Gesamthafenbetriebsverein
Prozess um Kündigungen des GHB geht zu Ende
Ein Prozess geht zu Ende: Der Gesamthafenbetriebsverein, die Leiharbeitsfirma der Hafenunternehmen in Bremen und Bremerhaven, verliert auch in der zweiten Runde gegen die eigenen Mitarbeiter: Sie müssen wieder eingestellt werden. Am Mittwoch sind vor dem Landesgericht Bremen die letzten Fälle verhandelt worden.
Video: Ende der Klagewelle
Einstellungen, Infos und Kommentare
Eine 100-jährige Tradition stand während der Krise so gut wie vor dem Aus: Der Gesamthafenbetriebsverein (GHB) gibt seit 1914 sowohl Hafenarbeitern als auch -unternehmen Sicherheit, denn in den Häfen schwankt der Bedarf an Arbeitern ständig. Das Problem für die Arbeiter: Schon morgen kann ihre Arbeitskraft überflüssig sein. Das Problem der Unternehmen: Wenn sie heute angelernte Arbeiter entlassen, können ihnen diese schon morgen fehlen.
Der GHB fängt diese Schwankungen auf, indem er den Arbeitern durchgehend ein gleichbleibendes Gehalt zahlt – egal ob sie gerade Arbeit haben oder nicht. Der Vorteil für die beteiligten Unternehmen: Im Idealfall sollen ihnen immer genügend qualifizierte Arbeiter zur Verfügung stehen.
Während der Krise war der GHB beinahe pleite. Die Hafenunternehmen konzentrierten sich auf ihr Stammpersonal, die Arbeiter des GHB wurden nicht benötigt. Deshalb entließ der GHB mehr als 1.000 Hafenarbeiter. Mehr als 200 von ihnen zogen jedoch gegen ihre Kündigung vor Gericht. Und sie bekamen Recht: Fast alle mussten wieder eingestellt werden. Für den Gesamthafenbetriebsverein bedeutet das: Er muss jetzt offenbar mehr als sechs Millionen Euro Gehalt nachzahlen. So heißt es jedenfalls aus Gewerkschaftskreisen.
Laut Geschäftsführer Hubertus Ritzke soll die Nachzahlung von den am GHB beteiligten Hafenunternehmen getragen werden. Wenn diese Unternehmen sich Personal ausleihen, müssen sie hinterher für den Einsatz Geld einzahlen. Ritzke wies Befürchtungen von Hafenarbeitern und Gewerkschaften zurück, dass der GHB durch die Nachzahlungen finanzielle Probleme bekomme. Es sollen Rücklagen gebildet worden sein, genaue Zahlen nannte Ritzke Radio Bremen aber nicht.
Der Gesamthafenbetriebsverein befindet sich seit der Wirtschaftskrise in der wohl schwierigsten Phase seines Bestehens. Die Frage ist, ob sich dieses Beschäftigungsmodell im Hafen dauerhaft halten kann. Aktuell geht es um die Frage, wie sich das Unternehmen neu organisiert. In diesem Zusammenhang gibt es zurzeit angeblich intensive Gespräche zwischen GHB und den beteiligten Hafenunternehmen.
Geschäftsführer Ritzke ist optimistisch: Laut Ritzke ist der Gesamthafenbetriebsverein gut aufgestellt. Die Kassen füllten sich wieder, und es würden auch wieder neue Mitarbeiter eingestellt. Insgesamt beschäftigt der GHB mehr als 2.000 Hafenarbeiter, den Großteil in Bremerhaven.
GHB und BLG uneins über Höhe der Löhne
Die Kritiker sehen das anders: Sie meinen, der GHB sei nicht flexibel genug und könne die Wünsche der Kunden – also der Hafenunternehmen – nicht ausreichend erfüllen. Als die Konjunktur nach der Krise wieder anzog, gab es beispielsweise Probleme zwischen dem Hafen-Logistik-Unternehmen Bremer Lagerhaus Gesellschaft (BLG) und dem GHB. BLG hatte damals dringend Fahrer gesucht, die der GHB nicht zur Verfügung stellen konnte.
Die BLG hatte nach der Krise niedrigere Löhne im Auto-Transport durchgesetzt – auch mit dem Verweis auf den Konkurrenzdruck unter den Häfen. Zwar habe der Umschlag deutlich angezogen, aber die Ertragslage habe sich nicht verbessert, so ein Sprecher. Deshalb wird es für die Hafenarbeiter beim GHB wohl so schnell keine Lohnerhöhungen geben. Im Gegenteil: Unternehmen wie die BLG drängen seit längerem darauf, dass die Löhne weiter gesenkt werden. Es gäbe schließlich genügend andere Zeitarbeitsfirmen, die diese Forderung sofort erfüllen könnten.
Ob der Hafenumschlag so positiv anhält wie in den vergangenen Monaten ist ungewiss: Würde zum Beispiel der Autoumschlag nach Asien einbrechen, könnte sich die Situation im Hafen schnell wieder drastisch ändern. Schwer einzuschätzen ist darüber hinaus, wie sich die Lage in den kriselnden EU-Staaten wie Griechenland auf den Umschlag auswirken wird. Auch auf diese unsichere Lage will sich der GHB einstellen. Deshalb versucht der GHB jetzt, intern eine Art Frühwarnsystem aufzubauen. Wie das genau aussehen soll, ist noch unklar.
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