Rückblick auf den Fall Kurnaz
Der "Bremer Taliban": So nannten viele Medien Murat Kurnaz, den in Deutschland geborenen Türken aus dem Arbeiterstadtteil Hemelingen. Drei Wochen nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 machte er sich von Bremen aus auf den Weg nach Pakistan, um den Islam kennenzulernen, zu predigen und was zu erleben. Damals war der gelernte Schiffbauer Murat Kurnaz 19 Jahre alt. Als er sich Wochen später auf den Heimweg machte, wurde er verhaftet und von den US-Militärs nach Guantanamo, der Militärbasis der USA auf Kuba, verschleppt. Seitdem wurde er ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in brutaler Isolation gehalten in einer Art und Weise, die jedem Menschenrecht widerspricht.
Kurz nach seiner Freilassung zeigt sich Murat Kurnaz schweigend den Medien.
Oktober 2001: Murat Kurnaz verlässt Deutschland in Richtung Pakistan, angeblich wegen einer Pilgerreise. In Bremen wird gegen Kurnaz und drei weitere Personen ein Verfahren eingeleitet. Ihnen wird vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung gegründet zu haben.
Dezember 2001: In einem Bus nahe Peschawar (Pakistan) wird er auf dem Weg zum Flughafen bei einer Routinekontrolle festgenommen und für mehrere Wochen in Haft gehalten, später nach Afghanistan gebracht und den Amerikanern übergeben.
Januar 2002: Kurnaz wird als potenzieller Terrorist ins US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba gebracht.
Februar 2002: Die Mutter Rabiye Kurnaz wendet sich an das Auswärtige Amt und an Amnesty International.
Mai 2002: Der Bremer Rechtsanwalt Bernhard Docke übernimmt das Mandat für Murat Kurnaz und informiert von diesem Zeitpunkt an regelmäßig die Medien.
September 2002: Zwei Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) und einer des Verfassungsschutzes verhören Kurnaz zwölf Stunden lang unter Kontrolle der CIA. Sie stellen fest, dass er nichts über die Terrorszene weiß und wahrscheinlich nicht einmal ein kleiner Fisch ist. Über eine Rückführung nach Deutschland wird lange erfolglos diskutiert. Am Ende lehnen die Deutschen das Angebot der Amerikaner ab.
März 2004: Anwalt Docke reist mit einer internationalen Delegation nach Washington. Wenig später ist erstmals Hoffnung auf Freilassung in Sicht.
Mai 2004: Bremens Innensenator Thomas Röwekamp (CDU) stellt formal fest, dass Kunaz’ Aufenthaltgenehmigung erloschen seit Mai 2002 ist. Diese Entscheidung wird später als unrechtsmäßig erklärt.
Juli 2004: Nachdem der oberste US-Gerichtshof den Guantanamo-Gefangenen eine gerichtliche Anhörung zugesprochen hat, reichen Kurnaz Anwälte Klage ein. Seine Inhaftierung verstoße gegen die amerikanische Verfassung.
August 2004: Der amerikanische Anwalt und Rechtsprofessor Baher Azmy schaltet sich in den Fall ein. Zwei Monate später kann er Murat Kurnaz in Guantanamo besuchen.
Februar 2005: Wieder Hoffnung auf Freilassung. Eine Bezirksrichterin in den USA entscheidet, dass das vorlegte Beweismaterial für eine Inhaftierung nicht ausreicht.
Februar 2006: Nach Angaben der Bundesregierung verhandeln deutsche und amerikanische Diplomaten über die Freilassung. Das sei beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei US-Präsident George W. Bush im Januar vereinbart worden. Mehrere Monate dauern die Verhandlungen an.
24. August 2006: Kurnaz wird in Fußfesseln zum US-Luftwaffenstützpunkt im pfälzischen Ramstein ausgeflogen und kehrt nach Bremen zurück.
Oktober 2006: Die Bremer Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren gegen Murat Kurnaz ein. Der Verdacht, er stehe mit Islamisten in Pakistan oder Afghanistan in Verbindung, habe sich nicht erhärtet.
Oktober 2006 bis Januar 2007: Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages soll klären, ob und wie sich die damalige rot-grüne Bundesregierung um die Freilassung von Murat Kunaz bemüht habe. Am Ende sagt Außenminister Walter Steinmeier (SPD) aus. Er stuft Kurnaz erneut als "Gefährder“ ein. Damit rechtfertigt er offensichtlich, das Angebot der Amerikaner abgelehnt zu haben, Kurnaz schon im Herbst 2002 freizulassen.
