Blohm und Voss
Ein großer Name und ein Aushängeschild am Hamburger Elbufer: Blohm und Voss ist die letzte verbliebene Großwerft im Hamburger Hafen. Der Schiffbauer blickt zurück auf fast 135 Jahre turbulente Unternehmensgeschichte.
Das Herzstück der Werft: Trockendock Elbe 17 am Elbufer.
Es begann mit einer Idee im Frühjahr 1877: Ernst Voss und Hermann Blohm pachten vom Senat der Stadt Hamburg ein Stück der Elbinsel Kuhwerder. Auf insgesamt 15.000 Quadratmeter Werftgelände wollen sie hier Schiffe und Maschinen bauen. Ein ehrgeiziges Vorhaben, denn zu dieser Zeit werden Frachter und Dampfer meist in England in Auftrag gegeben. Entsprechend dünn ist die Auftragslage in den ersten Jahren, Blohm und Voss baut zunächst nur kleine Schiffe, meist auf eigene Kosten.
Erst 1882 gelingt ein Durchbruch, als die Werft ein erstes Schwimmdock errichtet und sich auch auf Reparaturen spezialisiert. In den Folgejahren fasst der Schiffbauer so Fuß und kann bald seine Anlagen ausdehnen. Nach der Erweiterung bis 1905 entsteht das größte geschlossene Werftgelände der Welt, eine Attraktion ist der 250 Tonnen schwere weltgrößte Hebewippkran. Auch die Arbeiterzahl steigt ständig, am Vorabend des Ersten Weltkrieges arbeiten bereits knapp 8.000 Hamburger bei Blohm und Voss.
Unternehmungsgründung in der Bretterbude: Blohm + Voss um 1877.
Bereits seit 1910 bauen die Hamburger auch Kriegsschiffe für die Reichsmarine. Mit schwer gepanzerten Turbinenschiffen für Seeschlachten verdient Blohm und Voss bald ebenso viel wie mit den luxuriösen Riesendampfern für die Amerika-Linien. Im Ersten Weltkrieg wird die Produktion dann fast ausschließlich auf U-Boote und Zerstörer umgestellt. Weil viele Hamburger ins deutsche Heer eingezogen werden, setzt die Werft in dieser Zeit auch auf Frauen und beschäftigt Zwangsarbeiter. Auch dank einer 1917 gegründeten Werftschule steigt die Zahl der Arbeiter bis Kriegsende so auf 14.077.
Nach dem Krieg liegt die Produktion vorerst still, der Versailler Vertrag verbietet den Bau von Kriegsschiffen. In den Zwanzigern baut Blohm und Voss daher vor allem hochwertige Fracht- und Passagierschiffe für den Nordatlantik-Verkehr. Bis 1930 gehören die Hamburger Dampfer zu den schnellsten auf dem ganzen Atlantik. Dann jedoch trifft die Wirtschaftskrise die Werft schwer: Die Arbeiterzahl schrumpft bis 1932 auf eine Notbesetzung von nur noch 2.800, am Tiefpunkt spezialisiert sich Blohm und Voss auf das Abwracken von Schiffen.
Wettlauf auf dem Atlantik: Die Schnellschiffe Europa (Blohm + Voss) und Bremen (AG Weser).
Die Machtergreifung Hitlers 1933 feiern die Blohm + Voss-Erben Rudolf und Walther Blohm als Glücksfall. Die Vorbereitung des Krieges garantiert ihnen reichlich Aufträge. Auch am staatlichen "Kraft durch Freude"-Programm, das tausende Arbeiter auf Kreuzfahrten schicken will, verdient die Werft kräftig mit. Stapelläufe wie der des Segelschulschiffs "Gorch Fock I." oder des Fahrgastdampfers "Wilhelm Gustloff" werden in den Wochenschauen bejubelt. Im Krieg wird dann das berühmte Trockendock "Elbe 17" errichtet. Gleichzeitig werden immer mehr Zwangsarbeiter rekrutiert, die ab 1944 sogar in einem eigenen KZ-Außenlager untergebracht sind. In den letzten Kriegsjahren wird die Werft immer wieder von den Alliierten bombardiert und dabei stark zerstört.
Zerstörte Hafenanlagen der Blohm und Voss-Werft 1948.
Die Stunde Null kommt für Blohm und Voss am 31. Dezember 1945. Die britische Besatzungsmacht beschließt, den Werftbetrieb zunächst einzustellen. Weite Teile des Werftgeländes werden gesprengt, Anlagen als Reparationszahlung abmontiert. Das Trockendock "Elbe 17" kann dagegen in letzter Sekunde gerettet werden: Tausende Hamburger versammeln sich entlang der Landungsbrücken und protestieren gegen die Sprengung. 1950 versucht Blohm und Voss dann den Neuanfang - mit nur noch 48 Angestellten und knapp 130 Arbeitern.
Frachtschiffe sind von nun an für viele Jahre das Standbein der Werft. Erst in den Sechzigern wird wieder die Bundesmarine beliefert. Auch das Offshore-Geschäft boomt, Blohm und Voss steigt in den Bau von Ölbohrinseln ein. Bis in die Neunziger orientiert sich das Unternehmen zunehmend international, es liefert nun Containerfrachter, Marineschiffe und auch Luxusliner in die ganze Welt. Trotz des erweiterten Angebots sinkt aber die Nachfrage – weshalb die Werft immer mehr Abteilungen ausgliedern und verkaufen muss.
Ein Militärschiff im Dock bei Blohm und Voss.
Rettung verspricht die ThyssenKrupp AG, die Blohm und Voss bis 2005 vollständig übernimmt. Die Aufgabe der Werft ist in den nächsten Jahren vor allem der Bau von Mega-Yachten und großen Militärschiffen. Doch schon 2009 werden Gerüchte laut, nach denen Blohm und Voss nach Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) verkauft werden soll. Der Verkauf scheint bereits in trockenen Tüchern, als ThyssenKrupp ihn 2011 überraschend zurückzieht. Seitdem ist die Traditionswerft auf der Suche nach einem neuen Investor.
Video: Übernimmt Lürssen Blohm und Voss? (buten un binnen vom 15. September)
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12. Juni, 17:45 Uhr | EinsPlus
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