Schul-Check-Bilanz
Der Schul-Check geht dem Ende entgegen. Wir sind Ihren Bewertungen und Kommentaren nachgegangen und haben ein vorläufiges Fazit gezogen. Am Freitag den 19. April ist die Bremer Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt zu Gast im Funkhaus. Dann wollen wir sie mit den drängendsten Fragen konfrontieren. Wir sind gespannt, was sie zu den Ergebnissen des Schul-Check zu sagen hat.
Video: Eine Frage der Einstellung!
Einstellungen, Infos und Kommentare
Dass eine schmuddelige Arbeitsumgebung nicht gerade gut für den schulischen Erfolg ist, liegt auf der Hand. Zudem ist der Zustand der Gebäude auch ein Ausdruck dessen, wie wichtig die Bremer Schülerinnen und Schüler sind. Je heruntergekommener die Gebäude, desto geringer auch die Neigung, die Schule als "eigene Schule" anzunehmen und pfleglich damit umzugehen.
Der Schul-Check zeigt: Tatsächlich gibt es viele Schulgebäude, in denen sich die Schüler wohlfühlen. Nicht wirklich erstaunlich: Das ist dort, wo renoviert wurde, zum Beispiel am Alten Gymnasium: "Und auch für die jüngeren Schüler gibt es tolle neu renovierte Bereiche wo sie sich in den Mittagspausen und Studienstunden aufhalten können", schreibt eine Schülerin.
Dagegen stehen aber zahlreiche wirklich gruselige Geschichten über den Zustand von Schulgebäuden. Ein Vater berichtet über die Schule Hermannsburg: "Die Schulleiterin kämpft seit Jahren mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, um den zumindest wichtigsten sanierungs- und renovierungsbedürftigen Aufgaben an der Schule zu begegnen. Nur leider bleibt dies den Schülern und Lehrern an dieser Schule, in dem schönen Stadtteil Huchting, bis heute versagt." Viele solcher Berichte haben uns erreicht.
Ganz besonders schlimm scheinen wohl viele Schultoiletten auszusehen. Eine Schülerin vom Schulzentrum an der Bördestraße schreibt uns "Es ist nicht möglich auf die verdreckten und kaputten Toiletten zu gehen. Teilweise ohne Klobrillen, auf Frauentoiletten nur ein Mülleimer und Klopapier ist auch Mangelware. Nur ein Spiegel, keine Seife.... Toiletten werden nicht gereinigt!" das ist kein Einzelfall. Im Gegenteil: Gruselige Schulklos sind ein Massenphänomen.
Fragen an die Senatorin:
Wir haben nach dem Zustand der Lernmittel gefragt – also: Arbeiten die Bremer Schüler beispielsweise mit guten Büchern. In Bremen herrscht, im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern, Lernmittelfreiheit.
Die Noten für die Lernmittel sind allerdings ziemlich mies. Viele Bremer Schüler quälen sich durch einen Wust von kopiertem Material, viele beklagen alte und zerfledderte Bücher, an manchen Schulen sind die Computer veraltet. "Ich habe in der 9. Klasse mit Erdkundebücher gearbeitet, wo noch die DDR vorhanden war", schreibt uns ein Schüler des Kippenberg Gymnasiums. Ein Schüler aus dem Schulzentrum an der Kurt-Schumacher-Allee berichtet: "Mittlerweile ist es so, dass mehrere Schülerinnen und Schüler an einem Computer arbeiten, obwohl es für jeden einen einzelnen bedarf, um ordentlich mitzuarbeiten."
Fragen an die Senatorin:
Bremen kann bei den Vergleichtests nur besser werden, wenn die Schüler in den Unterricht gehen können. So banal diese Erkenntnis ist, so erschreckend sind die Berichte aus der Schulwirklichkeit. Zur Unterrichtsversorgung gibt’s beim Schul-Check die miesesten Noten.
Eine Mutter berichtet über das Hermann-Böse-Gymnasium von "mehr als 10% Unterrichtsausfall, was die Eltern zwingt, sich als "Co-Lehrer" zu engagieren. Das ist kein Fehler der Schule, sondern der Behörde, weil kein Geld für Vertretungsstunden da ist." Aus der Gesamtschule Ost meldet sich eine Familie: "Die vielen Schulstunden, die ausfallen, sind im Hinblick auf die Abschlüsse eine Zumutung."
Und über die Johann-Gutenberg-Schule in Bremerhaven-Leherheide schreibt eine Mutter: "In dieser Woche sind 9 Stunden komplett ausgefallen und 5 Stunden wurden vertreten. Das sind fast 2 Tage kein Unterricht und ein halber Tag Vertretung."
Viele solcher Einträge zeigen das Problem: Die Behörde hat zwar einen Lehrer-Vertretungspool eingerichtet, doch der Stundenausfall wird damit nicht aufgefangen. In Bremen fällt zu viel Unterricht aus.
Dass es für Sonderpädagogen, die ja für die ehrgeizige Inklusion wichtig sind, gar keinen Vertretungspool gibt, macht die Lage gerade für die förderbedürftigen Kinder noch mal schwerer.
Fragen an die Senatorin:
Um ehrlich zu sein: In der Planungsphase des Schul-Check hatten wir befürchtet, dass nun viele Menschen auf "die Lehrer" schimpfen würden. Falsch gedacht. Uns haben ein, zwei Beiträge erreicht, in denen einzelne Lehrer hart angegangen wurden. Die haben wir nicht veröffentlicht. Hier und da wurde über inkompetente und gleichgültige Lehrer geklagt, aber insgesamt scheinen die Bremer Schulen besser zu sein als die Bildungspolitik.
