11. September 2012, 13:25 Uhr
Jade-Weser-Port
Nach der Ankunft des Frachters "Flaminia" in Wilhelmshaven stehen die Suche nach einem vermissten Seemann und den Ursachen der Havarie im Mittelpunkt der Ermittlungen. Dazu sollen Experten am Dienstag an Bord des Containerschiffes gehen, sagte ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven.
Am Montag gingen Experten an Bord der "Flaminia" in Wilhelsmhaven.
"Wir prüfen, ob Straftaten begangen wurden und führen ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hamburg. Das Bergen der Ladung und die Reinigung des Containerfrachters "Flaminia" in Wilhelmshaven kann nach Einschätzung von Fachleuten viele Wochen dauern. Mindestens ein bis zwei Monate müssten dafür eingerechnet werden, sagte am Montag der Leiter des deutschen Havariekommandos, Hans-Werner Monsees. Dabei stehe die Sicherheit für Menschen und Umwelt an oberster Stelle.
Das Havariekommando
Das Havariekommando in Cuxhaven ist seit fast zehn Jahren für die Koordination bei Einsätzen nach Unfällen auf Nord- und Ostsee zuständig. Die gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer ist rund um die Uhr besetzt. Bei großen Unfällen wird ein Havariestab einberufen, dessen Leiter die Einsatzkräfte von Bund und Ländern koordiniert. Bei kleineren Unfällen sind nur die lokalen Behörden zuständig. Das Havariekommando probt auch immer wieder den Ernstfall. Es unterstützt mit Radar- und Luftüberwachung, Lotseneinsatz sowie Notschleppern. Für den Fall von Ölverschmutzungen im Meer stehen Spezialschiffe bereit.
"Es tritt aus diesem Schiff nichts aus. Das war auch Voraussetzung für das Einlaufen in deutschen Gewässern." Die Irrfahrt des havarierten und mit Gefahrgut beladenen Containerschiffs "Flaminia" hatte am Sonntagabend, 57 Tage nach einem Feuer an Bord, ein Ende gefunden. Sechs Schlepper bugsieren das stark beschädigte Schiff vorsichtig an den Anleger in Wilhelmshaven. Das Manöver sei bei spiegelglatter See reibungslos verlaufen, teilte das Havariekommando mit.
Sicherher Hafen: Die "Flaminia" kurz vor der Kaje in Wilhelmshaven.
Im Hafen werden Arbeiter nun die teils völlig zerstörten Container bergen. In 151 der rund 2.800 Container an Bord des Frachters wurde Gefahrgut transportiert. Das Schiff befand sich auf dem Weg von Charleston an der US-Ostküste nach Antwerpen, als am 14. Juli auf dem Atlantik ein Feuer ausbrach. Mehrere Explosionen folgten, ein Seemann starb. Mehrere Länder verweigerten dem havarierten Schiff das Einlaufen, worauf eine wochenlange Odyssee folgte. Nach der Havarie war ein Streit darüber ausgebrochen, wohin das Schiff geschleppt werden soll. Kritisiert wurde die Weigerung anderer europäischer Staaten, Anlaufmöglichkeiten zu bieten. Die "Flaminia" war unter deutscher Flagge zuletzt im Auftrag der Reederei "Niederelbe Schifffahrtsgesellschaft" (NSB) aus Buxtehude unterwegs.
Jens Rauterberg ist der stellvertretende Stabsleiter des Havariekommandos.
Am Sonntagmorgen gegen 8 Uhr hatte der Schleppverband mit der "Flaminia" die Tiefwasserreede verlassen und zügig den Weg nach Wilhelmshaven zurückgelegt. Die Fahrt verlief reibungslos. Vor der Pier wurde das havarierte Containerschiff gedreht und liegt nun mit dem Bug Jade-auswärts. Am Montag will sich das Havariekommando ein genaues Bild von der Lage an Bord machen. Ein Expertenteam hatte sich dort bereits auf See umgeschaut und Proben genommen. "Das sind erstmal Stichproben gewesen", erläuterte Jens Rauterberg vom Havariekommando. "Wir sind noch nicht überall rangekommen." Wenn das geschehen ist, wird die Staatsanwaltschaft nach dem vermissten Seemann suchen und weitere Ermittlungen an Bord des Schiffes einleiten. Am Dienstag sollen dann Brandermittler damit beginnen, nach der Ursache für das verheerende Feuer zu suchen. Erst wenn sie ihre Arbeit beendet haben, können die beschädigten Container und das mit Giftstoffen belastete Löschwasser entsorgt und das Schiff entladen werden. Das Ganze wird mehrere Wochen dauern.
Kurz vor dem Ziel: Die "Flaminia" wird von Schleppern zum Jade-Weser-Port begleitet.
Die riesigen Container liegen kreuz und quer an Deck verstreut, vom Ruß dunkel verfärbt. Eine Schneise der Verwüstung zieht sich über den gesamten Mittelteil der "Flaminia". Hier hat die Feuersbrunst gewütet. "Erleichtert sind wir schon ein bisschen", sagt der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees. "Aus unserer Sicht hat alles gut geklappt." Seit Wochen sind er und seine Mitarbeiter ununterbrochen im Einsatz. Großbritannien und Frankreich hatten sich geweigert, den Frachter in einen ihrer Häfen einlaufen lassen. Ein heftiger Streit um seine Bergung entbrannte. Schließlich entschied das Havariekommando, dass die "Flaminia" nach Wilhelmshaven gebracht werden soll. Schlepper mussten sie durch den Ärmelkanal bis in den Jadebusen bringen – mitten durch das zum Weltnaturerbe zählende Wattenmeer.
MSC Flaminia in Wilhelmshaven , [4:43]
Flaminia im Jade-Weser-Port
Bergung der Container wird voraussichtlich Wochen dauern
Die "Flaminia" nimmt Kurs auf Wilhelmshaven
Spezialisten sind an Bord der "Flaminia"
Die "Flaminia" nähert sich deutschen Gewässern
Die "Flaminia" auf dem Weg nach Deutschland
Die lange Reise der "MSC Flaminia"
Situation an Bord hat sich stabilisiert
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