Kinderarmut
Jedes dritte Bremer Kind lebt von Hartz-IV.
Bremen bildet zusammen mit Berlin den größten sozialen Brennpunkt Deutschlands. 30,8 Prozent der Bremer Kinder leben in Familien, die von Transferleistungen abhängig sind. In ganz Deutschland ist der Anteil der Hartz-IV-Kinder mit 14,8 Prozent nicht einmal halb so hoch. Nur in Berlin liegt diese so genannte "Hilfsquote" mit 33,6 Prozent noch höher. Das geht aus einer Statistik des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe hervor.
BIAJ
Das gemeinnützige "Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe" wurde 1997 gegründet. Es beobachtet und analysiert Entwicklungen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Die Ergebnisse werden kostenlos auf der Website des BIAJ veröffentlicht.
Die Wissenschaftler haben dafür ausgewertet, wie viele Kinder unter 15 Jahren in den Landkreisen der Bundesrepublik in Hartz-IV-Familien leben. Aus den Ergebnisse wurde ein Ranking erstellt.
Demnach sind Berlin und Bremen gefolgt von Sachsen-Anhalt (26,1 Prozent) die Schlusslichter im Bundesländer-Vergleich. In Bayern (6,7) und Baden Baden-Württemberg (7,9) sind Kinder deutlich seltener auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Die Quote in den süddeutschen Bundesländern liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt.
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Vergleich der Landkreise: Auf dem letzten Platz liegt Bremerhaven. Hier leben sogar 35,1 Prozent der Kinder von Leistungen vom Jobcenter. Im Landkreis Eichstätt in Oberbayern sind es dagegen nur 1,8 Prozent.
Die Statistik des Bremer Instituts macht deutlich: Deutschland ist beim Thema Kinderarmut ein gespaltenes Land. Kinderarmut ist damit eher ein Problem in Großstädten und in Ostdeutschland.
| 2012 | |
|---|---|
| Bremerhaven | 35,1 |
| Gelsenkirchen | 35,0 |
| Halle (Saale) | 33,8 |
| Berlin | 33,6 |
| Unterallgäu | 1,9 |
| Eichstätt (Oberbayern) | 1,8 |
Für Bremen erklärte der Sprecher der Sozialbehörde, Bernd Schneider, es sei ein "klassisches Großstadtproblem". Es betreffe vor allem junge Kinder von jungen Müttern. Allerdings sei man in Bremen sehr nahe dran, den Rechtsanspruch auf Betreuung für Kinder unter drei Jahren zu erfüllen. Der gilt ab August dieses Jahres.
Insgesamt haben 2012 laut der haben 1,6 Millionen Kinder unter 15 Jahren in so genannten Bedarfsgemeinschaften gelebt – rund 250.000 Kinder weniger als noch im Jahr 2007. Doch die Wissenschaftler der Bremer Studie warnen: Immer mehr Kinder leben in Familien, die zwar keine Leistungen aus dem Jobcenter beziehen, finanziell genau so schlecht da stehen.
Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe
Internetseite des BIAJ
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