Frauen in Führungspositionen
Der Bundesrat will mehr Frauen in die Aufsichtsräte der großen DAX-Unternehmen bringen. Demnach soll der Frauenanteil in Verwaltungs- und Aufsichtsräten bis 2023 schrittweise auf 40 Prozent steigen. Ein Gesetzesinitiative Hamburgs wurde mehrheitlich mit den Stimmen der großen Koalitionen im Saarland und Sachsen-Anhalt angenommen. Allerdings ist im Bundestag mit keiner Mehrheit zu rechnen. In Bremen gibt es gemischte Reaktionen auf den Gesetzentwurf.
Eine Ausnahme soll für Unternehmen gelten, bei denen mindestens 90 Prozent der Beschäftigten dasselbe Geschlecht haben.
Wenn man in den Führungsetagen der 30 DAX-Unternehmen an die Türen der Vorstandbüros klopft, dann ist die Chance sehr gering, dass eine Frau die Tür öffnet. Ausgenommen es handelt sich um die Sekretärin des Chefs. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Zu Beginn des Jahres saßen auf insgesamt 180 Vorstandsesseln nur zehn Frauen. Der Bundesrat will eine feste Frauenquote für die deutschen DAX-Unternehmen. Allerdings würde sich eine gesetzliche Regelung nur auf die Verwaltungs- und Aufsichtsräte beziehen und nicht auf die Vorstände.
Frauen in Führungspositionen pro Bundesland.
In Bremer Unternehmen sind 19,3 Prozent der Führungspositionen von einer Frau besetzt - das ist das Ergebnis einer Studie der Wirtschaftauskunftei Bürgel aus dem Jahr 2011. Damit liegt Bremen unter dem Bundesdurchschnitt von 21,1 Prozent. Eva Klobus vom Bremer Verein Frauen in Arbeit und Wirtschaft hält eine Quotenregelung für erforderlich: "Die Erfahrung zeigt uns: Eine freiwillige Regelung funktioniert nicht. In Belgien oder Norwegen hat man mit verbindlichen Quoten gute Erfahrungen gemacht." Auch die stellvertretende Frauenbeauftragte des Landes Bremen, Lisa Vierhaus, begrüßt den Gesetzesentwurf. Eine entsprechende Regelung sei absolut notwendig. Zudem wäre nicht nur eine Quoatenregelung für Aufsichtsräte sinnvoll. Auch für Vorstandsposten müsse es auf absehbare Zeit entsprechende gesetzliche Vorgaben geben, so Vierhaus.
Handelskammer lehnt Quote ab
Anders sieht man es bei der Handelskammer. Martha Pohl lehnt starre Quoten und gesetzliche Regelungen ab. "Es muss ausschließlich auf die Qualifikation ankommen, auch bei der Besetzung von einem Gremium wie dem Aufsichtsrat." Wenn zwei von insgesamt acht Bewerbern Frauen seien, dürfe nicht ein Gesetz über die Besetzung einer Führungsposition entscheiden.
Studie zu Frauen in Führungspositionen [PDF, 303 Kb]
Wirtschaftsauskunftei Bürgel
Ob aber tatsächlich die Anzahl der Frauen in Aufsichtsgremien gesetztlich vorgeschrieben werden, ist aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Bundestag fraglich. Das Parlament muss sich nun mit dem Entwurf beschäftigen und darüber abstimmen. Obwohl Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eine fest Quote befürwortet, lehnen weite Teile der Union und die FDP das Vorhaben ab.
Politikberaterin hält Frauenquote für gefährlich, [5:53]
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