Verdi, Macht und Hafen
Beim Gesamthafenbetriebsverein in Bremen und Bremerhaven – kurz GHBV – wird offenbar Druck auf Bewerber ausgeübt. Denn nach Radio-Bremen-Informationen sind sie möglicherweise zu einer Mitgliedschaft bei Verdi gedrängt worden, um den Arbeitsvertrag beim GHBV überhaupt zu bekommen. Rund 90 Prozent aller Mitarbeiter der Hafen-Leiharbeitsfirma sind Verdi-Mitglied.
Video: Fernseh-Bericht von Hanna Möllers
Einstellungen, Infos und Kommentare
Gesamthafenbetriebsverein
Der GHBV ist ein sogenannter Personaldienstleister für Hafenwirtschafts-Unternehmen in Bremen und Bremerhaven. Er verleiht seit 1914 Arbeiter zum Be- und Entladen der Schiffe. Heute stehen mehr als 3.000 Mitarbeiter unter Vertrag, die entsprechend der Nachfrage im Hafen mindestens 30 Stunden von Montag bis Samstag eingesetzt werden. Dafür sollen sie den gleichen Lohn bekommen wie ein Arbeitnehmer des Entleihers.
Ein Organisationsgrad, von dem andere nur träumen: Rund 90 Prozent aller Mitarbeiter sind Mitglied in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Hafenarbeit und Gewerkschaft, das gehört eben zusammen, auch bei der hafeneigenen Leiharbeitsfirma GHBV. Aber wie schafft es Verdi in der Praxis, hier so stark zu sein?
"Das ist bedingt durch die guten Tarifverträge, die wir abschließen", meint Dirk Reimers, Verdi- Landesfachbereichsleiter. "Das ist die Angst davor, keinen Arbeitsvertrag zu bekommen", entgegnet eine Mitarbeiterin vom GHBV, die unerkannt bleiben möchte. Sie hatte bei ihrer Einstellung das Gefühl, Verdi-Mitglied werden zu müssen. Im Rahmen der Einstellungsgespräche sei sie von der Personalabteilung zum Betriebsrat geschickt worden. Dort wurde ihr ein mit ihrem Namen ausgefülltes Beitrittsformular auf den Tisch gelegt, sagt sie. Sie musste nur noch die Kontonummer eintragen und unterschreiben. "Man fühlt sich unter Druck gesetzt in diesem Gespräch. Wenn du den Antrag nicht ausfüllen würdest, würdest du auch keinen Arbeitsvertrag bekommen. Dieses Gefühl hat man. Man hat einfach Angst, dass die da oben, dass Verdi mit dem GHBV zusammenarbeitet." Mit diesem Gefühl steht sie nicht alleine da. Ähnliches berichten zwei weitere Mitarbeiter.
Der Betriebsrat und der Geschäftsführer des GHBV bestreiten, dass Druck aufgebaut wird. Das vorausgefüllte Formular würde erst vorgelegt, nachdem der Arbeitsvertrag schon unterschrieben sei, beteuert Dieter Schindler, Verdi-Betriebsratsvorsitzender beim GHBV Bremen. Dass fast alle, die hier in sein Büro kommen, sofort bei Verdi eintreten, erklärt er so: "Das hat was mit Überzeugung zu tun. Ich könnte Ihnen auch einen Staubsauger verkaufen, den würden sie nehmen. Aber sie tauschen ihn nie wieder um. Das schwör ich ihnen."
Verdi-Mitgliedschaften verkaufen wie Staubsauer? "Wären wenigstens die Arbeitsbedingungen gut, könnte man dieser Praxis ja noch irgendetwas Gutes abgewinnen", meint Nico Ebeling. Das Gegenteil sei aber der Fall, so sein Fazit, und deshalb trat der Gabelstaplerfahrer bei Verdi aus. Tatsächlich bekommt die unterste Lohngruppe einen Stundenlohn von 8,71 Euro. Wenn es nichts zu tun gibt, werden die Arbeiter wieder nach Hause geschickt. Dafür müssen sie an anderen Tagen dann mehr arbeiten. "Das wirtschaftliche Risiko wird so voll auf uns abgewälzt", beklagt Nico Ebeling verbittert. "So etwas darf Verdi doch nicht tolerieren, wenn 90 Prozent bei Verdi sind."
Auch bei den Arbeitern, die die Autos im Hafen auf die Schiffe fahren, sind die Zeiten des guten Geldes vorbei. Mitten in der Wirtschaftkrise sind die Löhne der Autofahrer drastisch gekürzt worden. Leute, die vor der Krise eingestellt wurden, erhalten heute bis zu 15,80 Euro die Stunde. Neu eingestellte Kollegen machen für 11,78 Euro die gleiche Arbeit. Wieder andere bekommen fürs Autofahren nicht einmal zehn Euro. "Die Löhne im DC-Bereich sind beschissen. Das gebe ich unumwunden zu", sagt Dirk Reimers. Im Interview räumt er auch ein, dass die Folgen der Krise bis heute nicht beseitigt wurden. In den neuen Tarifverhandlungen soll sich aber einiges bessern, verspricht er.
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