6. Juni 2012, 11:38 Uhr
Jade-Weser-Port
Der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven wird nicht wie geplant im August den Betrieb aufnehmen. Das haben die Länderchefs von Bremen und Niedersachsen, Jens Böhrnsen (SPD) und David McAllister (CDU) bei einem Krisentreffen in Bremen am Dienstag beschlossen. Neuer Starttermin ist jetzt Ende September.
Rund zwei Monate später soll der Betrieb auf dem Tiefwasserhafen nun aufgenommen werden.
Das sagten beide Regierungschefs nach Gesprächen am Bremer Flughafen. Neben Böhrnsen und McAllister waren auch die Chefs von Eurogate, Emanuel Schiffer, und der Jade-Weser-Port-Realisierungsgesellschaft, Axel Kluth, dabei. Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) hatte bisher immer auf den ursprünglich festgesetzten Starttermin Anfang August beharrt. Vorgesehen ist nun, dass die Baumängel an der Kaje auf einer Länge von 1.000 Metern bis Ende Juli behoben werden. Anfang August soll dann der Probebetrieb beginnen. In den vergangenen Wochen waren zahlreiche Risse an dem 1.725 Meter langen Bauwerk festgestellt worden. Inzwischen gibt es mehr als 200 dieser so genannten Schlosssprengungen in der Spundwand. Die Schäden zu beheben wird Schätzungen zufolge mehr als 50 Millionen Euro kosten.
Tiefwasserhafen wird zur Chefsache, [5:37]
Böhrnsen geht davon aus, dass die beiden Bundesländer die Mehrkosten für die Sanierung und den Umsatzausfall durch den verspäteten Beginn nicht tragen werden. Wer das zahlen muss, könne erst gesagt werden, wenn eindeutig geklärt ist, wie es zu den zahlreichen Löchern in der Spundwand kommen konnte. Wer die Verantwortung für die Schäden übernehmen und damit letztlich die Kosten tragen muss, werden wohl Gutacher oder Gerichte entscheiden.
Die aufwändigen Reparaturarbeiten und die damit verbundenen Verzögerungen hatten in der Vergangenheit zu großen Differenzen zwischen den Beteiligten geführt. In den vergangenen Wochen hatte sich die Diskussion um Bauschäden an der Spundwand des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven verschärft. Ein ursprünglich ab Mai vereinbarter Probebetrieb konnte bislang nicht im geplanten Umfang durchgeführt werden.
Kommentar: Jade-Weser-Port kommt – später:
Jade-Weser-Port kommt... später
von Martin Reckweg
Einige Containerbrücken durfte der Betreiber nur mit Verspätung aufstellen. Sie wurden aus Asien angeliefert und mussten auf Reede vor dem neuen Hafen warten. Eurogate kann bisher nur die ersten 400 Meter der gut 1.700 Meter langen Kaje nutzen. Laut Vertrag müssen bis Anfang August aber 1.000 Meter der Kaje betriebsbereit sein. Die größten Containerschiffe der Welt sollen dann voll beladen tideunabhängig rund um die Uhr den Hafen anlaufen können. Im ersten Betriebsjahr sollen 700.000 Standardcontainer umgeschlagen werden. Nach einer Anlaufphase peilen die Betreiber dann rund 2,7 Millionen Container im Jahr an. Zum Vergleich: In Bremerhaven wurden 2011 knapp sechs Millionen Container bewegt.
Für die Länder Niedersachsen und Bremen ist es ein Jahrhundertprojekt. Denn in den ersten deutschen Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven sollen die größten Containerschiffe mit bis zu 18 Meter Tiefgang anlegen. Als Eröffnungstermin wird seit Monaten der 5. August genannt. Jetzt ist klar, dass dieser Termin nicht gehalten werden kann. Zu groß sind die Mängel an der maroden Spundwand. Allein die Zusammensetzung des Krisentreffens in Bremen zeigte, dass das Projekt spätestens jetzt Chefsache ist. Wer wann ein Band durchschneidet und zum Büffet schreitet, sei doch letztlich zweitrangig, wichtig sei das Jahrhundertprojekt Jade-Weser-Port, sagte McAllister, der die Verschiebung der Inbetriebnahme als "kluge Entscheidung" bezeichnete.
Olaf Lies, stellvertretender SPD-Fraktionschef im niedersächsischen Landtag hat kritisiert, dass die Schäden an der Spundwand sträflich unterschätzt wurden, obwohl sie bereits seit September 2011 bekannt sind. Monatelang habe Wirtschaftsminister Bode beschwichtigt und die Probleme heruntergespielt. Die Verschiebung der Eröffnung auf Ende September 2012 sei die Konsequenz eines katastrophalen Krisenmanagements der Landesregierung. Auch Wilhelmshavens Oberbürgermeister Andreas Wagner (CDU) sagte, die Entscheidung, den Starttermin auf Ende September zu verschieben, hätte deutlich früher getroffen werden können. Entscheidend sei allerdings, dass der Hafen in Betrieb gehe, dabei komme es auf zwei Monate nicht an. Frieslands Landrat Seven Ambrosy (SPD) ist beunruhigt, dass es noch kein genaues Datum für den Start des Hafens gibt.
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