Autoabsatz
Gebrauchtwagen gehen derzeit offenbar gut. Auf Neuwagen bleiben Händler dagegen immer häufiger sitzen. Zum Start ins Jahr gab es auch in Bremen einen Einbruch. Für die Verkäufer schlecht, für den Kunden gut. Je nach Modell sind bis zu 30 Prozent Nachlass drin, sagt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Im Trend liegt auch der Autokauf im Internet. Für wen das geeignet ist, das lesen Sie hier im Interview.
Seine Analysen sind geschätzt, bisweilen aber auch gefürchtet: Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.
Radio Bremen: Immer weniger Menschen kaufen einen Neuwagen. Auch in Deutschland. In Krisenländern wie Griechenland oder Italien ist der Grund relativ klar. Warum auch bei uns?
Ferdinand Dudenhöffer: Bei uns ist es so, dass die privaten Kunden bei größeren Anschaffungen vorsichtiger geworden sind, denn man kann die Wirtschaftlage, jetzt auch nach der Zypengeschichte, schlecht einschätzen.
Radio Bremen: In Bremen ist der Absatz von Neuwagen in den ersten Monaten 2013 um 17 Prozent eingebrochen. Ist das ungewöhnlich?
Ferdinand Dudenhöffer: Rückläufig ist ganz Deutschland. 17 Prozent ist nach meiner Einschätzung leicht über dem Durchschnitt. Wir müssen uns mit rückläufigen Zulassungen auch in den nächten zwei, drei Monaten auseinandersetzen, denn wir sehen, dass im Automobilmarkt in Deutschland Rabatte auf höchstem Niveau sind. Hohe Rabatte sind immer ein Zeichen, dass niemand Interesse hat, ein Auto zu kaufen.
Radio Bremen: Gute Zeiten für Autokäufer. Wie viel Rabatt ist drin?
Ferdinand Dudenhöffer: Selbst bei neuen Fahrzeugen wie beim VW Golf als Musterbeispiel sind hohe Rabatte möglich. Beim Golf wird das Fahrzeug bei Internethändlern mit einem Nachlass von um die 18 Prozent angeboten. Das ist ein Maßstab für Rabatte, die im Automarkt sind. Bei Ford und Opel sind Rabatte von bis zu 30 Prozent auf die unverbindliche Preisempfehlung bei den Internetvermittlern möglich. Bei den Händlern ist es so, dass man mit Sondermodellen und Tageszulassungen sicherlich jede Menge interessante Angebote findet.
Zur Person
Ferdinand Dudenhöffer ist Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Er leitet dort das CAR, Center Automotive Research.
Radio Bremen: Autohändler haben Sie für Ihre Untersuchungen zu Rabatten für Neuwagen kritisiert. Nicht wissenschaftlich, nicht seriös, heißt es. Außerdem würden Käufer deswegen zu hohe Nachlässe erwarten.
Ferdinand Dudenhöffer: Wir schauen in den Markt und recherchieren das. Und das machen wir sehr, sehr gründlich. Jeden Monat werden bei uns die Aktionen, die die Hersteller darstellen, rechechiert. Das sind mehr als 350 Aktionen, die wir sehr genau im Detail ausrechnen. Dazu kommen die Internetvermittler, die wir uns anschauen. Nicht einen, sondern die vier großen Börsen mit den 30 meistverkauften Fahrzeugen. Dazu schauen wir uns an, wie die sogenannten "taktischen Zulassungen" laufen. Das sind die Fahrzeuge, die bei Händlern oder Herstellern kurz zugelassen und dann verkauft werden. Das heißt, wir haben jede Menge Daten, die uns zeigen, wohin die Reise geht. Deshalb kann man verstehen, dass man sich ärgert, wenn jemand sagt, dass Rabatte hoch sind. Aber was wir machen, ist, wir spiegeln nur den Markt. Das, was jeder andere auch sieht, sehen wir nur in größerem Detail.
Radio Bremen: Was bedeutet das für die deutschen Autobauer?
Ferdinand Dudenhöffer: Für die deutschen Autobauer ist es zum Teil ärgerlich. Nicht für alle. Einige wie VW, BMW oder Mercedes sind international unterwegs. Da werden Großteile der Produktion im außereuropäischen Ausland verkauft. Amerika und China sind da die wichtigsten Märkte. Da kann man sehr viel ausgleichen. Wenn man aber auf Autobauer geht wie Ford oder Opel, da ist man sehr stark mit der Krise konfrontiert. Beide haben große Probleme und müssen schauen, wie man mit der schwierigen Zeit über die Runden kommt.
Radio Bremen: Wohin geht die Entwicklung? Weiter abwärts oder wieder nach oben?
Ferdinand Dudenhöffer: Die Entwicklung wird in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte vermutlich wieder nach oben gehen. In Europa insgesamt sitzen wir länger in der Krise. Wir glauben nicht, dass es sich vor 2020 substanziell ändert. In Ländern wie Griechenland, Spanien, Italien und Frankreich haben wir einen Riesen-Rezession, die kaum mehr auffangbar ist.
Radio Bremen: Sie haben auf Internethändler verwiesen, bei denen besonders hohe Rabatte drin sind. Was halten Sie grundsätzlich davon, ein Auto im Wert von 30.000 Euro online zu kaufen?
Ferdinand Dudenhöffer: Wenn es ein Käufer ist, der keine Probefahrt haben will, der sich mit Autos auskennt und sich die Spezifikationen selbst zusammenhaut, für den ist der Internetkauf eine ideale Sache. Das wissen wir von vielen Kundenumfragen, die gemacht worden sind. Die zeigen, dass die Kunden, die dort kaufen, hoch zufrieden sind. Wenn jemand im Gegensatz dazu einen Gebrauchtwagen hat, dem er dem Händler in Zahlung geben will, wenn er die Probefahrt will, wenn er die Beratung vom Verkäufer will, wenn er die Werkstatt will, zusätzliche Dienstleistungen, dann ist er beim Händler besser aufgehoben. Aber der Trend zu den Internetvermittlern hält stark an, denn dort erhalten Kunden wirklich interessante Angebote, wenn sie wenig Dienstleistung suchen.
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