27. Mai 2013, 13:43 Uhr
Weniger Geld für Bremen
Die Stadt Bremen soll in Zukunft weniger von den Gewinnen der Wohnungsbaugesellschaft "Gewoba" erhalten. Die SPD-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft fordert, mit dem Geld künftig neue, billige Wohnungen zu bauen – vor allem mehr Studentenwohnungen. Die Bremer SPD hat das auf einer Klausurtagung in Wilhelmshaven beschlossen.
"Man braucht lange, um etwas Gutes und Günstiges zu finden", sagt Studentin Eva Wacher. Gerade in den letzten Jahren, wo die Studentenzahlen deutlich gestiegen sind, merkt man schon deutlich, dass die günstigen Wohnungen weniger werden." Die Studentin hatte Glück: Sie hat ein Zimmer beim Studentenwerk bekommen.
Aber es war nicht einfach. Drei Monate musste die Studentin warten, bis das endlich geklappt hat. Für ihr Zimmer in der Vierer-WG zahlt sie 250 Euro. Wasser, Strom und Internet inclusive.
Nur sieben Prozent aller Studenten können auf einen Platz im Wohnheim hoffen. Der Rest geht leer aus. Der stellvertretende Geschäftsführer des Studentenwerks Bremen, Hauke Kieschnick erläutert: "Derzeit haben wir 1.900 Wohnheimplätze in Bremen und Bremerhaven. Wir bräuchten insgesamt 600 Plätze mehr."
Dabei könnten viele Studenten in diesem Wohnheim unterkommen. Ein privater Wohnheimbetreiber hat die hippe Studentenresidenz gebaut. „The Fizz“ liegt ganz in der Nähe der Uni und ist topmodern gestaltet. Allerdings…
…können sich nur wenige den Luxus dort leisten. "Hier wohnen jetzt fast 200 Leute und wir haben noch immer Zimmer frei", berichtet diese Studentin. Das hat allerdings auch seinen Grund...
400 Euro kostet ein Zimmer pro Monat. Mindestens. Wer oben mit Blick ins Grüne wohnen will, zahlt über 600 Euro.
"Ich kann mir das alleine nicht leisten, meine Eltern zahlen die Miete", sagt Elena Economides. Vor kurzem hat sie gekündigt. "Ich will mir für das zweite Jahr etwas anderes suchen."
Mehr Geld für günstige Wohnungen: Das hat die SPD-Fraktion gefordert. Die Stadt Bremen soll auf Gewinne verzichten, die ihr eigentlich von der Wohnungsbaugesellschaft „Gewoba“ zustehen. Die soll im Gegenzug billige Wohnungen bauen.
Für den Vorsitzenden des Allgemeinen Studierendenausschuss, David Ittekkott, ist der Beschluss der SPD-Bürgerschaftsfraktion nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: "Für den Wohnungsbau wird immer noch viel zu wenig Geld ausgegeben. Der Beschluss ist ein erster Schritt, aber noch lange nicht der letzte."
Die SPD-Fraktion verlangt jetzt ein Sonderprogramm. Die Gewoba soll in den kommenden zwei Jahren neue und vor allem günstige Wohnungen bauen. Dafür soll sie einen Teil ihrer Gewinne verwenden. Diesen musste sie bisher an Bremen abgeben. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hatte die Gewoba 34 Millionen Euro Gewinn gemacht. Davon hat die Stadt rund ein Drittel – also elf Millionen Euro – bekommen.
Außerdem sieht der Beschluss vor, dass die Behörden neue Bauvorhaben einfacher und schneller genehmigen. Gewoba und Stadt sollen darüber hinaus enger mit dem Studentenwerk zusammenarbeiten. So sollen Engpässe wegen fehlender Studentenwohnungen schneller erkannt werden. Erst kürzlich hatte der Senat ein sogenanntes Bündnis für Wohnen ins Leben gerufen. Den SPD-Abgeordneten in der Bürgerschaft reicht das offenbar noch nicht. Vor allem Wohnungen mit Mieten um 6,50 Euro pro Quadratmeter fehlen überall in der Stadt. Das hat eine Studie des Studentenwerks deutlich gemacht.
Die Oppositionsparteien in der Bürgerschaft sind dagegen, Gewinne der Gewoba direkt in die Schaffung neuer, billiger Wohnungen zu stecken. Von einem "Ablenkungsmanöver" sprach Bremens CDU-Landeschef Jörg Kastendiek. Man könne Geld nicht doppelt ausgeben. Schließlich habe die Landesregierung die Millionen-Überschüsse der Gewoba schon für den Bau des geplanten Offshore-Basishafen in Bremerhaven eingeplant. Kastendiek bezeichnete den SPD-Vorschlag als "unausgegoren und unseriös".
Die Linke findet es grundsätzlich positiv, wenn die Stadt günstigen Wohnraum schaffen will. Man müsse dafür an Geld zusammenkratzen, was nur gehe, so die wohnungspolitische Sprecherin der Linken, Claudia Bernhard. Allerdings reichten die geplanten Summen für ein solches Programm lange nicht aus. Die Linke fordert ein Sonderprogramm von 100 Millionen Euro, um billigen Wohnraum zu schaffen. An so viel Geld hatte die SPD allerdings nicht gedacht. Verhalten ist auch die Reaktion des grünen Koalitionspartners. Das Geld, das die SPD für ein neues Wohnungsprogramm ausgeben will, fehle an anderer Stelle, so ein Sprecher. Die SPD hätte einen Vorschlag gemacht, ohne zu sagen, wie er gegenfinanziert werden soll.
Die Gewoba gehört zu vier Fünfteln der Stadt. Von den Überschüssen bekommt Bremen einen großen Teil. Im Jahr 2012 waren das elf Millionen Euro.
SPD-Politiker sieht Fehler in Bremer Wohnungspolitik
Studentenwerk will mehr Wohnungen
Hohe Nachfrage, geringes Angebot
Mehr als elf Millionen Euro für Bremens Kassen
Günstig wohnen? Für Studenten schwierig!, [6:19]
Gewoba will Sozialwohnungen aufkaufen, [0:46]
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