Gesetzesänderung 2001
Seit dem 1. August vor zehn Jahren gilt in Deutschland das Lebenspartnerschaftsgesetzt: Schwule und lesbische Paare können sich seitdem offiziell das Ja-Wort geben. 2001 machte das Bundesverfassungsgericht den Weg für die "eingetragene Lebenspartnerschaft" frei. Zehn Jahre "Homo-Ehe" wird in Bremen mit einem offiziellen Empfang im Rathaus gefeiert.
Video: Noch immer nicht gleichberechtigt
Einstellungen, Infos und Kommentare
In Bremen und Niedersachsen öffneten sich am 1. August erstmals die Türen der Standesämter für gleichgeschlechtliche Paare. Gleich im ersten Jahr wurden in Bremen 41 Partnerschaften geschlossen. Inzwischen sind im Land Bremen nach Angaben der Standesämter bislang 511 gleichgeschlechtliche Paare eine Lebenspartnerschaft eingegangen. Radio Bremen stellt drei von ihnen vor.
Die Ersten, die sich 2001 in Bremen das Jawort gaben, waren Susanne und Evelyne Gläß. Eigentlich hatten sie sich eine stille Zeremonie gewünscht, doch ihre Feier wurde zu einem großen Ereignis: Viele Bekannte und Schaulustige waren vor dem Standesamt dabei. Die beiden Frauen erhielten Blumen von Grünenpolitikerin Helga Trüpel und fuhren mit der Kutsche davon. "Es hat sich viel getan", sagt die Schweizerin Evelyne Gläß im Rückblick und meint damit vor allem das Verhalten vieler Menschen gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren. Die Entscheidung der beiden Frauen zu heiraten hatte praktische Gründe: Durch die eingetragene Lebenspartnerschaft bekam die Nicht-EU-Bürgerin Evelyne Gläß eine dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.
Mehr über Susanne und Evelyne Gläß auch heute Abend ab 19.30 Uhr bei buten und binnen im Radio Bremen TV.
Vergleich: Homo-Ehe und Ehe
Gleichgestellt sind sie bei:
Andere Veränderungen, die sich für ein Hetero-Paar mit der Ehe ergeben, gibt es bei der Homo-Ehe bis heute nicht. "Die Rechtsgleichheit ist auf jeden Fall nicht gegeben", berichtet Bernd Thiede im Nordwestradio. Er setzt sich im Rat-und-Tat-Zentrum in Bremen für Schwule und Lesben ein und ist auch selbst verheiratet. Thiede beklagt, dass die Änderungen bisher vor allem in den Bereichen vorgenommen wurden, in denen sie den Staat nichts kosten. Zunächst gab es die Gleichberechtigung beim Namens- und Mietrecht. Später seien Stiefkindadoption und Erbschaftssteuer hinzugekommen.
"Was jetzt noch fehlt ist das Steuerrecht, Ehegattensplitting und das gemeinsame Adoptionsrecht", findet Thiede. Trotzdem freut er sich über das Lebenspartnerschaftsgesetz vom 1. August 2001. "Ich bin groß geworden in einer Zeit, in der Homosexualität strafbar war. Insofern bin ich der Meinung, dass die Lebenspartnerschaft uns erstmals ein Recht zuspricht und wir nicht unter dem Strafgesetz formieren." Das im Gesetz vorgeschlagene Wort "Verpartnerung" benutzt Thiede allerdings nicht. Für ihn war der Tag, an dem er seinem Mann Jürgen Schrader das Jawort gab, sein Hochzeitstag.
Gesprächszeit mit Bernd Thiede im Nordwestradio.
Bernd Thiede und sein Mann in den Ansichten im Radio Bremen TV.
Rechtliche Unterschiede
gibt es bei gemeinschaftlicher Adoption und beim Einkommensteuerrecht, um das politisch momentan gestritten wird: Der Bundesfinanzhof äußerte im Mai 2011 Bedenken, dass eingetragene Lebenspartnerschaften schlechter behandelt werden als Eheleute. Trotzdem lehnte der Bundesrat im Juni einen Vorschlag zur Gleichstellung ab.
In Bremen wird das Jubiläum der Homo-Ehe mit einem offiziellen Empfang im Rathaus gefeiert. Mit dabei sind auch Christa Piater und Christine Borrmann – die beiden Frauen haben sich vor zehn Jahren das Ja-Wort gegeben und sich auch kirchlich segnen lassen. Die beiden Musikerinnen lernten sich 1983 bei einem Weihnachtskonzert kennen. Gefunkt hat es erst auf der künstlerischen Ebene. Später verlieben sich die beiden, werden ein Paar und beschließen sich offiziell das Jawort zu geben. Ihre Hochzeit war auch politisch motiviert: Sie wollten unterstützen, dass eine Verpartnerung möglich ist. Die Zeremonie fand im kleinen Rahmen im Standesamt Bremen-Mitte statt. Eine große Feier mit Freunden und Familie gab es bei der kirchlichen Trauung, erklärt Piater. "Das ist ja zum Glück möglich in der Bremischen evangelischen Kirche."
Portrait eines Bremer Paares, [2:32]
Reporter Cengiz Tarhan stellt Christa Piater und Christine Borrmann vor
Vor den Standesämtern im Land Bremen haben sich wie die vorgestellten Paare schon rund 500 gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort gegeben. Die Scheidungsrate liegt bei knapp fünf Prozent, bei der Hetero-Ehe sind es rund 50 Prozent. In Niedersachsen wurden beim Mikrozensus 2010 rund 4.000 gleichgeschlechtlichen Ehen festgestellt.
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12. Juni, 17:45 Uhr | EinsPlus
Info: Die Rundschau
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7, 8, 12, 16, 17 Uhr
Info: Nordwestradio Journal
![Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen] Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/journal104_v-mediateaser.jpg)
Sendezeit:
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