Flugbetrieb eingestellt
Nach dem letzten Flug am Sonntagabend wurde auf dem Bremer City Airport für eine Woche der Betrieb eingestellt. Die Start- und Landebahn wird saniert. Nur sechs Tage Zeit haben die Arbeiter. Denn am 12. August soll alles wieder nach Plan laufen. Bis dahin müssen die Passagiere auf andere Flughäfen ausweichen.
Luftbild der Start- und Landebahn des Bremer Flughafens während der Sanierungsarbeiten.
Die meisten Airlines haben sich mit der Schließung mitten in der Reisesaison abgefunden und weichen auf andere Flughäfen aus. Nur die irische Ryanair war offenbar so verärgert, dass sie sein Terminal in Bremen sogar drei Tage länger schließt, als der Flughafen seine Start- und Landebahn. Radio-Bremen-Reporter Michael Pundt hatte Gelegenheit, vorab einen Blick auf die Baustelle zu werfen.
Unsere Reportagen in Radio und TV:
Eine neue Start- und Landebahn für den Bremer Flughafen, [3:44]
Bremen ohne Flugzeuge, [3:27]
Eine laue Sommernacht auf dem Vorfeld des Bremer City Airports. Hase und Igel haben sich schon "Gute Nacht" gesagt. Marco Pfleging, technischer Leiter des Flughafens, hält noch Ausschau nach der letzten Maschine des Abends, die aus Schweden kommen soll. Draußen im Halbdunkel neben der Piste warten die Baufahrzeuge. Die Start- und Landebahn muss auf gut zwei Kilometer Länge erneuert werden.
Seit fast einhundert Jahren starten und landen Flugzeuge auf dem Neuenlander Feld in Bremen. Über die Jahre hat die Piste etwas angesetzt: Respektable 80 Zentimeter dick ist die Bahn teilweise, sagt Pfleging."Die ist praktisch natürlich gewachsen. Die Altvorderen haben Ende der Dreißigerjahre angefangen, eine Befestigung mit Beton vorzunehmen. Mittlerweile haben wir Schicht um Schicht aufgebaut."
Zum letzten Mal vor mehr als 20 Jahren. Deshalb sollen zwei der alten Schichten abgeschliffen und eine ganz neue Schicht aufgetragen werden. Das letzte Flugzeug des Tages ist inzwischen eingetroffen und rollt zum Terminalgebäude.
Pfleging nennt noch ein paar Zahlen: 60.000 Tonnen Material werden hier in nicht einmal einer Woche verbaut. Mehr als 100 Arbeiter sind damit beschäftigt – und Dutzende Lastwagen. "Die fahren Tag und Nacht, und so in der Spitzenzeit werden wir schon mal pro Stunde 50 bis 60 Fahrzeuge hier haben." Die Anwohner will Pfleging schonen. Der Baustellenverkehr läuft über die Autobahn 281 und das Gewerbegebiet "Airportstadt".
Die Baustellenfahrzeuge warten auf ihren nächtlichen Einsatz.
Die Laster transportieren den abgefrästen Asphalt von der Piste zu Mischwerken und bringen ihn aufgearbeitet zurück. Eine Spezialmischung, sagt Pfleging. Die neue Start- und Landebahn werde für Fluggäste ein Erlebnis: "Es wird sich schon dadurch auswirken, dass wir unsere berühmten Quernähte nicht mehr haben." Das "Wuppern" werde es in Zukunft nicht mehr geben, so Pfleging. "Der neue Asphalt – wir haben auch eine bestimmte Mixtur – der ist auch ein bisschen leiser", ist sich Pfleging sicher.
Bildergalerie zu den Bauarbeiten am Bremer Flughafen
Der Bremer Flughafen
Die Geschichte des Bremer Flughafens reicht bis ins Jahr 1909 zurück. Offizielle Einweihung war 1920. Nach dem zweiten Weltkrieg nutze die US-Armee den Flughafen für ihre Zwecke. In den 50er Jahren nahm dort die Lufthansa ihre Flüge auf. Heute nutzen jährlich fast 2,7 Millionen Passagiere den Flughafen. Linienverbindungen gibt es in zahlreiche deutsche und europäische Städte sowie in Feriengebiete.
Harte Winter setzen der Bahn schwer zu
Schon Tage vor der offiziellen Sperrung haben sich die Bauarbeiter nachts zu alten Versorgungsrohren unter der Bahn vorgefräst. Eine Sisyphus-Arbeit, denn die Gräben quer über die Piste müssen zwischendurch wieder verfüllt werden, damit tagsüber die Flugzeuge starten und landen konnten. Auch der Flughafen-Elektriker ist auf der Bahn. Alle paar Meter holt er eines der 500 eingelassen Leuchtfeuer aus dem Asphalt. Bald sollen hier moderne LED-Lampen strahlen.
Was setzt der Startbahn eigentlich so zu, dass sie erneuert werden muss? Erstaunlicherweise nicht der Flugverkehr. Nicht einmal die schweren Flügel-Transporter vom Bremer Airbus-Werk. Es ist die kalte Jahreszeit, sagt der Technikchef des Airports: "Haben wir einen harten Winter, wird die Bahn natürlich schon belastet. Haben wir einen weichen Winter, in dem kaum die großen Schneeräumgeräte über die Bahn fahren, dann wird der Asphalt kaum belastet."
Nichts geht mehr am Flughafen, [5:02]
Die Vorarbeiten haben begonnen: Eine Fräsmaschine auf der Startbahn.
So gründlich wie jetzt wurde die Startbahn noch nie saniert. Deshalb kommt auch der Kampfmittelräumdienst zum Einsatz. Denn die Bauarbeiten könnten Weltkriegsbomben oder auch Schadstoffe zu Tage fördern. Doch das sei unwahrscheinlich, meint Pfleging.
Viel Kritik von den Fluglinien gab es dafür, dass der Airport für die Arbeiten ausgerechnet in der Hauptreisezeit dicht macht. Doch Pfleging hält dagegen. "Wir haben es mit Absicht in den August gelegt. Wir brauchen unheimlich viel Licht. Wir brauchen Temperatur. Die Leute sind im Urlaub. Deswegen haben wir es auch in die Mitte des Monats gelegt. Die Leute fliegen vorher ab, kommen am Ende zurück", so Pfleging.
Trotzdem, mindestens 40.000 Fluggäste dürften die Bauarbeiten den Bremer City Airport in der Statistik kosten. Ein Problem bei ohnehin rückläufigen Passagierzahlen. Doch das sei verkraftbar, sagt Pfleging. Er sollte es wissen. Denn er ist auch Prokurist des Flughafens.
Hörfunk-Berichte zum Thema:
Leerer Flughafen in Bremen, [0:40]
Tag eins der Bauarbeiten
Bauarbeiten am Airport Bremen, [4:21]
Eindrücke vom stillgelegten Flughafen
Zwischenstand:
Sanierung läuft nach Plan, [1:25]
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29. Mai, 15:05 Uhr | Nordwestradio
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Info: Nordwestradio Journal
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