8. Februar 2013, 18:45 Uhr
469. Bremer Schaffermahlzeit
In der Hauptrede der Bremer Schaffermahlzeit hat sich Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) mit dem Thema "Politik und Zeit" beschäftigt. Politik benötige mehr Zeit, damit sie zu guten Entscheidungen komme. Das sagte der Regierungschef als Ehrengast im Bremer Rathaus. Mit einem großen Ball endete die Veranstaltung am Abend des 8. Februar.
Noch vor dem Festessen durfte sich Stanislaw Tillich ins Goldene Buch der Stadt Bremen eintragen.
Mehr Zeit für Politik – dabei gehe es nicht ums Aussitzen oder um Politik in Zeitlupe, so Tillich. Ein Mehr an Zeit solle aber sicherstellen, dass die Politik bei wichtigen Zukunftsfragen den richtigen Kurs einschlägt. "Die Politik muss sich diese Zeit nehmen, sie muss ihr aber auch gewährt werden. Ich wünsche mir deshalb, dass die geschätzten Vertreter der Medien gelegentlich mehr Langsamkeit zulassen", so Tillich weiter. Das helfe gegen Politikverdrossenheit, weil die Ergebnisse besser seien. "Wie ein guter Schmorbraten", fügte der Regierungschef in Anspielung auf die Schaffermahlzeit hinzu. Zuvor hatte Tillich die wirtschaftlichen Leistungen seines Bundeslandes herausgestellt: einen ausgeglichenen Haushalt sowie den ersten Platz beim Bildungsmonitor.
Insgesamt 300 Teilnehmer, darunter Kapitäne, Kaufleute und ihre Gäste, versammelten sich zu dem fünfstündigen Traditionsessen in der Oberen Halle des alten Bremer Rathauses. Zuvor hatten mehrere Hundert Frauen auf dem Marktplatz gegen die Veranstaltung demonstriert. Ihr Protest richtete sich dagegen, dass an der Schaffermahlzeit traditionell keine Frauen teilnehmen dürfen. In der langen Geschichte der Veranstaltung gab es erst zwei Ausnahmen.
Nach Angaben der Organisatoren haben 500 Frauen auf dem Bremer Marktplatz demonstriert.
Schwarze Jacke, weißes Hemd, manche im Frack: Viele Frauen hatten sich ähnlich wie die Teilnehmer der Schaffermahlzeit gekleidet. Einzig eine knallrosa Fliege unterschied die Demonstrantinnen von den Gästen des Banketts. Auf zahlreichen Transparenten wiesen sie auf Meilensteine der Frauengeschichte in den vergangenen Jahrzehnten hin, während die Gäste der Schaffermahlzeit – alles Männer – auf ihrem Weg ins Rathaus durch das Spalier laufen mussten.
Frauen wollen zur Schaffermahlzeit, [4:16]
Bremens Landesfrauenbeauftragte, Ulrike Hauffe, hatte zu dem Protest aufgerufen. Anschließend bewertete sie die Aktion als Erfolg: "Ich bin tief beeindruckt, dass es uns gelungen ist, so viele Frauen zu mobilisieren, die ihrem Unmut Luft gemacht haben. Und ich wette: Dieses Jahr war das letzte Jahr, in dem Haus Seefahrt es sich leisten konnte, Frauen zu ignorieren. Insofern ist dies ein historischer Tag", sagte Hauffe.
Die Schaffermahlzeit folgt einem Jahrhunderte alten Ritual. Neben sechs Gängen typisch bremischer Seemannskost sind zwölf Reden zu absolvieren. An dem Essen dürfen nur die Mitglieder von Haus Seefahrt, Kapitäne und deren Gäste teilnehmen. Einladungen gehen meist an Unternehmer, Politiker und Prominente. Die Teilnahme gilt als Ehre. Diese wurde bislang genau zwei Frauen zuteil: einer Kapitänin und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Mit dem traditionellen Einlassruf begann auch die 469. Auflage der Schaffermahlzeit: wie gewohnt um exakt zwei Minuten vor halb drei Uhr am Nachmittag. Wenig später kam schon der erste Gang, die Hühnersuppe. Früher war die Schaffermahlzeit das Abschiedsessen, das die Reeder ihren Kapitänen gaben, bevor sie wieder in See stachen.
Noch fast wie im Jahre 1545: Der festlich gedeckte Tisch in der Oberen Halle des alten Bremer Rathauses.
Veranstalter ist die Stiftung Haus Seefahrt, die bei der Schaffermahlzeit Geld für in Not geratene Seeleute und deren Familien sammelt. Die Veranstaltung ist fast ausschließlich Männern vorbehalten. Bei dem Ball, der der Schaffermahlzeit folgt, sind dann auch die Partnerinnen der Essensgäste willkommen.
Die Linke in Bremen hatte den Senat aufgefordert, sich nicht mehr an Veranstaltungen zu beteiligen, bei denen Frauen keinen Zugang haben. Auch das Rathaus soll demnach für Veranstaltungen Tabu sein, wenn die Gleichstellung von Männern und Frauen nicht garantiert ist, so die Vorstellung der Linken. Die Organisatoren der Schaffermahlzeit berufen sich auf die Geschichte des Festessens.
Die 469. Schaffermahlzeit im Bremer Rathaus, [50:28]
Weitere Informationen zum Thema:
Die Bremer Schaffer verteidigen Herrenrunde
Ein Heim für bedürftige Seeleute
Das Dossier: Die Bremer Schaffermahlzeit
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