Gespräch mit der Journalistin Andrea Röpke
Der Verfassungsschutz in Bremen geht von 150 Rechtsextremen aus. 30 davon gelten als gewalttätig oder gewaltbereit. Die Übergänge von den rechtsextremen Parteien zur gewaltbereiten Szene seien aber fließend, so der Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz. Szene-Kenner wie die Journalistin Andrea Röpke halten die Zahlen aber eher für zu niedrig.
Die freie Journalistin Andrea Röpke.
Gibt es Unterschiede zwischen Bremen und dem Umland?
Röpke: "Neonazis arbeiten nach der Prämisse 'wir erobern die Städte vom Land aus'. Da wo sie sich nicht richtig ausbreiten können, wie in Bremen, weichen sie oft aus. Im Moment massiv nach Lilienthal, Osterholz-Scharmbeck und Schwanewede. Aber auch nach Stuhr und Groß-Mackenstedt."
Sind das richtige rechte Ansiedlungen?
Röpke: "Neonazis tendieren schon seit zehn Jahren dazu, eigene Höfe zu kaufen oder Häuser gemeinsam anzumieten. Das hat natürlich auch was mit der Strategie 'Dominanz vor Ort' vor zu tun."
Gibt es zwischen den Rechten in Thüringen und Bremen Kontakte?
Röpke: "Durchaus. Neonazis sind bundesweit sehr, sehr eng vernetzt. Darüber hinaus gibt es zwischen den Ländern einen personellen Austausch. Im Bürgerschaftswahlkampf war Patrick W. aus Thüringen beispielsweise Mitorganisator. Sein Name tauchte auch immer wieder im Zusammenhang mit der Zwickauer Zeller auf. W. hat auch ganz eng zusammen mit einem der wichtigsten Bremer Neonazis Hendrik O.gearbeitet."
Wie wird in der rechten Szene das NPD-Verbot diskutiert?
Röpke: "Für die NPD ist das natürlich ein Horror. Gerade jetzt wo die NPD einen neuen Bundesvorstand gewählt hat und zukünftig moderater und bürgerlicher auftreten möchte – nach dem Motto 'raus aus der Schmuddelecke'. Da gibt es im Moment richtige Spaltungstendenzen: Die radikalen Redner werden aus dem Programm geschmissen. Das passt allerdings den freien Kräften, den Kameradschaften nicht. Da ist die Szene ziemlich in Aufruhr."
Was wissen Sie über V-Leute in Bremen?
Röpke: "Wenig. Manchmal gibt es Verdachtsmomente innerhalb der Szene. Zum Beispiel wenn einer nicht ins Gefängnis geht oder immer wieder vor Gericht verschont wird. Da drängt sich die Frage schon auf, ob da der Staat die Finger im Spiel hat? Aber bislang haben wir für Bremen keine Hinweise."
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12. Juni, 17:45 Uhr | EinsPlus
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