3. Januar 2012, 11:47 Uhr
Fischtrawler wieder frei
Die Bremerhavener Wasserschutzpolizei hat die Besetzung des Fischtrawlers "Jan Maria" durch die Umweltschutzorganisation Greenpeace beendet. Nachdem Taucher die Kette um die Schrauben gelöst hatten, wurden die Haltetaue des Schiffes gelöst. Hier hatten sich vier Aktivisten festgemacht.
Greenpeace-Aktivisten werden von der Polizei in Gewahrsam genommen.
Die Aktivisten wurden in Polizeigewahrsam genommen. "Das war eine erfolgreiche Aktion", sagte ein Greenpeace-Sprecher anschließend. Immerhin habe seine Organisation damit auf die Überfischung der Meere und die Subventionierung großer Fischereischiffe durch die Europäische Union aufmerksam gemacht.
Am frühen Montag hatte der Protest begonnen, um ein Auslaufen des Fabrikschiffes zu verhindern. Ursprünglich hatte Greenpeace angekündigt, das Schiff mehrere Tage blockieren zu wollen. Gegen die Aktivisten liegt mittlerweile eine Anzeige der niederländischen Reederei vor. Erst am Dienstag konnte das Schiff um 9:30 Uhr ablegen und im Verlauf des Vormittags Bremerhaven verlassen.
Drei Schwimmer von Greenpeace hatten erneut versucht, das Schiff am Auslaufen zu hindern. Sie waren mit einem Banner vor der "Jan Maria" hergeschwommen, als diese die Doppelschleuse ansteuerte. Die Polizei holte die Aktivisten jedoch aus dem Wasser.
Audio: Greenpeace-Meeresbiologin Iris Menn im Nordwestradio
Einstellungen, Infos und Kommentare
Die Fischereipolitik der Europäischen Union sei durch ihre Zuschusspolitik schuld an der Überfischung der Meere. Hoch subventionierte Fischtrawler wie die "Jan Maria" hätten eine zwei- bis dreimal höhere Fangkapazität, als für eine nachhaltige Fischerei verträglich sei.
Die niederländische Reederei der "Jan Maria“ und der Deutsche Fischereiverband wiesen die Kritik von Greenpeace zurück. Die Reederei der "Jan Maria" beachte die Fangquoten der EU und sei außerdem für nachhaltige Fischerei zertifiziert, sagte ein Reedereisprecher. Wenn Greenpeace die Fangquoten der EU für zu hoch halte, müsse sich die Umweltorganisation damit an die EU wenden und nicht an ein einzelnes Unternehmen.
Ein Sprecher des Deutschen Fischereiverbandes verurteilte die Greenpeace-Aktion als rechtlich fragwürdig. Er hält die Kritik an den EU-Fangquoten für unbegründet. Die Bestände hätten sich erholt und es gebe Fortschritte bei deren nachhaltiger Bewirtschaftung. Die Subventionen für die EU-Fischereiflotte seien bereits bis an die Grenze der Wettbewerbsfähigkeit heruntergefahren worden.
Den Fischereiministern der EU wirft Greenpeace Versagen vor. Sie hätten bei ihrem Treffen im Dezember erneut wirtschaftliche Interessen über den Schutz der Fischbestände gestellt und die Fangquoten wieder zu hoch festgesetzt.
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