"Moody's setzt den Hammer drauf"
Die US-Rating-Agentur Moody's hat mehrere deutsche Landesbanken deutlich herabgestuft – darunter auch die Bremer Landesbank. Nicht nur für Landesbankchef Stephan-Andreas Kaulvers ist die Abwertung völlig unplausibel, auch der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel misstraut dem Ergebnis. Mit welchen Folgen müssen das Land Bremen und die Kunden nun rechnen?
Bremer Landesbank
Eigentümer sind die Norddeutsche Landesbank mit einem Anteil von 92,5 Prozent und das Land Bremen mit einem Anteil von 7,5 Prozent. Sie ist sowohl eine Landesbank und Sparkassenzentralbank als auch eine Geschäftsbank. Vorstandsvorsitzender ist seit 2006 Stephan-Andreas Kaulvers. Aufsichtratsvorsitzende ist Bremens Finanzsenatorin Karoline Linnnert (Grüne). Das Geschäftsvolumen betrug 2011 rund 165 Millionen Euro. Die Bank hat knapp 1.100 Mitarbeiter.
Die Landesbanken stehen schon länger in der Diskussion. Denn in Zukunft wird es laut Moody's immer unwahrscheinlicher, dass die staatlichen Eigentümer ihren Banken bei einer Schieflage helfen können. Das liegt einerseits an den Vorgaben der EU-Kommission und an einem neuen, deutschen Gesetz zur Abwicklung von Banken (Restrukturierungsgesetz). Dadurch erhöhe sich für die Kreditgeber die Gefahr bei einer Pleite der Bank ihr Geld zu verlieren. Die Neubewertung der Landesbank-Anleihen stehe aber in keinem Zusammenhang mit der aktuellen Schuldenkrisse in der Eurozone.
Gar nichts. Auf Nachfrage habe die Bremer Landesbank keine plausible Antwort bekommen. So teilte es Vorstand-Chef Stephan-Andreas Kaulvers mit. Moody’s habe keine Details bekannt gegeben, wo im operativen Geschäft Fehler gemacht werden. Widersprüchlich sei zudem, dass die Bremer Landesbank in puncto Finanzkraft von Moody’s selbst als die wirtschaftlich stärkste Landesbank in Deutschland eingestuft werde. Aber im Falle eine Pleite würde die Bank, so schätzt es Moody’s ein, kaum von ihren staatlichen Eigentümern unterstützt werden. Daher gab es dafür nur zwei Notches (Rating-Stufen). Im Vergleich dazu aber wird die HSH Nordbank besser bewertet mit fünf Notches, obwohl sie gerade erst mit Milliarden aus öffentlichen Mitteln gerettet worden ist.
Video: Reporter Frank Schulte erklärt das Ergebnis der Rating-Agentur
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Nein, weder die Kunden noch das Land Bremen müssen befürchten, dass etwas teurer wird, teilt die Bank auf Nachfrage mit. Das liege daran, dass die Herabstufung der Bank vor allem internationale Geschäfte beeinflusse. Hier agiere die Landesbank aber gar nicht. Als regional finanzierte Bank hole sie sich ihr Geld von Investoren, Versicherungsgesellschaften oder Sparkassen-Organisationen aus der Region. Denen ist die Bank bestens bekannt und sie werden jetzt wohl keine höheren Zinsen oder Sicherheiten von dieser "gesunden Bank" verlangen.
Audio: Moody´s stuft Landesbanken ab - zu Recht?
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Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel misstraut der Einschätzung von Moody’s. Er gehöre zu denjenigen, die keinen Respekt vor den Rating-Agenturen haben. Aus seiner Sicht gebe es aber überhaupt keinen Grund für eine Abwertung der Bremer Landesbank. Hier kann er dem Bankchef Kaulvers nur zustimmen. Denn in der Finanzmarktkrise habe seine Bank gar keine besonders toxischen Produkte im Portfolio gehabt. Hickel sieht für die Bank einen Image-Schaden, obwohl das Institut sehr gut dastehe. Moody’s habe einfach einen Hammer draufgesetzt, der nicht zur aktuellen Situation passe, lautet Hickels Fazit. Er fordert, Rating-Agenturen in ihrem Auftrag zu begrenzen, und dass sie Verantwortung übernehmen sollten für ihre Bewertungen.
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12. Juni, 17:45 Uhr | EinsPlus
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