingte Ausfälle ersetzt werden können. Wir wollen auch die Qualität der Vertretungen verbessern – zum Beispiel mit mehr Projektarbeit oder durch mehr eigene Arbeit. Insgesamt ist es aber so, dass wir viele ältere Kolleginnen und Kollegen haben, dann steigen die Krankenquoten. Wir haben viele Jüngere, die dann in Mutterschutz oder Elternzeit gehen. Allerdings ist es ja nicht so, dass der Unterricht nur aufgrund von Krankheit ausfällt, sondern auch, weil es Klassenfahrten gibt, Projektarbeit gemacht wird und weil Prüfungen oder Elterngespräche stattfinden. Also man muss nicht so tun, als würde dann gar keine Schule mehr stattfinden. Für die Zukunft überlegen wir aber, ob wir sie stärker bündeln können. Das hat dann zur Konsequenz, dass die Reisen alle eher zu einem Zeitpunkt stattfinden. Das wollen die Schüler aber gerne selber auswählen. Aber darüber werden wir mit den Schulleitungen sprechen.
Radio Bremen: Bei unserem Schul-Check haben sich auch viele über veraltete Bücher beschwert. Da gab es zum Beispiel einen Schulatlas, in dem noch die DDR eingezeichnet war.
Quante-Brandt: Erstens hat Bremen als eines der wenigen Länder noch die Lehrmittelfreiheit. Das ist ein richtig hohes soziales Gut. Aber das hat die Kehrseite, dass wir zum Teil Bücher haben, die nicht in dem Zustand sind, wie sich Schülerinnen und Schüler das wünschen. Wir können alle fünf Jahre die Klassensätze wechseln. Das heißt: fünf Jahre benutzen die Jahrgänge die gleichen Bücher. Und wenn man dann Reclam-Hefte hat, dann sind die nach einer gewissen Zeit ein bisschen abgegriffen. Das ist nicht schön, das verstehe ich auch. Aber ich finde, dass man das Gut der Lehrmittelfreiheit höher schätzen sollte, als dass die Bücher ein bisschen abgegriffen sind. Und das hat auch was damit zu tun, wie pfleglich wir damit umgehen. Und der Atlas mit der DDR – das geht gar nicht. Da würde ich mich freuen, wenn sie mir den in die Bildungsbehörde bringen. Da müssen wir uns mit den Schulleitungen unterhalten, wie genau sie darauf achten, dass auch neue Bücher angeschafft werden.
Lehrmittelfreiheit
Schulbücher und Übungshefte werden kostenlos zur Verfügung gestellt. In den meisten Bundesländern müssen Schulbücher gekauft werden.
Radio Bremen: Der dritte wichtige Punkt, den die Schüler und Eltern bei uns angesprochen haben, ist der Zustand der Gebäude. Da kommt hier und da der Putz von den Wänden. Die Toiletten sollen zum Teil in sehr schlechtem Zustand sein.
Quante-Brandt: Wir sanieren schon sehr, sehr lange. Wir haben ein Sanierungs-Programm aufgelegt, da sind sehr viele Schulen mit einbezogen. Aber das ist ein sehr langwieriger Prozess. Wir haben auf der einen Seite Schulen, die sind in einem wunderbaren Top-Zustand. Und auf der anderen Seite haben wir Schulen, die in der Bausubstanz einfach nicht mehr dem Standard entsprechen, den wir uns wünschen. Wir sind da dran. Aber ich kann nur sagen, dass dauert alles seine Zeit. Das ist für diejenigen, die in den Schulen unterrichtet werden und dort arbeiten nicht tröstlich, aber das ist so. Und zu den Toiletten. Das ist ja ein immer währendes Thema. Manche sind wirklich in einem Zustand, das ist nicht schön. Und wir werden uns noch mal angucken, in welcher Prioritäten-Liste die nach und nach saniert werden. Und ansonsten sind wir aufgefordert, uns kreative Lösungen auszudenken.
Schul-Check-Bilanz: Fragen an die Bildungssenatorin
Eva Quante-Brandt zu Besuch im Funkhaus
Eva Quante-Brandt im Interview, [8:05]
Gespräch bei Bremen Eins
Zeugnisvergabe, [7:33]
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Bremer Schul-Check
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