Interview zum Schwerlasthafen
Bremerhaven soll einen Schwerlasthafen bekommen. Im Süden der Stadt, direkt an der Weser. Eine 500 Meter lange Kaje für den Umschlag von Windenergieanlagen für Windparks auf See. Die Suche nach einem privaten Investor für das Offshore-Terminal war gescheitert. Jetzt übernimmt das Land Bremen selbst. Kosten: 180 Millionen Euro. Die Landsregierung spricht von einer herausragenden Entscheidung. Die Opposition kritisiert, man habe Zeit verloren. Wir haben mit Burkhard Lemper von der Hochschule Bremen gesprochen. Er ist auf die Analyse von Häfen spezialisiert.
Sogenannte Errichterschiffe wie die "Victoria Mathias" bringen schwere Bauteile der Windparks aufs Meer.
Radio Bremen: Wie dringend braucht Bremerhaven den neuen Schwerlasthafen?
Burkhard Lemper: Bremerhaven möchte zentraler Standort für die Offshore-Windenergie in Deutschland werden und bleiben. Viele Unternehmen aus dem Bereich der Produktion für Windenergie-Anlagen haben sich in Bremerhaven angesiedelt und bereits eine Vielzahl von Arbeitsplätzen geschaffen. Dieser Industrie muss man entsprechende Rahmenbedingungen für den Transport der Anlagen in Richtung der Baustellen auf See bieten. Insofern braucht Bremerhaven dieses Terminal.
Radio Bremen: Um die Jahreswende soll das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Für 2016 ist die Fertigstellung geplant. Ist ein Tiefgang von 10,50 Meter langfristig ausreichend?
Burkhard Lemper: Ich gehe davon aus, dass die Errichterschiffe und die Transporteinheiten für die Anlagenteile nicht so hohe Tiefgänge haben – zumindest nicht im schwimmenden Zustand. Aufgeständert ist das etwas Anderes, aber dafür muss man ja auch keine Wassertiefe herstellen, sondern eher der sicheren Untergrund für die hohen Punktlasten.
Radio Bremen: Auch ohne diesen Hafen werden seit Monaten Bauteile für Offshore-Windparks in Bremerhaven verschifft. Ist denn absehbar, wann die jetzigen Abläufe an ihre Grenzen kommen?
Burkhard Lemper: Die jetzigen Anlagen sind sicherlich keine idealen Lösungen durch die erforderlichen Umfuhren, den begrenzten Platz. Wann da tatsächlich eine Grenze der wirtschaftlichen oder technischen Machbarkeit erreicht wird, kann ich nicht sagen.
Radio Bremen: Bremens Hafensenator Martin Günthner (SPD) sagt, er habe aus der Suche nach einem privaten Investor einiges gelernt, die Markteinschätzung sei wichtig gewesen. Paul Bödeker, hafenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, ist überzeugt: Eine private Finanzierung war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Stimmt das?
Burkhard Lemper: Die private Finanzierung von Hafeninfrastrukturen ist in Nord- und Mitteleuropa relativ selten. Solange ein Hafen im Wettbewerb mit anderen Anlagen steht, in denen die Infrastruktur nicht privat finanziert werden muss, ist ein Kostennachteil vorhanden, der problematisch ist, zumal wenn die Anlagen möglicherweise für verschiedene Nutzer offen sein sollen.
Radio Bremen: Bremerhaven soll Europas Offshore-Hauptstadt werden. Auch in Cuxhaven, Emden und Wilhelmshaven wird kräftig in Schwerlast-Hafenanlagen investiert. Ist das sinnvoll? Brauchen wir die Kapazitäten?
Burkhard Lemper: Wenn die Energiewende geschafft werden soll, müssen entsprechend im großen Umfang Offshore-Windparks errichtet und in Betrieb genommen werden. Die Herausforderung bei der Errichtung ist die doch erhebliche Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen. Dadurch wird die effektive Zeit des Jahres, in der Parks errichtet werden können, erheblich eingeschränkt. Das betrifft aber dann auch die Nutzung der verschiedenen Terminals für den Umschlag. Andererseits muss für die kurzen Bauphasen ein Vorrat an Anlagen bereit gehalten werden, der dann schnell und direkt am Wasser zur Verfügung steht. Insofern werden die Anlagen für die nächsten Jahre der Aufbauphase auf jeden Fall benötigt, auch wenn die Umschlaganlagen selbst wahrscheinlich witterungsbedingt Teile des Jahres unterausgelastet sein könnten. Die diese Zeiten und auch den Phase nach der großen Aufbau-Welle sollte man sich über alternative oder ergänzende Nutzungen wie in der Projektladungsschifffahrt Gedanken machen.
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