Mineralöl in Adventskalendern
Von einer "Sauerei" spricht Hasso G. Nauck. Der Chef des Bremer Schokoladenhersteller "Hachez" meint damit einen Test der Stiftung Warentest. Er denkt über eine Klage gegen die Verbraucherorganisation nach. Die hatte in der Schokolade von Adventskalendern für Kinder Mineralöl nachgewiesen. Wie groß der Schaden für Hachez ist, kann Nauck noch nicht genau sagen. Er geht aber von einer "satten sechsstelligen" Zahl aus, sagte Nauck im Gespräch mit Radio Bremen.
Radio Bremen: Der erste Advent steht vor der Tür. Viele Kinder freuen sich, wenn Sie das erste Türchen aufmachen können. Wie ist bei Ihnen mit der Vorfreude auf die Adventszeit?
Hasso G. Nauck: (lacht). Es ist einer der wichtigsten Geschäftsschwerpunkte. Die kalte Jahreszeit ist Schokoladenzeit. Die Leute kaufen also Schokolade. Außerdem ist es Geschenkzeit. Deswegen freue ich mich jedes Jahr aufs Neue wieder darauf.
Radio Bremen: Und wie ist es in diesem Jahr?
Hasso G. Nauck: In diesem Jahr kam das für uns völlig überraschende Ereignis dazu, dass Stiftung Warentest mit dieser Panikbotschaft kam, ohne dass wir etwas ahnen konnten. Ich sage deswegen Panikbotschaft, weil die Analysemethoden völlig zweifelhaft sind. Das ist auch allegemein bekannt. Offizielle Stellen haben wegen der wackligen Testergebniss auch bislang keine Höchstwerte festgelegt.
Radio Bremen: Wie ist denn die Reaktion der Kunden?
Hasso G. Nauck: Das ganze Unternehmen ist durch Telefonanrufe und Emails lahmgelegt worden. Da sitzen die Leute in der Straßenbahnen und strafen uns ab, und wir kriegen es um die Ohren geworfen als wären wir Verbrecher. Das Problem ist, dass beim Konsumenten die Botschaft ankommt, dass alleine wir die "bad boys" sind.
Radio Bremen: Können Sie ausschließen, dass es bei Schokolade von Hachez Mineralöl-Rückstände gibt?
Hasso G. Nauck: Das kann ich genauso wenig ausschließen, wie die Tatsache, dass uns Mineralöl-Rückstände überall begegnen. Die sind in der Luft und allgegenwärtig. So auch in anderen Lebensmitteln. Wenn man denkbare Gefahren vermeiden will, müsste man vorsichtshalber auch sagen, wir müssen das Essen oder das Atmen einstellen.
Radio Bremen: Sie sind ziemlich angefressen.
Hasso G. Nauck: Ich bin stinkesauer. Das ist eine grenzenlose Unverschämtheit von Stiftung Warentest. Wenn wir deswegen irgendwann keine Schokolade mehr herstellen können, dann können die in Zukunft nur noch Waschmittel testen. Die leben doch auch von uns. Wir bemühen uns, beste Schokoladenprodukte herzustellen und dann kommt so ein Stinkstiefel und versaut uns das.
Radio Bremen: Was werfen Sie Stiftung Warentest vor?
Hasso G. Nauck: Ich werfe Stitung Warentest Verantwortungslosigkeit vor. Da wurde leichtfertig eine Paniknachricht rausposaunt, ohne diese kritisch zu hinterfragen. Es gibt viele öffentliche Stellen und Behörden, die inzwischen Entwarnung geben, weil sie sich unserer Meinung anschließen, dass von unseren Adventskalendern keine Gesundheitsgefahr ausgeht. Hinzu kommt noch erschwerend, dass da ein Zusammenhang zwischen Mineralöl-Rückständen und den Verpackungen hergestellt wird. Wir verwenden kein recyceltes Papier. Diese Erkenntnis hatten wir vor Lichtjahren und haben darauf reagiert. Wir verwenden ausschließlich Packmaterial aus Frischfasern, die mit migrationsarmen Farben bedruckt sind. Bei uns ist es faktisch nicht möglich, dass aus dem Packmaterial Rückstände in die Schokolade migrieren.
Radio Bremen: Wie groß ist der Schaden?
Hasso G. Nauck: Wenn ich das jetzt wüsste. Ich weiß, dass er immens ist. Denn die Leute können nicht unterscheiden, welcher Adventskalender im Test war. Der Schaden wird mit Sicherheit im satten sechsstelligen Bereich liegen. Das ist für ein Unternehmen unserer Größe eine gefährliche Situation.
Radio Bremen: Was bedeutet das für Hachez in Bremen?
Hasso G. Nauck: Wenn ich im nächsten Jahr keine Adventskalender mehr verkaufen kann, dann hat Hachez Probleme. Wir machen fast 60 Prozent unseres Umsatzes in den letzten drei Monaten eines Jahres, um Ihnen mal eine Größe zu geben. Adventskalender machen einen wichtigen Teil davon aus.
Radio Bremen: Werden Sie rechtlich gegen Stiftung Warentest vorgehen?
Hasso G. Nauck: Das behalten wir uns ausdrücklich vor, weil wir Unseriösität und Fahrlässigkeit in diesem Fall unterstellen. Aber erst einmal muss ich dafür den Schaden beziffern können und das kann ich noch nicht. Meine erste Priorität ist im Moment Schadensbegrenzung. Und dann müssen wir alles dafür tun, den Schaden wieder gerade zu biegen.
Radio Bremen: Wird es ein Alleingang oder gibt es gemeinsam mit anderen Produzenten eine Sammelklage?
Hasso G. Nauck: Im Moment habe ich diese Sorgen noch nicht. Wir haben zunächst die Prioritäten im Umgang mit den Verbrauchern und den Händlern. Wir haben nichts verbrochen, werden aber von den Verbrauchern abgestraft. Wir haben keine Chance, gegen die geballte Informationswelle, die da losgerollt ist, anzugehen. Stiftung Warentest hat so eine Art Heiligenschein, drückt auf einen Knopf und schon springen alle Medien wie die Aasgeier auf die Nachricht. Dem müssen wir nun entgegenwirken.
Radio Bremen: Stiftung Warentest sagt, dass beispielsweise das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu gleichen Schlussfolgerungen kommt.
Hasso G. Nauck: Das ist ja die Sauerei, die Warentest da macht. Kein Mensch will das Zeug in der Scholokade haben. Auch wenn das BfR zum dem Schluss kommt, dass es völlig ungefährlich ist. Es bleibt dabei, dass Stiftung Warentest hier grob fahrlässig gehandelt hat und sich über die Konsequenzen der Veröffentlichung der Testergebnisse nicht im Klaren war. Warum weigern sie sich sonst immer noch, die Ergebnissse rauszurücken, damit die Industrie sie überprüfen kann?
Radio Bremen: Was wünschen Sie sich zum Jahresausklang?
Hasso G. Nauck: Es gibt eine Flut von Verbraucherverunsicherung. Deswegen hoffe ich, dass sich das Thema so schnell wie möglich beruhigt und sich diese Panik nicht auf andere Hachez-Produkte überträgt.
Hachez und Kraft kritisieren Stiftung Warentest
Schokoladenhersteller gegen Stiftung Warentest, [3:12]
Jetzt auch noch Hachez, [4:51]
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