Tag gegen Gewalt an Frauen
Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen findet immer am 25. November statt. Die Bremer Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe hat 2012 das Thema "Gewalt gegen Frauen mit Behinderung" in den Mittelpunkt gestellt. Warum sie Frauen und Mädchen mit Behinderung ins Zentrum der Aktionen, Vorträge und Veranstaltungen gestellt hat, erklärt Ulrike Hauffe, Landesbeauftrage für Frauen in Bremen, im Interview.
Die Bremer Landesfrauenbeauftragten Ulrike Hauffe.
Radio Bremen: Am 25. November stehen Jahr für Jahr die Frauen im Mittelpunkt. Sie haben den Blick noch einmal eingegrenzt auf Frauen und Mädchen mit Behinderung. Warum machen Sie genau diese Gruppe Frauen in Bremen zum Thema?
Ulrike Hauffe: Diese Frauen und Mädchen sind besonders gefährdet. Eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat ergeben, dass Frauen und Mädchen mit Behinderung fast doppelt so häufig Gewalt erlebt haben wie Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt.
Radio Bremen: Woran liegt das?
Ulrike Hauffe: Eine Erklärung könnte sein, dass man es mit einem Abhängigkeitsverhältnis der Menschen mit Behinderung in ihrem familiären Umfeld, der Öffentlichkeit und in den Wohn- und Arbeitseinrichtungen zu tun hat. In solchen Fällen ist sexuelle Gewalt im sozialen Nahraum leider häufig Realität.
Radio Bremen: In der Studie wird ein Wert zwischen 21 und 44 Prozent genannt. Warum gibt es keine präzise Zahl, sondern diese Spanne?
Ulrike Hauffe: Das liegt daran, dass es Unterschiede in Bezug auf die einzelnen Behinderungen der Befragten gibt. Für mich war es auch sehr überraschend, dass unter den Befragten am meisten die Taub-Stummen von sexuellen Gewalterfahrungen berichteten. Danach folgen die Frauen mit Lernbeeinträchtigungen. Die Studie liefert dafür leider keine Erklärung.
Gewalt gegen Frauen
Hintergrund der Bundeszentrale für politische Bildung
Radio Bremen: Wo sehen Sie Handlungsbedarf, um Frauen mit Behinderung besser zu schützen?
Ulrike Hauffe: Meines Erachtens müssen drei Dinge betrachtet werden: Prävention, Schutz und Unterstützung. Für eine bessere Prävention sollte es in allen Behinderteneinrichtungen Frauenbeauftragte geben, wie es in der Werkstatt Bremen der Fall ist. Es ist bekannt, dass sich Frauen mit Behinderung eher Frauen mit Behinderung anvertrauen. Ich glaube auch, dass wir so besser an die Dunkelziffer kommen. Um einen besseren Schutz zu gewährleisten, sollten Eltern behinderter Kinder entlastet und unterstützt werden. Sie werden von der Gesellschaft allein gelassen. Schläge sind oft ein Überforderungssymptom. Außerdem sollten Frauen mit Behinderung einen Rechtsanspruch auf gleichgeschlechtliche Pflege bekommen. Die Studie berichtet von Übergriffen männlicher Pfleger, die die Situation bei der Intimpflege ausgenutzt haben. Drittens sollten wir uns fragen, ob unsere Hilfs- und Unterstützungsangebote barrierefrei sind. Und wir müssen den Mädchen und Frauen mit Behinderung mehr glauben.
Radio Bremen: Was heißt das? Fehlt es an Sensibilität?
Ulrike Hauffe: Ja, man neigt dazu, ein auffälliges Verhalten der Behinderung zuzuschreiben, anstatt es zu hinterfragen. Das ist oft Stigmatisierung.
Und wie stellt sich generell die Situation für Frauen in Deutschland dar?
Radio Bremen: Steigt die Gewalt an Frauen oder sinkt sie?
Ulrike Hauffe: Wir gehen davon aus, dass die häusliche Beziehungsgewalt auf einem gleich hohen Niveau geblieben ist. Man kann mit Zahlen nur begrenzt etwas anfangen, weil sie nur aufzeigen, was bei der Polizei angezeigt wurde. 2012 wird die Zahl deutlich steigen, was mit Fahndungserfolgen der Bremer Polizei im Bereich der illegalen Prostitution zu tun hat. Steigende Zahlen können genauso bedeuten, dass die Frauen sich wehren.
Radio Bremen: Gibt es denn einen Zusammenhang zwischen häuslicher Beziehungsgewalt und dem sozialen Status?
Ulrike Hauffe: Nein, die gibt es im Bremer Stadtteil Schwachhausen genauso wie in Gröpelingen. Das geht durch alle Gesellschaftsschichten. Aber nur die Frauen aus Gröpelingen kommen ins Frauenschutzhaus, weil sie keine andere Möglichkeit haben, während die besser situierten Frauen sich selbst helfen können.
Radio Bremen: Was kann eine Frau tun, die in den eigenen vier Wänden das Opfer von Gewalt wird?
Ulrike Hauffe: Sie kann natürlich zur Polizei gehen. Die Bremer Polizei ist da sehr gut ausgebildet und geht sensibel mit dem Thema um. Aber viele Frauen scheuen diesen Schritt. Deshalb gibt es Beratungsstellen, und deshalb sind Einrichtungen wie das Frauenschutzhaus so wichtig. Mittlerweile ist es auch möglich, dass die Polizei den Täter, oft ist das der Mann oder der Vater, des Hauses verweist. Diese Neuregelung ist sehr interessant. Man ist davon ausgegangen, dass die Frauenhäuser jetzt leer werden, aber das ist nicht eingetreten. Offensichtlich werden mit dieser Regelung andere Frauen erreicht.
Radio Bremen: Was kann ein Außenstehender tun?
Hauffe: Nachbarn bekommen solche Vorfälle mit, aber hören oft einfach weg. Es gibt nur wenige, die Verantwortungsbewusstsein zeigen. Spricht man die Frauen darauf an, wehren sie in der Regel alles ab. Aber häusliche Beziehungsgewalt ist keine Einzeltat, sondern eine Verkettung. Dem Nachbarn bleibt dann die Möglichkeit die Polizei zu rufen oder eine Beratungsstelle einzuschalten.
Radio Bremen: Den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen gibt es schon viele Jahre. Wie wichtig ist der Tag für Ihre Arbeit?
Ulrike Hauffe: Der 25. November hat eine ganz hohe Bedeutung für unsere Arbeit. An keiner anderen Stelle haben wir eine so gute Möglichkeit, Gewalt an Frauen und Mädchen aufzuzeigen.
Radio Bremen: Sie organisieren wie bundesweit viele andere Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte rund um diesen Tag Aktionen und Veranstaltungen. Zeigt dieses Engagement auch Wirkung?
Ulrike Hauffe: Eindeutig. Zum Beispiel der von uns organisierte Fachtag hilft den Fachkräften, das Thema zu reflektieren. Durch diesen Tag bekommen sie eine andere Aufmerksamkeit für Gewalt an Frauen. Das ist ein Erfolg für uns.
Internationales Gedenken: Tag gegen Gewalt an Frauen
Studie zu sexueller Belästigung an der Uni Oldenburg , [3:41]
Studentinnen über ihre Erfahrungen
Mädchen in Not, [1:30]
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Info: Die Rundschau
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7, 8, 12, 16, 17 Uhr
Info: Nordwestradio Journal
Sendezeit:
Mo., - Fr.,
6:05 - 9 Uhr
12:08 - 13 Uhr
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Sa.,
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