Kinofilm über Murat Kurnaz
Fünf Jahre lang wurde der Bremer Deutschtürke Murat Kurnaz verhört und gefoltert. Jetzt erzählt ein Spielfilm seine Geschichte nach – seinen Weg von Bremen über Pakistan ins US-Gefangenenlager auf Kuba, sowie den Kampf um seine Freilassung. Einer, der dafür viel getan hat, ist sein Anwalt Bernhard Docke. Mit beiden traf sich Radio-Bremen-Reporter Rainer Kahrs kurz vor der Premiere.
Video: Kinofilm über Guantanamo hat Premiere
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In einer leerstehenden Schnapsfabrik in der Bremer Neustadt trifft sich Reporter Rainer Kahrs mit dem ehemaligen Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz und dem Anwalt Bernhard Docke. Der eine kommt im Anzug per Fahrrad, der andere in Lederjacke auf seinem Motorrad. Der drahtige Jurist und der muskulöse Türke sind ein ungleiches Paar. Zur Premiere des Kinofilms "Fünf Jahre Leben" werden sie zusammen quer durch Deutschland touren. Der Film erzählt die Geschichte von Murat Kurnaz. Ein Drehort war die alte Fabrik, die zur Diskothek umgebaut wurde. Hier spielte eine Eifersuchtsszene zwischen dem Türsteher Murat und seiner damaligen Freundin. Es kommt zur Schlägerei. Kurz darauf verlässt er Bremen in Richtung Pakistan.
Während der Dreharbeiten war Regisseur Stefan Schaller mit seinen 19 Jahren etwa genauso alt wie sein Filmheld zu Beginn der Geschichte. Für ihn sei es unglaublich, dass ein junger Mensch in solch ein diplomatisches Loch fallen konnte. Keiner wusste, ob er ein Terrorist ist oder nicht. Lange hat der Filmemacher sich mit Kurnaz’ Folterhaft beschäftigt. Er bewundert ihn dafür, dass er nicht einfach aufgab, obwohl es leichter gewesen wäre, ein Geständnis abzulegen oder irgendetwas zu unterschreiben. Aber Kurnaz nahm diesen Kampf auf und zeigte große, innere Stärke in dieser aussichtslosen Situation.
Audio: Gespräch mit Berhard Docke
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Der Bremer Anwalt Bernhard Docke übernahm im Jahr 2002 das Mandat und informierte fortan regelmäßig die Medien über den Fall. Politische Institutionen wie Amnesty International setzten sich für Murat Kurnaz ein. Der öffentliche Druck führte letztendlich zu seiner Freilassung, davon ist Docke überzeugt. Es sei nur traurig, dass es so lange gedauert habe.
Derzeit sind in dem US-Gefängnis auf Kuba mehr als 160 mutmaßliche Terroristen ohne Anklage inhaftiert. Darunter auch 86 Personen, die vor drei Jahren vom Amerikanischen Kongress als unbedenklich eingestuft wurden. Dass diese Menschen nicht schon längst in ihre Heimatländer zurückkehren konnten, hält Anwalt Docke für nicht akzeptabel. Aus seiner Sicht ist es die pure Verzweiflung, die mehr als 100 Gefangenen in den Hungerstreik trieb. Präsident Barack Obama müsse nun endlich handeln, denn er hatte vor seiner Wahl angekündigt, Guantanamo zu schließen.
Murat Kurnaz erfuhr erst nach seiner Freilassung im August 2006 von seinem Anwalt in der Heimatstadt. Für seinen Einsatz ist er ihm sehr dankbar. "Er hat auch einiges riskiert. Denn er wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht genau, wer ich bin", sagt Kurnaz. Er mag Docke gern – als Freund, als Anwalt und als Mensch. Ohne seine Hilfe und die der vielen anderen würde er wohl heute noch auf Kuba sitzen.
Jetzt freut es ihn, dass seine Geschichte verfilmt wurde. Aber stolz könne er darauf nicht sein. Kurnaz findet es toll, wenn sich viele Menschen für Guantanamo interessieren. Wenn jemand von dort entlassen wird, schafft er es manchmal, mit ihnen in Kontakt zu treten. Aber er macht nicht viel Hoffnung, dass jemand den seit mehr als 100 Tagen andauernden Hungerstreik im Lager überleben wird. Guantanmo sollte endlich Geschichte sein, fordert er.
Audio: Film-Premiere in Bremen
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Im Film wird Murat Kurnaz von Schauspieler Sascha Alexander Gersak gespielt. Von ihm sei er besonders beeindruckt, unter anderem weil er für seine Rolle 20 Kilogramm abnehmen musste. So viel Gewicht verlor auch Kurnaz in seiner Haftzeit. Am Ende könne aber ein Film nicht wiedergeben, wie sich die Hölle von Guantanamo wirklich anfühlt. Insbesondere den Schlafentzug empfand Kurnaz am schlimmsten. Aber für Außenstehende seien die Szenen wohl grausam genug, berichtet er.
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