Ermittlungen gegen Bremer Ex-Reeder
Tief ist er gefallen, der einstige Star unter den Reedern: Niels Stolberg. Verdacht auf Kreditbetrug, Bilanzfälschung, Veruntreuung von Spendengeldern. Eine lange Liste von Ermittlungen gegen den Gründer der früheren Bremer Beluga-Reederei. Der Hauptvorwurf gegen Stolberg ist aber nach Informationen von Radio Bremen offenbar vom Tisch. Wie der Ex-Reeder darauf reagiert hat und was das bedeutet? Ein Gespräch mit Radio-Bremen-Reporter Rainer Kahrs.
Video: Betrugsvorwurf gegen Stolberg vom Tisch?
Einstellungen, Infos und Kommentare
Radio Bremen: Dem Ex-Reeder wurde vorgeworfen, den US-Investor "Oaktree" finanziell geschädigt zu haben. Dieser Vorwurf ist jetzt so gut wie vom Tisch, weil die Staatsanwaltschaft in dieser Sache nicht weiter ermittelt. Ist Stolberg damit aus dem Gröbsten raus und wie hat er darauf reagiert?
Rainer Kahrs: Im Moment ist die Aussage der Staatsanwaltschaft, wir ermitteln erstmal nicht weiter in dieser Sache. Wenn es tatsächlich zur Einstellung der Ermittlungen kommt, dann ist er nicht aus dem Gröbsten raus, aber den schwersten Vorwurf, den wird die Staatsanwaltschaft dann nicht mehr erheben: nämlich schwerer Betrug. Zehn Jahre stehen darauf. Und da ist er sehr erleichtert, so hab ich ihn verstanden. Ich hatte ihn kurz angerufen.
Ermittlungen kurz vor Abschluss
Radio Bremen: Warum ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht mehr wegen schweren Betrugs weiter?
Rainer Kahrs: Die Staatsanwaltschaft sagt, es sei extrem schwierig in einem Wirtschaftsverfahren, und insbesondere in diesem Fall, zum Beispiel Schiffe zu bewerten. Sie kann staatsanwaltschaftlich und mit ihrem rechtlichen Instrumentarium nicht mehr nachvollziehen, ob Oaktree ein Schaden enstanden ist oder nicht. Sie können es zumindest nicht nachweisen. In dem Moment, wo Oaktree möglicherweise kein Schaden entstanden ist, ist es kein schwerer Betrug mehr, sondern höchstens Kreditbetrug und Bilanzfälschung. Es ist kein Versagen der Staatsanwaltschaft. Es ist der Komplexität von Wirtschaftsverfahren geschuldet.
Radio Bremen: Trotzdem wird noch ermittelt gegen Stolberg. Was kann da noch auf Stolberg zukommen?
Rainer Kahrs: Er hat weiterhin Ermittlungen gegen sich laufen. Es gibt eine Anklage in Sachen Kreditbetrug zu Lasten der Banken. Zum Nachteil der Banken aber nicht, weil ihnen kein Schaden entstanden ist. Es gibt weiter die Ermittlungen wegen möglichem Spendenbetrug, und es gibt die Ermittlungen wegen Kreditbetrug und Bilanzfälschung in Sachen Oaktree. All das sind Straftaten, die mit maximal drei Jahren geahndet werden.
Radio Bremen: Die Staatsanwaltschaft selbst ermittelt in der Beluga-Sache jetzt sogar in den eigenen Reihen. Was bedeutet das?
Rainer Kahrs: Das ist uns auch nicht ganz klar. Es ist offenbar so gewesen, und das hat die Staatsanwaltschaft auch auf unsere Nachfrage hin bestätigt, dass interne Dokumente aus dem Beluga-Komplex aus dem Hause herausgekommen sind. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in den eigenen Reihen gegen alle mit dem Beluga-Fall befassten Personen. Sie ermittelt auch nach Außen hin wegen Geheimnisverrates. Das sind dann Leute, die nicht innerhalb der Staatsanwaltschaft tätig sind. Außenstehende können Rechtsanwälte sein, können normale Personen sein und könnte auch ich als recherchierender Journalist sein. Wie das weiter geht, weiß ich nicht. Das wollte die Staatsanwaltschaft nicht sagen.
Niels Stolberg und die Staatsanwaltschaft, [4:40]
Ein Zwischenbericht zum Ermittlungsstand
Beluga-Reederei in Waffenhandel verwickelt? , [4:22]
Gespräch mit Radio-Bremen-Reporter Rainer Kahrs
Erst steile Karriere, dann tiefer Fall
Porträt Niels Stolberg
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