Offener Drogenhandel
Jeder kennt sie, jeder sieht sie: Die Drogendealer und ihre Geschäfte im Viertel sind mehr als ein offenes Geheimnis – für die Anwohner gehören sie mittlerweile zum Alltag. Doch die Polizei meint: Es hat sich was getan. Der Einsatz gegen den Drogenhandel sei ein Erfolg. Viele Anwohner und Ladenbesitzer sehen das anders.
Es ist das übliche Bild: Vor den Geschäften und Häusern im Bremer Steintor-Viertel verkaufen Dealer Drogen. Der Verkauf von illegalen Rauschmitteln ist dort an der Tagesordnung. Das Radio-Bremen-Magazin "buten un binnen" hat einen Tag lang das Geschehen rund um die Sielwall-Kreuzung gefilmt, das Fazit ist ernüchternd: Die Polizei stellt offensichtlich kein Hindernis für die Dealer da.
Der Abteilungsleiter Schutzpolizei Bremen, Rainer Zottmann, widerspricht im Interview bei buten un binnen:
"Ich glaube wir sind als Polizei erfolgreich. Wir haben in den letzten Jahren viel getan. Wenn sie durch's Viertel gehen, sehen sie, da ist Leben, da spielen Kinder. Jeder Mensch, der sich dort bewegt, ist sicher. Aber dort leben eben auch Menschen aus der Drogenszene, die brauchen ihren Stoff und holen ihn sich auf der Straße. […] Wir werden das nie ganz verhindert, dass es dort Junkies und Dealer gibt. Wir tun unser Bestes, das ein bisschen zu begrenzen und das schaffen wir auch."
Viele Anwohner und Ladenbesitzer sehen das anders. Der Buchhändler Mario Bernabeo beobachtet, dass der Handel munter weiter geht:
"Wir bekommen mit, dass gedealt wird, dass hier manchmal auch ein sehr reges Treiben ist. Es gibt Blumenkästen, die als Verstecke genutzt werden. Da wühlen dann ab und zu Polizisten drin rum."
Auch im Sozialen Netzwerk Facebook sorgt der offensichtliche Drogenhandel im Viertel für Ärger. Ein User, der sich "Toddy Fahrradfahrer" nennt, findet:
"Das ist doch ein Witz, zu behaupten, irgendetwas hätte sich da gebessert. Jeder Gang ins Viertel, ob nun morgens um 7 Uhr oder am Abend gegen 22 Uhr, wird zum Spießrutenlauf. Ein genuscheltes 'Ey, alles klar?' auf jedem verdammten Meter bis du mal an der Sparkasse vorbei bist."
Ein anderer Nutzer meint: "Die Polizei ist zwar immer ganz toll im Viertel unterwegs aber anscheinend nur wenn’s mal wieder irgendwo in einer Kneipe rummst. Schnell hin fahren, schnell abhandeln und schnell wieder weg sein. An sich müssten dort viel mehr Streifen zu Fuß ihren Dienst tun und noch besser, vielleicht richtet man ja auch so eine putzige Wache ein wie in der Obernstraße. […] Drogenhandel war zwar schon immer ein Problem im Viertel, aber das was man dort heute sieht, gleicht einer totalen Kapitulation." (Pvt. Michael)
Auch der Gastronom Jan Schäfer beobachtet jeden Tag Dealer vor seiner Kneipe: "Wir sehen die Leute bei uns vor der Tür stehen. Die Polizei kommt alle Jubeljahre vorbei. Etwa einmal in der Woche gehen sie mit den Hunden hier die Blumenkübel (Anmerk. der Red: nach Drogenverstecken) durch."
Chris Lorau schreibt dazu auf Facebook: "Weiterhin haben die Dealer überall Vorposten, die sofort telefonieren, wenn nur ein Streifenwagen in das Viertel fährt. Und wenn die Dealer kontrolliert werden und nichts gefunden wird, kommen wieder Rassismusvorwürfe: Sie werden nur aufgrund ihrer Hautfarbe kontrolliert. Also egal wie die Polizei arbeitet, es ist grundsätzlich falsch... komische Welt."
Robert Bücking, der Leiter des Ortsamtes Mitte / Östliche Vorstadt, wünscht sich mehr Polizeipräsenz im Viertel. "Das ist ein bisschen so wie Heckenschneiden. Wenn man nichts macht, wird es zu viel. Wir wünschen uns von der Polizei intensive Aufmerksamkeit für unser Quartier und unsere Straßen. Da die aber auch andere Aufgaben haben, ist das nicht immer leicht zu machen."
So sieht das auch der Facebook-Nutzer Marcus Potyka: "Ich glaube nicht daran, dass das Viertel in Sachen Drogenhandel jemals in den Griff zu bekommen ist. Bei der derzeitigen Personalsituation innerhalb der Polizei schon gar nicht."
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