Verkauf von Traditionsmarke
Erst Jacobs-Kaffee und Eduscho, dann Beck's und seit April diesen Jahres auch noch die Marken Hachez und Feodora. Mit dem Verkauf der Schokoladenfabrik ist eine der letzten großen Bremer Traditionsmarken nicht mehr bremisch. Sie wurde aufgekauft von der "Toms Group", dem größten Schokoladen-Produzenten aus Dänemark. Aber muss dieser Besitzerwechsel zwangsläufig nachteilig sein für Bremen? Wir haben die Toms-Schokoladenfabrik in Kopenhagen besucht.
Jesper Møller ist der Chef der Schokoladenfabrik Toms in Kopenhagen.
Gesundes Essen in der Kantine, ein Fitnessraum im Werk und bei Bedarf Physiotherapie und Massage am Arbeitsplatz. "Das ist doch selbstverständlich", meint Sören Svennigsen. Er ist der Vorsitzende des Betriebsrats bei Toms. Das wirklich Besondere hier, sei das Betriebsklima, sagt er.
Sein Loblied auf die Firma klingt für deutsche Ohren geradezu paradiesisch: "Es ist eine alte Firma mir einem sehr guten Betriebsklima. Die Hierarchie ist kaum spürbar. Der einfache Arbeiter und der Manager sprechen auf derselben Ebene miteinander. Das ist einzigartig."
Jesper Møller ist der Chef der Schokoladenfabrik, ein schlanker, groß gewachsener Mann, Mitte 50. Er ist auf eine freundliche Art zurückhaltend und strahlt Ruhe aus. Früher war er Chef des dänischen Industrieverbandes. Seine Sorge um die Gesundheit seiner Arbeiter hat letztlich ökonomische Gründe, erklärt er ganz offen: "Wenn wir als Firma im Wettbewerb mit den Großen überleben wollen müssen wir sehr effizient sein. Und ich glaube, dass Leute die gesund sind, auch bessere Arbeiter sind, sie fehlen weniger und haben mehr Energie bei der Arbeit", so Møller.
Ungelernte Kräfte verdienen bei Toms rund 20 Euro die Stunde. Das ist doppelt so viel, wie die deutschen Kollegen bei Hachez bekommen. Es bestünde daher keine Gefahr, dass Toms die Produktion nach Dänemark verlegt, meint Tage Arentoft von der dänischen Lebensmittelgewerkschaft: "Vielleicht sollten die dänischen Arbeiter Angst haben. Aber nein, ich denke Toms hat eine Marke gekauft und will beide Standorte behalten. Dänemark und Deutschland."
Das verspricht auch der Firmenchef. Die Marke Hachez sei für Toms ein Türöffner auf dem deutschen Markt und soll in jedem Fall erhalten bleiben. Dafür spricht auch die bisherige Firmenpolitik. Hachez ist nicht die erste Firma, die von der Toms Group gekauft wurde. Zu ihr gehört zum Beispiel die dänische Marke Anthon Berg, deren Schokolade auch in deutschen Regalen zu finden ist.
Und auch der Lakritzhersteller Ga-Jol ist Teil des Unternehmens. "Aber dabei darf es nicht bleiben", meint Jesper Møller. Das Unternehmen müsse schnell weiter wachsen und dazukaufen, um langfristig zu überleben. Møller ist überzeugt davon, dass nur große Firmen günstig Rohstoffe einkaufen, effizient produzieren und verkaufen können.
Auch Hachez hätte auf Dauer nicht so weiter machen können: "Es gibt die Tendenz, dass große Firmen größer werden. Wer nicht schrumpfen will muss wachsen. Wegen dieses Effekts, musste Hachez früher oder später Teil einer größeren Gruppe werden."
Wenn es stimmt, was Jesper Møller verspricht, brauchen sich die Bremer also weder um die Zukunft der Marke Hachez, noch um die Arbeitsplätze Sorgen zu machen. Im Gegenteil. Der Firmenchef kann sich vorstellen, ein paar der dänischen Arbeitsstandards auch nach Deutschland zu exportieren, sei es der Fitnessraum oder das gesunde Mittagessen.
Bei den Löhnen soll es aber keine Anpassung geben. Im Vergleich zu Dänemark wird Bremen wohl auch zukünftig Billiglohnland bleiben.
Porträt der neuen Mutterfirma von Hachez "Toms " , [3:29]
Jetzt auch noch Hachez, [4:51]
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