2. Februar 2012, 18:02 Uhr
Keime in Bremer Klinik
Berichte über frühere Todesfälle von Frühgeborenen im Klinikum Bremen-Mitte haben für Aufregung im Gesundheitsamt gesorgt. Nach Informationen von Radio Bremen sind im Jahr 2005 Klebsiellen-Keime aufgetaucht. Bei sechs Frühgeborenen seien die Keime nachgewiesen worden. 2011 kam die Klinik in die Schlagzeilen. Dort waren drei Frühchen an einem gefährlichen Darmkeim gestorben.
25 Babys waren 2011 im Klinikum Bremen-Mitte mit einem gefährlichen Keim in Kontakt gekommen.
Der Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) schließt nicht aus, dass der Tod von drei Babys 2005 im Zusammenhang mit den Keimen stehen könnte, so eine Sprecherin. Nach Informationen von Radio Bremen hat das Bremer Gesundheitsamt erst im November 2011 von den damaligen Todesfällen erfahren. In einer Email, die Radio Bremen vorliegt, zeigt sich ein leitender Mitarbeiter tief schockiert über diese Information.
Er habe erst kurz zuvor Klinik-Mitarbeiter zu früheren Ausbrüchen befragt. Von den Fällen aus dem Jahr 2005 sei aber nicht berichtet worden. Eine Sprecherin des Klinikverbundes Gesundheit Nord erklärte auf Anfrage, dass es sich bei den früheren Fällen nicht um einen Ausbruch, sondern um eine Häufung von Einzelfällen handelt. Die würden keiner Meldepflicht unterliegen. Trotz wochenlanger Recherche kann der Klinikverbund das Geschehen bis heute nicht endgültig aufklären.
Was ist meldepflichtig?
"Grundsätzlich sind laut Infektionsschutzgesetz nur Häufungen von übertragbaren Erkrankungen in Krankenhäusern meldepflichtig", sagt der Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene des Klinikums Oldenburg, Jörg Herrmann. Er definiert Häufung als "mehrere Infektionen, die einen räumlichen oder zeitlichen Zusammenhang haben." Wenn beispielsweise ein Frühchen einen bestimmten Erreger trage und in der Folge erkranke, dann könne dieses Kind auch noch zwei Monate später ein anderes infizieren. Damit sei ein räumlicher und zeitlicher Zusammenhang gegeben.
Genaue Prüfung notwendig
Ob zwischen einzelnen Infektionen ein Zusammenhang besteht, müsse anhand der Patientenakten und der mikrobiologischen Befunde genau geprüft werden, so Herrmann. Dabei bleibe immer ein Unsicherheitsfaktor: "Sie können gar nicht mit Gewissheit sagen, wenn vor zwei Monaten ein Erreger da gewesen ist, und sie sehen jetzt wieder einen von der gleichen Spezies, dass das auch der identische Stamm gewesen ist."
Hohes Risiko bei Frühchen
Es sei völlig normal, dass Kinder erst einmal mit Erregern besiedelt würden. Erst wenn diese dann in die Blutbahn übertreten, ergebe sich eine Infektion. Der Experte aus Oldenburg betont, dass eine Vielzahl von solchen Kindern auf Frühchenstationen aufgrund ihrer Konstitution frühzeitig sterben: "Wenn sie sterben, dann zu über 50 Prozent an Infektionen, auch das ist keine Besonderheit."
MRSA-Keime immer weiter verbreitet
Im Stader Krankenhaus wurde im Januar 2012 auf der Intensivstation für Neugeborene bei acht Säuglingen die multiresistente Variante des Darmbakteriums Ecoli nachgewiesen. Keines der isoliert untergebrachten Babys ist aber daran erkrankt. Man wisse nicht, wie häufig solche Situationen in Deutschland auftreten, sagt der Leiter des Niedersächsischen Gesundheitsamtes, Mattias Pulz. Generell seien multiresistente Keime auf dem Vormarsch, so dass es auch immer wieder zu Einschleppungen in Krankenhäuser komme.
Schnelles Handeln unbedingt notwendig
Man habe aber in Bremen gesehen, dass aus einer solchen Besiedlung schnell eine Erkrankung mit tödlichem Ausgang entstehen könne. Insofern sei es außerordentlich zu begrüßen, wie das Klinikum in Stade vorgegangen sei. Dort habe man sofort alle erforderlichen Hygienemaßnahmen ergriffen und einen Aufnahmestopp verhängt. Auch die Presse sei umgehend informiert worden. "Dieses Vorgehen ist vorbildlich gewesen", sagt Pulz.
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Aufregung um frühere Frühchen-Todesfälle, [1:57]
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