Großes Dankeschön zum Abschluss
Nun sind wir offline, der Schul-Check ist nach gut zwei Wochen zu Ende gegangen – und wir müssen, nein, wir wollen uns bedanken, und zwar sehr herzlich! Rund 270 Kommentare und Bewertungen sind bei uns eingegangen. Danke! Radio-Bremen-Redakteur Jochen Grabler zieht Bilanz.
Der Schul-Check ist vorbei – wir sagen "Danke fürs Mitmachen!".
Nach dem Schul-Check
Wir bleiben dran und werden prüfen, ob die Senatorin Ihre Versprechen einhält, wie etwa im kommenden Schuljahr mehr Behindertenpädagogen einzusetzen und den Pool für Vertretungslehrer aufzustocken. Wie viel Unterricht wird dann noch ausfallen? Bisher haben wir noch nicht über das Essen in den Schulmensen berichtet. Dazu gab es hier viel Kritik in unserem Schul-Check. Weiter beobachten werden wir auch, ob Baumängel behoben wurden und verschmutzte Toiletten endlich wieder benutzbar geworden sind.
Viele Menschen haben sich leidenschaftlich für "ihre" Schule eingesetzt, haben sich ihre Sorgen von der Seele geschrieben, haben diskutiert, was zu tun ist, damit die Bremer Schulen besser werden. Wir haben viele haarsträubende Geschichten gelesen, aber auch viel Lob für einzelne Schulen. Wir haben alle zusammen einen tiefen Einblick in die Bremer Schulwirklichkeit bekommen – genau das war beabsichtigt. Dafür herzlichen Dank! Und nun sind viele Probleme angesprochen und identifiziert worden. Trotzdem bleiben viele Fragen offen, und viele Missstände bleiben wohl erstmal bestehen, wenn man den Ausführungen von Bildungssenatorin Quante-Brandt folgt.
Wir hatten Sie nach Ihrer Bewertung der bisherigen Bremer Bildungspolitik gefragt. Heraus kam ein Notendurchschnitt von 4,7 – also eine Fünf! Dieses Ergebnis wertet Senatorin Quante-Brandt im buten-un-binnen-Studio "als nicht so negativ". 4,7 sei zwar nicht gut, aber die Schulen hätten sich auf den Weg gemacht. Und das Schulklima habe absolut gute Noten gekriegt. Was wohl ein Schüler zu hören kriegen würde, wenn er mit so einem Zeugnis nach Hause käme und sagen würde: "Also, ich werte das nicht so negativ: 4,7 als Durchschnittsnote ist nicht gut, aber guck doch mal, im Betragen hab ich 'ne gute Drei…"
Da drängt sich die Frage auf, ob die Botschaft des Schul-Checks bei den politisch Verantwortlichen angekommen ist. Ein Kommentator schrieb über den Auftritt der Senatorin im Fernsehstudio:
"So alt wie ich bin, höre ich IMMER die gleichen Sätze, unabhängig von politischer Richtung! Da es ja um Forderungen/Zusagen geht, bedeutet ständiges Wiederholen aber doch nur, dass wirklich NIEMAND ein Interesse daran hat, davon irgendetwas umzusetzen. Denn bei 60 Jahren gebetsmühlenartiger Wiederholung hatte fast JEDER, die/der die Sätze aussprach, zwangsläufig ja auch GELEGENHEIT die gewünschten/versprochenen Zusagen/Forderungen einzulösen... Oder bin ich so blöd, wie Wiederholungen vermuten lassen?"
Manche Bremer verlieren tatsächlich die Geduld. So beispielsweise wenn die Senatorin ankündigt, dass sich die Bildungsbehörde nun um den Unterrichtsausfall kümmert: Der Lehrer-Vertretungspool werde aufgestockt, ein Gesundheitsmanagement eingerichtet, um die Zahl der Fehlstunden zu reduzieren, die Klassenfahrten sollen besser koordiniert werden.
Dazu lautet ein Kommentar aus der Elternschaft:
"Eines der drängendsten Probleme der Bremer Schulen ist doch JETZT der Stundenausfall. Und da stellt sich unser Senat hin und sagt: Im Schuljahr 2014/2015, also in 15 Monaten, gibt es einen größeren Vertretungspool. Abgesehen davon, dass das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, kommt es mir so vor: Es gibt einen Großbrand, aber den können wir leider erst in 15 Monaten löschen."
