29. September 2011, 13:41 Uhr
Schnelles Prozess-Ende
Im Prozess gegen eine Gruppe von Hooligans vor dem Amtsgericht Bremen sind am Donnerstagmittag die Urteile gesprochen worden. Die sieben Angeklagten, die der rechten Szene zugeordnet werden, sind zu Geldstrafen zwischen 300 und 700 Euro verurteilt worden. Bei der Urteilsverkündung blieb es im Saal ruhig.
Am vergangenen Donnerstag, dem ersten Prozesstag, waren etliche zum Teil vermummten Sympathisanten der Angeklagten im Saal anwesend und hatten versucht, andere Zuschauer einzuschüchtern. Den Angeklagten war vorgeworfen worden, im Jahr 2007 eine Feier von eher linksgerichteten Fußballfans im Ostkurvensaal des Bremer Weser-Stadions überfallen zu haben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben die Angeklagten dies glaubhaft gestanden. Das Gericht hatte vorgeschlagen, den Prozess damit vorzeitig zu beenden. Angeklagte und Staatsanwaltschaft hatten dem zugestimmt. Diese Absprache und der Auftritt von vermummten Zuschauern im Gericht war von der Bremer Öffentlichkeit scharf kritisiert worden. 800 Menschen hatten deshalb am Mittwochabend in der Bremer Innenstadt gegen rechte Gewalt demonstriert.
Der Berliner Journalist und Kenner der deutschen Hooligan-Szene, Ronny Blaschke, sagte nach dem Urteilsspruch in einem Interview für die Radio-Bremen-Sendung "buten un binnen – Die Woche", Staatsanwaltschaft und Gericht hätten in einer befremdlichen Atmosphäre das Verfahren lustlos abgewickelt, ohne die politische Dimension zu erkennen. Blaschke sprach in diesem Zusammenhang von "Prozess-Ökonomie". Eine objektive Erhebung der Umstände habe schon auf Grund der Verschleppung des Prozesses um viereinhalb Jahre nicht erfolgen können. "Das Signal, das davon ausgeht, ist fatal", so Blaschke weiter.
Werder Bremen kritisierte ebenfalls die Dauer der Ermittlungen. "Das ist unverständlich", so ein Werder-Sprecher. Er kündigte an, dass der Verein die bereits unmittelbar nach der Tat angekündigten Stadionverbote gegen die Angeklagten nun umsetzen werde. Laut Werder hatten sich die Behörden bislang geweigert, die Adressen der Täter mitzuteilen.
Schnelles Ende eines lange vorbereiteten Prozesses, [3:42]
buten-un-binnen berichtet
Milde Strafen beim Hooligan-Prozess in Bremen, [4:15]
Heiko Neugebauer schildert seine Eindrücke vom Prozess im Studiogespräch.
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