Böhrnsen in der Türkei
Wohin auch immer der Bremer Bürgermeister in der Türkei unterwegs war – seiner Limousine fuhren stets zwei Streifenwagen der türkischen Polizei voraus – das Blaulicht immer eingeschaltet. Jens Böhrnsen wurde bei seinem Besuch in der Türkei empfangen wie ein hoher Staatsgast. Böhrnsen war eben nicht nur als Repräsentant Bremens unterwegs – jedenfalls aus Sicht der Türken.
Ankunft mit Chauffeur: Wenn Böhrnsen in der Türkei unterwegs ist,ist stets auch ein Begleit-Konvoi dabei.
Sie betrachten den Bremer Bürgermeister auch als Vertreter Deutschlands insgesamt. Und als solcher musste er sich auch zu unangenehmen Dingen äußern. Denn die eigentlich gute deutsch-türkische Freundschaft hat in den vergangenen Monaten gelitten. Schuld daran ist die grausame Mordserie der NSU-Terroristen und der für viele Türken unbefriedigende Beginn des Prozesses vor dem Oberlandesgericht München.
Viele Türken in der Türkei machen sich Sorgen um die Sicherheit ihrer Landsleute in Deutschland und das Zusammenleben zwischen Deutschen und Türken. "Wir erwarten vom Prozess umfassende Aufklärung und dass die Schuldigen auch bestraft werden", sagt etwa der stellvertretende Ministerpräsident Bekir Bozdag nach dem Treffen mit Böhrnsen vor deutscher und türkischer Presse. "Denn wenn dort etwas versäumt wird, könnten sich die Terroristen erst ermutigt fühlen."
Besonders verstörend für viele Türken ist, dass die deutschen Behörden derart versagt haben. Dass deutsche Geheimdienste und Polizei den mutmaßlichen Tätern so lange nicht auf die Spur kamen, ist für Bozdag völlig unverständlich – und das brachte er auch der Bremer Delegation gegenüber zum Ausdruck. "Es dürfen keine offenen Fragen bleiben. Die Sache muss vollständig aufgeklärt werden. Was wir allerdings vermissen, ist ein Verfahren gegen Bedienstete des Staates." Auch denjenigen, die in den Behörden versagt hätten, solle der Prozess gemacht werden.
In Belange der Justiz will sich Böhrnsen nicht einmischen, da hat der Bremer Regierungschef "Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat". Trotzdem entschuldigte er sich, stellvertretend für andere: "Ich empfinde Trauer und Scham, wenn ich an die schrecklichen Verbrechen denke," so Böhrnsens Botschaft an die türkischen Regierungsvertreter. "Es ist schrecklich wenn dann auch noch Menschen verdächtigt werden, obwohl sie Opfer waren."
Ein paar lobende Worte für die deutschen Gäste gab es dann allerdings doch noch. Dass das Land mit den muslimischen Religionsgemeinschaften kürzlich Verträge geschlossen habe, sei ein gutes Vorbild, sagte Vize-Ministerpräsident Bozdag. Der Vertrag erleichtert etwa den Bau von Moscheen und erlaubt die Bestattung nach islamischen Vorschriften.
Wie wohl sich die rund 40.000 Menschen mit türkischen Wurzeln in Bremen tatsächlich fühlen, davon will sich der türkische Politiker selbst überzeugen. Eine entsprechende Einladung der Bremer Delegation hat Bozdag bereits angenommen. Ein Termin für den Besuch ist allerdings noch offen.
Auf dem Programm der Bremer Delegation stand auch Izmir – seit 1995 ist die Großstadt an der Ägäis Bremens Partnerstadt. Dort standen am 24. Mai 2013 Gespräche mit Vertretern der Stadt Izmir und der türkischen Wirtschaft auf dem Programm. Und außerdem der Besuch einer Veranstaltung, die genau das Gegenteil von Fremdenhass und NSU-Mordserie verkörpert. Der in Bremen ins Leben gerufene "One Nation Cup" bringt seit 2006 recht erfolgreich jugendliche Fußballer aus der ganzen Welt zusammen.
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