3. April 2013, 13:22 Uhr
Kosten- und Nutzenfrage
Die Windenergie-Branche im Nordwesten kritisiert die Forderung des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen nach einem Ausstieg aus der Energiegewinnung durch Windkraftanlagen auf dem Meer. Für die Windenergie-Agentur (WAB) ist es hingegen das Fundament der Energiewende. Die Verbraucherzentralen würden allmählich zum Bremser der Energiewende, sagte WAB-Geschäftsführer Ronny Meyer.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte gefordert, den Ausbau der Windparks auf hoher See drastisch zurückzufahren. Der Energiefachmann Holger Krawinkel bezeichnete die Energieerzeugung auf dem Meer als "wirtschaftlichen und technologischen Irrweg". Je schneller man aus der Hochsee-Windenergie aussteige, desto besser – und desto geringer fallen die Kosten aus, so lautet die These von Krawinkel. Er beruft sich dabei auf eine Analyse für die sogenannte Denkfabrik "Agora Energiewende". Danach würde der Ausbau der erneuerbaren Energien um drei bis vier Milliarden Euro günstiger, wenn die Energieerzeugung auf dem Meer weitgehend außen vor bleibe. Mit Photovoltaik (Nutzung der Sonnenstrahlung) und der Windenergieerzeugung an Land stünden genügend Alternativen bereit. Die Verbraucherzentrale Bremen teilt die Bedenken Krawinkels.
Diskussion um Windkraft-Nutzung auf dem Meer
Meinungen im Nordwestradio
Wenn man nur auf die Kosten schaue, brauche man die Energiewende nicht, sagte Meyer. Das Ziel sei langfristig ein "Energiemix" aus 80 bis 100 Prozent erneuerbaren Quellen. Für die Versorgungssicherheit in einem solchen Netz brauche man die auf dem Meer erzeugte Windenergie, denn nur sie garantiere auch Strom, wenn an Land die Sonne nicht scheine und dort kaum Wind wehe, so Meyer weiter. Die Energiegewinnung an Land und auf dem Meer ergänzen sich in seinen Augen, eine Konkurrenz werde künstlich herbeigeredet.
Für die Verbraucherzentralen wird sich international allenfalls Seewind in Küstennähe durchsetzen, "was aber in Deutschland wegen des Wattenmeers nicht infrage kommt."
Ohne die Hochsee-Windenergie ist die Energiewende nicht möglich, hält man auch in der Bremer Wirtschaftsbehörde den Verbraucherschützern entgegen. Das sei Konsens unter Energieexperten, so ein Sprecher. Nur mit den Windparks im Meer ließen sich insgesamt die Strommengen erzeugen, die für eine sichere Energieversorgung ohne Atomkraftwerke benötigt würden. Jeder, der das nicht wolle, so ergänzte Sönke Allers, Chef der SPD-Fraktion in der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung, müsse sagen, wie er die gleiche Menge Windenergie alleine an Land erzeugen wolle. Allers hält dies unter anderem wegen langer Genehmigungsverfahren und Widerständen in der Bevölkerung kaum für machbar.
Zweifel an den Argumenten des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen kommen auch aus Cuxhaven. Oberbürgermeister Ulrich Getsch (parteilos) hält an der Hochsee-Windenergiegewinnung fest. Der Wirkungsgrad der Anlagen auf dem Meer sei gut, so Getsch. Langfristig würden die Kosten dort sinken.
Nach Ansicht von Meeresschützern würden die realen Kosten für die Windparks auf See bislang überhaupt nicht berücksichtigt, heißt es in einem Bericht der Zeitschrift für maritimen Umwelt- und Naturschutz "Waterkant". In Wirtschaftlichkeitsberechnungen müssten auch die immensen Kosten für neue Hafenanlagen, Spezialschiffe und Maßnahmen zur Schalldämmung sowie zur Verkehrslenkung einfließen. Zudem fehle auch der Hinweis auf die hohen Kosten für Ausbildung spezialisierter Montage- und Betriebskräfte sowie für die Notfallvorsorge oder Rettungsbereitschaften.
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