Eine Frage des Standpunktes
Wenn Studien oder Berichte über Auszubildende erstellt werden, dann hängt der Tenor häufig davon ab, ob sich die Gewerkschaften oder die Arbeitgeber dem Thema angenommen haben. So meint der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, viele Jugendliche seinen nicht ausbildungsreif. Der Deutsche Gewerkschaftsbund setzt nun dagegen: Von Ausbildungsreife könne auch bei vielen Unternehmen keine Rede sein.
Laut der Studie der Gewerkschaft DGB wird die Ausbildung in Betrieben häuft vernachlässigt.
In den Ergebnissen der diesjährigen DIHK-Ausbildungsumfrage ist es schwarz auf weiß zu lesen: "Die Zahl der Unternehmen, die mangelnde Ausbildunsgreife der Schulabgänger als Ausbildungshemmnis sehen, stagniert auf hohem Niveau." Besonders die Disziplin und die Leistungsbereitschaft nehme seit Jahren kontinuirlich ab, so das Ergebnis einer Befragung von fast 15.000 Unternehmen.
DIHK-Ausbildungsumfrage 2012 [PDF, 331 Kb]
Alle Ergebnisse der DHIK-Umfrage zum Nachlesen
Nun hat sich der DGB ebenfalls dem Thema angenommen und einen Ausbildungsreport für Bremen und Niedersachsen vorgestellt. Es verwundert kaum, dass die Gewerkschaft zu einem völlig gegensätzlichen Urteil kommt: "Die Debatte zum Thema Ausbildung wird oft sehr einseitig geführt. Häufig stehen die sogenannte Ausbildungsreife oder der scheinbare Mangel an Bewerber und Bewerberinnen im Vordergrund." In diesem Fall wurden Auszubildende befragt. Das Ergebnis: Oft werden die Bedürfnisse der Azubis nicht berücksichtigt und die Qualität der Ausbildung vernachlässigt.
DGB-Ausbildungsreport 2012 [PDF, 545 Kb]
Alle Ergebnisse der DGB-Unfrage zum Nachlesen
Und so schieben sich Gewerkschaften und Arbeitgeber mal wieder gegenseitig den schwarzen Peter zu.
Ausbildungsreport 2012 für Bremen und Niedersachsen, [3:31]
Jörg Nowag von der Bremer Bundesagentur für Arbeit warnt man vor allzu simplen und voreiligen Urteilen bei diesem Thema. "Weder die Gewerkschaften noch die Arbeitgeber sollten allzu pauschalen Aussagen treffen. Natürlich werden junge Menschen heutzutage anders sozialisiert, aber deshalb sind sie nicht dümmer als früher", meint Nowag. Außerdem käme ein Aspekt bei der Debatte häufig zu kurz: "Man darf auch nicht vergessen, dass sich die Ausbildungsinhalte in den letzten Jahren vielfach modernisiert haben." Der Anspruch sei gestiegen, so Nowag. Deshalb sei manchmal auch mehr Verständnis für die Azubis von heute angemessen.
Bremer Azubis meckern, [1:08]
DGB wirft Betrieben schlechte Ausbildung vor
Unzufrieden mit der Ausbildung – und jetzt?
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