1. Februar 2013, 11:56 Uhr
Anklage gegen Ex-Reeder
Der Ex-Chef der Bremer Beluga-Reederei soll nicht persönlich von einem Millionenbetrug profitiert haben. Niels Stolberg habe sich nicht bereichert, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungsbehörde hat den Reederei-Gründer wegen Kreditbetrugs in 16 Fällen angeklagt. Ihm und dem ehemaligen Leiter des Bereichs "Schiffsfinanzierung" wird vorgeworfen, die Baukosten für 20 Neubauten künstlich hochgetrieben zu haben, um höhere Kredite zu bekommen.
Noch ist unklar, wann der Prozess gegen den Ex-Belugachef Stolberg beginnt.
Mit diesem Trick hätten sie die Kosten für den Bau von 20 Schiffen um mehr als 90 Millionen Euro zu hoch angegeben. Laut Staatsanwaltschaft habe es Stolberg auf diese Weise geschafft, dass Schiffsneubaubauten bis zu 100 Prozent "auf Pump" finanziert wurden. Üblich sei im Schiffbau eine Fremdfinanzierungsquote von 70 Prozent. Stolberg werde sich nicht zu den veröffentlichten Vorwürfen äußern, teilte sein Sprecher mit. Allerdings könne ausgeschlossen werden, dass sich Stolberg persönlich bereichert habe.
Wann der Prozess gegen den ehemaligen Reeder beginnt, steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch nicht fest. "Die Angeschuldigten erhalten noch mal die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Frank Passade.
Das Ende des einst zu den weltgrößten Schwergutreedereien gehörenden Unternehmens wird die Staatsanwaltschaft wohl noch länger beschäftigen. "Das ist ein sehr umfangreiches Wirtschaftsstrafverfahren", so Passade weiter. Im Falle einer Verurteilung drohen Stolberg bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.
Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass es sich um mutmaßlichen Kreditbetrug in 16 Fällen handelt. Laut Gesetz gelten bei Kreditgeschäften falsche Angaben als "Betrug". Die Anklageschrift gegen Stolberg umfasst insgesamt rund 200 Seiten. Zurzeit laufen Ermittlungen gegen 21 Beluga-Verantwortliche. Dabei geht es nach Angaben von Passade unter anderem um Bilanzfälschung und Veruntreuung von Spenden.
Vor zwei Jahren hatte die von Stolberg gegründete Beluga-Reederei Insolvenz angemeldet. Der erste Verdacht gegen den ehemaligen Reeder war im Frühjahr 2011 aufgekommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, weil er Bilanzen gefälscht haben sollte. Mehrere Beluga-Unternehmen waren 2011 in die Insolvenz gegangen. Daraufhin wurde die Schwerlastreederei abgewickelt.
Stolberg hatte 2010 den US-amerikanischen Finanzinvestor "Oaktree" an Bord geholt. Dieser stellte später Anzeige gegen den Firmengründer. Es folgten Insolvenz und Abwicklung der Firmengruppe. Von der Pleite waren rund 670 Mitarbeiter betroffen. Ein Teil der Schiffe kam zur neuen Schwerlastreederei "Hansa Heavy Lift" mit Sitz in Hamburg.
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