Diskussion um "stille Feiertage"
Tanzen auch an "stillen Feiertagen" - das fordern die Bremer Grünen.
Der Bremer Student Maurice Mäschig hat den Stein vor eineinhalb Jahren mit einer Online-Petition ins Rollen gebracht. Er will sich nicht von der Kirche vorschreiben lassen, wann er tanzen und feiern darf und wann nicht. Im Gästebuch sieht die Mehrheit das genauso. Die Regelung sei laut einiger User nicht mehr zeitgemäß. "Ich finde, dieses Gesetz ist überholt und gehört abgeschafft" und "Ein Tanzverbot ist prinzipiell gleichzusetzen mit Kirchenzwang. Wer Remmi-Demmi sucht, soll's machen", argumentieren die Gegner der bisherigen Regelung. "Die Ruhe fehlt auch anderen Menschen, die keine Christen sind, aber das liegt am scheußlichen Verkehrslärm", kommentiert eine Userin, die sich dafür ausspricht, das Tanzverbot zu lockern.
Online-Voting: Tanzverbot abschaffen oder beibehalten?
Es gibt im Gästebuch keine klare Linie zum Tanzverbot. Einige Kommentare zielen eher auf die Haltung zu Feiertagen generell ab. Wie ist Ihre Meinung: Tanzverbot abschaffen oder nicht?
Fehlende Ruhe im stressigen Alltag bemängeln auch die Fürsprecher und wollen das Tanzverbot gerade deshalb beibehalten: "Generell finde ich es schön, dass es Feiertage ohne 'Tamtam' gibt" meint eine Userin. An anderer Stelle stellte jemand die Frage "Was sind wir für eine Gesellschaft, wenn Tod und Gedächtnis an Tote keinen Platz mehr haben in gemeinsam verbrachter Zeit?". Ein anderer User sieht in den "stillen Feiertagen" die Möglichkeit mal zu entspannen, denn "wir leiden doch eher unter mangelnder Ruhe".
Bremer Spaßbremsen?
Hintergrund zum Tanz- und Feierverbot
Tanzverbote an Feiertagen
An "stillen Feiertagen" wie Totensonntag, Volkstrauertag und Karfreitag gilt in Bremen wie in vielen anderen Bundesländern ein Tanz- und Feierverbot. Die Verbote gelten am Volkstrauertag und am Totensonntag von 4 bis 17 Uhr, am Karfreitag von 4 bis 4 Uhr des nächstfolgenden Tages. Ansonsten gilt in Bremen an acht weiteren Feiertagen wie an Himmelfahrt oder Neujahr ein Tanzverbot - aber nur in der Zeit zwischen 7 und 11 Uhr.
Ein anderer Punkt für die User ist die unterschiedliche Anzahl an Feiertagen in den einzelnen Bundesländern. "Die 'schwarzen' Länder sollten erst mal auf unserer Niveau gebracht werden", findet ein User, bevor über eine Abschaffung in Bremen überhaupt nachgedacht wird. Die größten "Spaßbremsen" sind Baden-Württemberg mit 18 und Hessen mit 15 Tagen, an denen das Tanzen untersagt ist. Bremen steht auf Platz drei. An zwölf Tagen im Jahr wird das Tanzen untersagt, allerdings ist es eher ein "Teilzeit-Verbot". Am Gründonnerstag können Nachtschwärmer ungehindert bis 4 Uhr morgens am Karfreitag um die Häuser ziehen. "Weg mit so einem alten Verbot, das in Bremen ohnehin keiner kontrolliert", fordert deshalb eine Userin.
Die große Mehrheit spricht sich - ob nun pro oder contra Tanzverbot - für den Erhalt der Feiertage aus. "Feiertage sind ein Geschenk", stimmt eine Userin dem Kommentar von Chefredakteur Martin Reckweg zu. Sie bedauert aber, dass sich vielen Menschen der Sinn der Feiertage nicht mehr erschließe, und begrüßt deshalb eine Abschaffung, wie Guido Schulenberg (Redaktionsleiter buten un binnen) es in seinem Kommentar vorschlägt.
Kommentare:
Pro: Schluss mit Feiertagsabzocke!
Contra: Feiertage sollen zum Privatvergnügen werden!
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