Die Senatorin räumt ein, dass die Schulbehörde größte Probleme hat, eine hinreichende Zahl von Sonderpädagogen zu finden. Zwanzig neue Stellen soll es nun geben, damit die Inklusion gelingt. Das bringt einen Kommentator zu diesem Schluss:
"Die SPD ist Jahrzehnte dauerhaft in der Regierung, da hätte man doch super planen können. Hat man aber nicht. (…) Weder die Integration 1998, noch die Reform zu Oberschule und Gymnasium, noch die Inklusion ist inhaltlich gut vorbereitet und genügend ausgestattet. Bis heute nicht!"
Die Unzufriedenheit mit den Lernmitteln an Bremer Schulen ist groß. Einen Systemwechsel will die Senatorin aber nicht: "Erstens hat Bremen als eines der wenigen Länder noch die Lehrmittelfreiheit. Das ist ein richtig hohes soziales Gut. Aber das hat die Kehrseite, dass wir zum Teil Bücher haben, die nicht in dem Zustand sind, wie sich Schülerinnen und Schüler das wünschen. (…) Ich finde, dass man das Gut der Lehrmittelfreiheit höher schätzen sollte, als dass die Bücher ein bisschen abgegriffen sind. Und das hat auch was damit zu tun, wie pfleglich wir damit umgehen", so Quante-Brandt zu Radio Bremen.
Besseres Material ist also nicht in Sicht, mehr Geld für Lernmittel auch nicht, die Schüler sollen pfleglicher mit den Büchern umgehen. Das ist die Botschaft. Und das ist ein Kommentar im Schul-Check:
"Die Lehrmittelfreiheit existiert nicht. Zu Beginn jedes Schulhalbjahr sammeln die Lehrer Geld für Hefte, Lehrbücher, Material, Aktionen und Exkursionen ein. Das sind pro Kind mehr als 100 Euro. Wie kann die Senatorin da noch von Lehrmittelfreiheit sprechen?"
In vielen Kommentaren wurde sehr über den Zustand der Schulgebäude geklagt. Tatsächlich herrschen zum Teil dort "schwierige Zustände", räumt auch die Senatorin ein. Aber auch da ist keine kurzfristige Besserung in Sicht: "Wir können nicht schnell genug sanieren", sagt Eva Quante-Brandt. Denn Sanierung sei eben langwierig und teuer.
Dazu lesen wir:
"Von dem Kommentar unserer Bildungssenatorin war ich enttäuscht. (…) Warum gesteht diese Frau nicht gemachte Fehler ein, analysiert diesen Schul-Check und vereinbart mit den Rektoren Maßnahmen, die wirklich zur Verbesserung an den Schulen führen? Stinkende Klos können gereinigt werden, Baumängel an den Gebäuden lassen sich beheben."
Und nun? Die Debatte wird weitergehen.
Es ist eine politische Debatte, hinter der eine ganz schlichte Fragen steht: Tut Bremen genug für die Schulen? Statt eines Schlussworts zitieren wir aus dem Koalitionsvertrag zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen 2011:
"Bremen braucht alle Talente - von Anfang an. Bildung ist für uns mehr als die bloße Gewinnung von Qualifikationen für den Arbeitsmarkt. Bildung ist der Schlüssel zu einem aktiven und selbstbestimmten Leben, zu Beschäftigung und Innovation. Bildung ist ein Schlüssel für die Entfaltung der Persönlichkeit und eine wichtige Voraussetzung dafür, das eigene Leben gestalten zu können."
Bremer Schul-Check
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Bremer Bildungs-Blog
Kommentare Bildungspolitik
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Zeugnis für Bremer Schulen
Nach den vielen Vergleichsstudien, bei denen Bremen immer auf den hinteren Plätzen gelandet ist, wollten wir von Ihnen wissen: Was ist gut, was schlecht. Wo drückt der Schuh am meisten? Was müsste passieren, damit Bremen im Ländervergleich die rote Laterne abgeben kann? Rund 270 Kommentare und Bewertungen gingen in unserem Schul-Check ein. Dafür herzlichen Dank! Mehr...
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Schul-Check-Team
Wollen Sie uns etwas mitteilen, ihre Anregungen loswerden oder Fragen zum Schul-Check stellen, dann schicken Sie uns einfache eine E-Mail an recherche@radiobremen.de!
Dossier: Schul-Check
![Leerer Klassenraum mit hochgestellten Stühlen [Quelle: Radio Bremen] Leerer Klassenraum mit hochgestellten Stühlen [Quelle: Radio Bremen]](/nachrichten/schule100_v-mediateaser.jpg)
Vom 8. bis zum 19. April können Schüler, Eltern und Lehrer auf radiobremen.de über die Bremer Bildungspolitik diskutieren und sich am "Schul-Check" beteiligen. Wir wollen wissen, wo es gut läuft und wo der Schuh drückt. Mehr finden Sie hier im Online-Dossier!
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