Energiewende: Ausbau der Offshore-Windenergie
Die Ziele der Bundesregierung sind ambitioniert: 2020 sollen sich 2.000 Windräder der Fünf-Megawatt-Klasse in Nord- und Ostsee drehen. Damit sollen sieben große Atomkraftwerke ersetzt werden. Aber : "Die Bundesregierung unterschätzt den Aufwand für Spezialschiffe und Schwerlasthäfen", kritisiert der Chef der Windenergieagentur, Ronny Meyer.
Die Häfen in Bremerhaven, Cuxhaven und Emden müssten dringend für das Verladen der Windkraft-Anlagen ausgebaut werden, so Meyer. Zudem seien zusätzliche Service- und Wartungshäfen notwendig, zum Beispiel auf Helgoland. Nur so könnten die Ziele erreicht werden.
Die Bundesregierung will mit einem speziellen Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau den Ausbau der Offshore-Energie beschleunigen. Der Bundesrat könnte diesen Teil der Thematik allerdings in den Vermittlungsausschuss überweisen. Das hieße: Bis zu einer endgültigen Entscheidung würde weitere Zeit vergehen.
Ist der Nordwesten vorbereitet?, [2:53]
Bericht von Dirk Bliedtner, 8. Juli 2011 im Nordwestradio
Offshore-Windparks sind noch in der Pionierphase
Radio-Bremen-Reporter Dirk Bliedtner berichtet, was Offshore-Pioniere von den großen Erwartungen der Bundesregierung halten. So musste beim Pilotprojekt "Alpha Ventus" die Arbeit auf hoher See immer wieder unterbrochen werden. Die Zeitpläne konnten nicht eingehalten werden. Nach kurzer Zeit fielen dann die Hälfte der Windkraftanlagen aus. Hinzu kamen Havarien, mit denen keiner gerechnet hatte. Daher warnt Martin Skiba vom Energieversorger RWE vor zu großen Erwartungen an die Offshore-Energie. Es müsse der Politik klar sein, dass sich die Branche in einer Pionierphase befindet. Man könne nicht wie in einer Konvoibauweise "wie geschnitten Brot" in den nächsten Jahren kommerzielle Offshore-Windparks mit Milliardenbeträgen bauen. Skiba rechnet mit vielen Rückschlägen. Dabei sind die Experten sich nicht mal in der Frage einig, ob die Anlage besser an Land oder auf See montiert werden sollten.
Ronny Meyer von der Windenergie-Agentur Bremerhaven/Bremen
Bei der Finanzierung bereitet Ronny Meyer, Chef des Branchenverbands Windenergie-Agentur Bremerhaven/Bremen, vor allem Sorgen, dass es an Investoren mangelt. Die Risiken seien zu schwer zu kalkulieren. Daher halten sich Banken und Versicherer nach wie vor mit Investitionen in die neue Industrie zurück. Das Fünf-Milliarden-Kreditprogramm der Bundesregierung ist aus Meyers Sicht nur ein erster Schritt. Damit könne eine Finanzierungslücke für die ersten zehn Windparks geschlossen werden. Er hofft, dass danach die Banken in weitere Projekte investieren werden.
Bislang sind nur zwei große Offshore-Windparks am Netz. Am Ende sollen es mindestens 20 Windparks vor der Küste sein. Deren Planung ist nicht nur aus technischen, sondern auch aus rechtlichen Gründen häufig schwierig. Immer wieder gilt es abzuwägen, zum Beispiel zwischen den Vorbehalten der Naturschützer und den Interessen der Offshore-Industrie. Das gilt nicht nur für die Windanlagen, sondern auch für geplante Schwerlasthäfen wie den Offshore-Terminal in Bremerhaven. Ob dieser wie vorgesehen bis 2014 fertig sein wird, ist angesichts angekündigter Klagen von Umweltverbänden nicht sicher.
Das Ziel der Bundesregierung heißt aber nach wie vor: 10.000 Megawatt Stromerzeugung bis 2020. Das wären mehr als 2.000 Anlagen der Fünf-Megawatt-Klasse in Nord- und Ostsee. "Ambitioniert, aber erreichbar", meint Windkraft-Lobbyist Ronny Meyer. Dazu brauche die Branche weitere Turbinenhersteller, Personal, Schiffe und Häfen. "Das kann aber alles kommen. Daran glauben wir. Wenn es nicht kommt, muss man aber auch ganz klar sagen, kommt die ganze Offshore-Windenergie nicht.", erklärt Meyer.
Windkraft in der Region: Ein Überblick
Hintergrundinformationen
Förderprogramme nicht ausreichend
Energie-Expertin Claudia Kemfert im Nordwestradio-Interview
Der Weg zur Energie der Zukunft [PDF, 45 Kb]
Eckpunkte der Bundesregierung
Tiefwasserhafen der Superlative
Deutschlands einziger Seehafen mit Tiefgang ist ein gigantisches Projekt. Ab August 2012 sollen die größten Containerschiffe der Welt Wilhelmshaven anlaufen. Es ist ein Vorhaben der Superlative: Erst Deutschlands größter Sandkasten, dann Norddeutschlands größte Baustelle. Der Jade-Weser-Port ist ein ehrgeiziges Projekt der Länder Niedersachsen und Bremen. Mehr...
Untersuchungsausschuss Krankenhauskeime
Der Tod von drei frühgeborenen Babys in der Kinderklinik Bremen-Mitte beschäftigt einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bremer Landtags. Wir berichten hier über jede Sitzung. Mehr...
Windenergie-Dossier
Seit dem Reaktorunglück in Fukushima ist die Energiewende ein Dauerbrenner in Medien und Politik. Welche Potentiale die Windenergie bietet und wo es Schwierigkeiten gibt, erfahren Sie in unserem Dossier. Mehr...
Drogenpolitik auf dem Prüfstand
Vor fünf Jahren wurde Kevins Leiche im Kühlschrank seines Stiefvaters gefunden. Der Zweijährige starb unter den Augen der Behörden. Seitdem steht die Bremer Drogenpolitik auf dem Prüfstand. Mehr...
Stille Einlagen ummünzen?
Bremen soll seine stille Einlage an der Bremer Landesbank aufgeben und statt dessen Anteile an der Bank bekommen. Denn die Landesbank-Mutter, die NordLB, braucht mehr Eigenkapital. Niedersachsen macht Druck, doch die Bremer sind noch nicht überzeugt. Mehr...
Jetzt läuft
Wenn der Job nicht zum Leben reicht
Hunderttausende Arbeitnehmer können in Deutschland mittlerweile von ihren 40-Stunden-Jobs nicht mehr leben und täglich werden es mehr – in immer mehr Berufen. Menschen, die einen Zweitjob ausüben müssen und dann insgesamt 60 oder 70 Stunden in der Woche arbeiten. Ein Radio Bremen-Team hat drei von ihnen in ihrem Überlebenskampf begleitet. Mehr...
12. Juni, 17:45 Uhr | EinsPlus
Info: Die Rundschau
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7, 8, 12, 16, 17 Uhr
Info: Nordwestradio Journal
![Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen] Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/journal104_v-mediateaser.jpg)
Sendezeit:
Mo., - Fr.,
6:05 - 9 Uhr
12:08 - 13 Uhr
17:08 - 18:30 Uhr
Sa.,
8:05 - 9 Uhr
12:05 - 13 Uhr
Politik-Podcasts
Politik-Beiträge hören – wann und wo Sie wollen: Hier werden Ihnen jeweils die neuesten Podcast-Dateien zum direkten Download angeboten. Mehr...