"Tolles Klima, z.T. wirklich tolle, engagierte Lehrer. Klassenzusammenhalt ist super!", schreibt uns eine Mutter über das Gymnasium Horn. Kein Einzelfall. Bei den Kategorien Schulklima und individuelle Förderung der Kinder gab’s viele gute Noten. Das sind Faktoren, die von den Schulen selbst beeinflussbar sind und die nicht ganz und gar an Behördenentscheidungen hängen. Viele Beiträge kamen zu dem Schluss, dass die Schulen nicht wegen, sondern trotz der Schulpolitik gute Arbeit abliefern.
Fragen an die Senatorin:
Auch das war eine spannende Frage. Viele Untersuchungen zeigen, dass der Bildungserfolg gerade in Deutschland sehr am sozialen Status hängt. Heißt das, dass die Schulen in den "reichen" Stadtteilen auch besser abschneiden als die in den "armen". Die Antwort: es gibt kein eindeutiges Bild. Die Gröpelinger Schulen haben einen besseren Notenschnitt als die in Oberneuland. Das überrascht, aber wir können auch umgekehrte Befunde aus den Daten herausfiltern, dazu Ausreißer nach oben oder unten. Deshalb wollen wir lieber vorsichtig sein. Der Schul-Check ist keine repräsentative Befragung. Wirkliche Erkenntnisse können wir zu diesem Punkt nicht liefern.
Über lange Jahre waren die Klassengrößen ein heiß diskutiertes Thema in der Schulpolitik. Diese Diskussion scheint beendet zu sein. In der Kategorie Klassengröße vergeben die Schul-Checker eine gute Drei – wenn man mal von Berichten wie diesem absieht: "Die Klassenräume sind viel zu klein, manchmal gibt es nicht genug Tische für die Schüler (sie nutzen dann Fensterbänke o.ä)."
Wenn die Räume zu klein sind, werden auch ansonsten angemessene Klassengrößen zur Qual.
Frage an die Senatorin:
Das Thema Inklusion ist uns in vielen Beiträgen begegnet. Dabei gab’s niemanden, der die Idee schlecht finden würde. Aber die Umsetzung in Bremen stößt auf große Kritik. Beinahe flächendeckend ist der Eindruck entstanden, dass die Schulen mit der gewaltigen Aufgabe, gehandicapte Kinder zu integrieren, ziemlich überfordert sind. "Inklusion zum Nulltarif ist nicht machbar. Ohne eine Anschubfinanzierung fährt die Bremer Inklusion gegen die Wand!", schreibt ein Vater, dessen Kind auf die Gesamtschule Bremen-Ost geht.
Zudem haben viele Eltern die Sorge, dass die Förderung der besseren Schüler auf der Strecke bleibt. "Die Inklusion scheitert an der geringen Ausstattung mit Lehrern. Stärkere Schüler werden nicht ausreichend gefördert, vieles orientiert sich an den schwächsten Schülern", schreibt ein Vater aus Habenhausen. Und der Vater eines Kindes von der Wilhelm-Olbers-Oberschule ergänzt: "Inklusion wird umgesetzt, aber auf Kosten der Schüler. Alles ein Zeichen der Auswirkung des Sparprogramms der Bildungsbehörde."
Kurz gesagt: Die Schulen haben zu wenig Mittel, die Inklusion wirklich umzusetzen, und sie werden von der Behörde alleingelassen.
Fragen an die Senatorin:
Da sind wir bei der Gretchenfrage. Natürlich geht’s bei so ziemlich jedem Debattenbeitrag zu einem Bremer Schul-Check um’s Geld. Da sind sich beinahe alle Kommentatoren einig: Es reicht hinten und vorne nicht.
Die Sanierung der Gebäude, die Vermeidung von Unterrichtsausfall, anständige Lernmaterialien, Einführung der Inklusion – all das kostet vor allem Geld. Jeder weiß, dass Bremen ein Haushaltsnotlageland ist, und trotzdem ist der Unmut groß.
"Es wird viel zu wenig Geld in die Bildung investiert, die Grünen und die SPD reden von Sparzwängen, anstatt die Einnahmen zu erhöhen, und gleichzeitig auf absurde Dinge wie Sponsoring von einer Privatuniversität, einer Galopprennbahn, Kauf des Lloydhofs etc. zu verzichten", heißt es in einem Kommentar zur Bildungspolitik. In einem anderen wird angesichts der dauerhaft schlechten Vergleichsergebnisse für die Bremer Schüler ein "bildungspolitischer Rettungsschirm" vorgeschlagen. Der sei "für Bremen günstiger, als die langfristigen Folgen der aktuellen Bildungspolitik." Und dann kommt gleich ein praktischer Ratschlag: "Die PolikerInnen sollten mal jede Woche eine Stunde an den Schulen unterrichten und einen persönlichen Bezug zu den Kindern und Jugendlichen aufbauen. Dann würden Sie den Rotstift dort sicherlich nicht mehr so gerne ansetzen."
Fragen an die Senatorin:
Unser Schul-Check ist auf der Zielgeraden. Wir sagen jetzt schon vielen herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben! Wir konnten uns nicht um jeden Fall und um alle Themen kümmern, aber ganz sicher werden wir in den kommenden Wochen und Monaten die eine oder andere Geschichte noch mal aufgreifen. Ihre Anregungen sind uns wichtig. Wir werden den Schul-Check am Montag Mittag beenden, aber auch danach haben wir ein offenes Ohr für Ihre Anliegen. Zögern Sie nicht! Schreiben Sie uns, oder rufen Sie uns an!
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Vom 8. bis zum 19. April können Schüler, Eltern und Lehrer auf radiobremen.de über die Bremer Bildungspolitik diskutieren und sich am "Schul-Check" beteiligen. Wir wollen wissen, wo es gut läuft und wo der Schuh drückt. Mehr finden Sie hier im Online-Dossier!
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