Verhandlungen ins Stocken geraten
Das Verhandlungsklima zwischen Bremen und Niedersachsen ist rauer geworden. Bis Ende Juni 2012 sollen die Bremer ihre so genannte "stille Einlage" bei der Bremer Landesbank (BLB) in Stammkapital umwandeln. Seit Wochen liegen die Zahlen und Bedingungen beider Seiten auf dem Tisch. Aus Hannover kamen nun neue Forderungen, die eine Einigung massiv gefährden.
Video: Ärger über die NordLB
Einstellungen, Infos und Kommentare
Die Bremer Landesbank ist ein kerngesundes Unternehmen. Das geht aus der Bilanz für das Jahr 2011 hervor. Am Domshof, dem Sitz der Bank, war die Begeisterung groß über die Top-Zahlen. Und BLB-Chef Stephan-Andreas Kaulvers war guten Mutes, dass die geplante Ummünzung der stillen Einlage, die das Land Bremen an der Bank hält, "geräuschlos und geeinigt" bis zum 30. Juni 2012 über die Bühne geht.
Bremer Landesbank (BLB)
92,5 Prozent des Kapitals gehören der Norddeutschen Landesbank und 7,5 Prozent dem Land Bremen. Die BLB ist Landesbank, Sparkassenzentralbank und Geschäftsbank in einem. Vorsitzende des Aufsichtrats ist Bremens Finanzsenatorin Karoline Linnnert (Grüne).
Das Geschäftsvolumen betrug 2011 rund 165 Millionen Euro. Die Bank hat knapp 1.100 Mitarbeiter.
Doch ein Brief der Norddeutschen Landesbank (NordLB) aus Hannover hat auf einen Schlag alle Euphorie zunichte gemacht. Denn der Mutterkonzern der BLB stellt darin völlig unerwartet neue Forderungen, klagen die Bremer. So hätten Niedersachsen und Bremen in den vergangenen Wochen bereits Absprachen getroffen. Jetzt stelle die NordLB auf einmal die Zukunft der Landesbank in Frage. Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) und Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) reagieren empört: "Wir lassen uns vom Vorstand der NordLB nicht diktieren, wo es langgehen soll (...) Bisher haben wir fair und sachlich mit dem Land Niedersachsen verhandelt. Jetzt ist Minister Möllring gefordert, den Weg für weitere Verhandlungen wieder freizumachen. Wir hoffen auf eine zügige Einigung. Diese ist zurzeit massiv gefährdet.“
Forderungen der NordLB:
Der NordLB-Aufsichtsratsvorsitzende und niedersächsische Finanzminister, Hartmut Möllring (CDU), könnte hinter dem Brief an Bremen stecken. Bei seinem Besuch in der BLB Tage zuvor stellte er noch selbstbewusst fest, dass die Bank notfalls auch auf die Bremer Hilfe verzichten könne. Damit war eine mögliche Kündigung der stillen Einlagen Bremens gemeint. Aus Möllrings Sicht sei dies, rein ökonomisch gedacht, die logische Folge.
Bremen wartet nun auf eine Antwort aus Hannover. Von einer Einigung, so wie geplant bis zum 9. Mai, ist keine Rede mehr.
Die NordLB muss gemäß den neuen Richtlinien der europäischen Bankenaufsicht mehr Kernkapital vorweisen. Das Land Bremen kann sich an entsprechenden Maßnahmen dadurch beteiligen, dass es seinen Kapitalanteil an der Bremer Landesbank von derzeit 7,5 Prozent auf etwa 45 erhöht. Die Bremer hätten dann mehr zu sagen, wären aber weiterhin auf den Zuspruch der Mehrheitseigner angewiesen. Finanzsenatorin Linnert hat nun geprüft, was das bisherige Mitsprache-Recht über die stille Einlage in Höhe von 480 Millionen Euro wert ist und den Niedersachsen einen Vorschlag unterbreitet.
Video: Lösung für die Landesbank gesucht
Einstellungen, Infos und Kommentare
Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Rudolf Hickel soll Bremen seinen Einfluss auf die BLB so weit erhöhen, dass die Landesbank zur Not aus dem Verbund mit der NordLB "herausgeschält" werden kann. Denn derzeit sei nicht absehbar, ob die NordLB auf Dauer überleben könne. Die Bremer Landesbank hingegen sei sehr erfolgreich und solide, außerdem regionalwirtschaftlich enorm wichtig: "Sie ist eine erfolgreiche Institution, von der gerade die kleinen und mittleren Unternehmer sehr stark profitieren", betont Hickel. Deshalb brauche es eine gute Strategie, um die Bank in Bremer Hand zu behalten, egal wie es mit der NordLB weitergeht. Ein Plan, der in Niedersachsen viel Ärger auslösen könnte.
Video: Stille Einlage einfach erklärt
Einstellungen, Infos und Kommentare
Tiefwasserhafen der Superlative
Deutschlands einziger Seehafen mit Tiefgang ist ein gigantisches Projekt. Ab August 2012 sollen die größten Containerschiffe der Welt Wilhelmshaven anlaufen. Es ist ein Vorhaben der Superlative: Erst Deutschlands größter Sandkasten, dann Norddeutschlands größte Baustelle. Der Jade-Weser-Port ist ein ehrgeiziges Projekt der Länder Niedersachsen und Bremen. Mehr...
Untersuchungsausschuss Krankenhauskeime
Der Tod von drei frühgeborenen Babys in der Kinderklinik Bremen-Mitte beschäftigt einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bremer Landtags. Wir berichten hier über jede Sitzung. Mehr...
Windenergie-Dossier
Seit dem Reaktorunglück in Fukushima ist die Energiewende ein Dauerbrenner in Medien und Politik. Welche Potentiale die Windenergie bietet und wo es Schwierigkeiten gibt, erfahren Sie in unserem Dossier. Mehr...
Drogenpolitik auf dem Prüfstand
Vor fünf Jahren wurde Kevins Leiche im Kühlschrank seines Stiefvaters gefunden. Der Zweijährige starb unter den Augen der Behörden. Seitdem steht die Bremer Drogenpolitik auf dem Prüfstand. Mehr...
Stille Einlagen ummünzen?
Bremen soll seine stille Einlage an der Bremer Landesbank aufgeben und statt dessen Anteile an der Bank bekommen. Denn die Landesbank-Mutter, die NordLB, braucht mehr Eigenkapital. Niedersachsen macht Druck, doch die Bremer sind noch nicht überzeugt. Mehr...
Jetzt läuft
Wenn der Job nicht zum Leben reicht
Hunderttausende Arbeitnehmer können in Deutschland mittlerweile von ihren 40-Stunden-Jobs nicht mehr leben und täglich werden es mehr – in immer mehr Berufen. Menschen, die einen Zweitjob ausüben müssen und dann insgesamt 60 oder 70 Stunden in der Woche arbeiten. Ein Radio Bremen-Team hat drei von ihnen in ihrem Überlebenskampf begleitet. Mehr...
12. Juni, 17:45 Uhr | EinsPlus
Info: Die Rundschau
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7, 8, 12, 16, 17 Uhr
Info: Nordwestradio Journal
![Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen] Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/journal104_v-mediateaser.jpg)
Sendezeit:
Mo., - Fr.,
6:05 - 9 Uhr
12:08 - 13 Uhr
17:08 - 18:30 Uhr
Sa.,
8:05 - 9 Uhr
12:05 - 13 Uhr
Politik-Podcasts
Politik-Beiträge hören – wann und wo Sie wollen: Hier werden Ihnen jeweils die neuesten Podcast-Dateien zum direkten Download angeboten. Mehr...