April 2007: Murat Kurnaz hat ein Buch über seine Haft in Guantánamo geschrieben. Es trägt den Titel "Fünf Jahre meines Lebens" und ist im Rowohlt-Verlag erschienen.
August 2011: Dokumentarfilm die "Die Guantanamo-Falle" (The Guantanamo Trap). Der Film erzählt von vier Menschen, deren Leben von Guantanamo zerstört wurde: der Gefangene Murat Kurnaz, die Rechtsberaterin Diane Beaver, der Rechtsoffizier Matt Diaz und der spanische Anwalt Gonzalo Boye.
Mai 2013: Der Film "Fünf Jahre Leben" von Regisseur Stefan Schaller kommt in die deutschen Kino.
Ein Bremer unschuldig in der Hölle von Guantanamo
Streit um die Stadtautobahn 281
Seit fast 30 Jahren streiten Anwohner, Behördenvertreter und Politiker über den Weiterbau der Stadtautobahn 281. Hier eine Chronologie der jüngsten Ereignisse. Mehr...
Bremer Brechmittel-Prozess
Ein Bremer Arzt im Polizeidienst wurde zweimal für den zwangsweisen Brechmittel-Einsatz an einem mutmaßlichen Drogen-Dealer freigesprochen. Beide Urteile hat der Bundesgerichtshof kassiert. Jetzt befindet sich der Fall in der dritten Runde. Mehr...
Streitfall Weservertiefung
Obwohl die Hafenwirtschaft entlang des Flusses schon lange ungeduldig auf die ersten Bagger wartet, konnten die Richter am Bundesverwaltungsgericht noch keine Entscheidung fällen. Wir haben zusammengefasst, was dafür und was dagegen spricht. Mehr...
Rocker-Dossier
Die Rocker im Nordwesten stellen aus Sicht der Polizei eine permanente Gefahr dar. Denn sie sind in der organisierten Kriminalität aktiv. Ob dagegen Verbote helfen, die Schließung von Klubhäusern oder Razzien – die Experten sind sich nicht einig. Mehr erfahren Sie hier. Mehr...
Ein Haushalt mit Risiken
Finanzprobleme hat Bremen genug. Trotz aller Anstrengungen wächst der Schuldenberg weiter. Sparen ist also "oberstes Gebot". Trozdem fordern Politiker mehr Geld für Schulen und Krankenhäuser. Wie groß ist der Schuldendruck also wirklich? Mehr...
Recherche-Redaktion
Wo stimmt etwas nicht? Auf welches Thema möchten Sie uns hinweisen? Wo sollen wir nachhaken? Schreiben Sie an unsere Recherche-Redaktion – oder rufen Sie uns an. Mehr...
Jetzt läuft
Streit ums Grundwasser in Holdorf
Die Brunnen der Gemeinde Holdorf liefern den größten Teil des Wasserbedarfs der Region Vechta. Nun sollen noch mehr Brunnen noch mehr Grundwasser abpumpen. Viele Anwohner beklagen aber schon jetzt, dass ihre Felder vertrocknen und der Wasserspiegel ihres Badesees sinkt. Welche Folgen hat es, wenn immer mehr Grundwasser aus dem Boden gepumpt wird? Wir diskutieren live vor Ort. Mehr...
29. Mai, 15:05 Uhr | Nordwestradio
Info: Die Rundschau
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7, 8, 12, 16, 17 Uhr
Info: Nordwestradio Journal
Sendezeit:
Mo., - Fr.,
6:05 - 9 Uhr
12:08 - 13 Uhr
17:08 - 18:30 Uhr
Sa.,
8:05 - 9 Uhr
12:05 - 13 Uhr
Podcasts
Hier können Sie die neuesten Politik-Beiträge hören – wann und wo Sie wollen. Mit einem Download auch so oft Sie wollen. Mehr...
Soziale Netzwerke
Sie finden Radio-Bremen-Nachrichten nicht nur hier, sondern auch bei Twitter, Facebook, Google Plus und Youtube. Mehr...
radiobremen.de für unterwegs
Unter "m.radiobremen.de" sind wir nun auch mobil abrufbar. Damit kommen wir vielen Internetnutzern entgegen. Testen Sie es einfach mal aus! Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Robin Dutt in der Stadt: Werder Bremen präsentiert seinen neuen Trainer
Betriebsversammlung bei ENO: Mitarbeiter wollen bessere Arbeitsbedingungen
Streit um Beratungsstelle: SPD-Fraktionschef will Rat-und-Tat-Zentrum halten
Bremer Delegation in der Türkei: Böhrnsen findet es wichtig, "sich mal sehen zu lassen"