Debatte um Jacobs University
Die Jacobs-Universität in Bremen-Nord möchte eine Finanzspritze vom Land Bremen. Aber braucht Bremen überhaupt eine Privat-Universität, und soll das Land die Einrichtung erneut unterstützen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!
Ursula Schulz, 29. Oktober 2012, 21:59 Uhr:
Anlässlich der klammen finanziellen Situation der Jacobs Universität lese ich in den letzten Tagen Kommentare, die mich ärgern. Da wird die Jacobs-Uni mit dem unsäglichen Space-Park-Projekt in einen Topf geworfen und es ist die Rede von „Spitzenstudenten aus spitzenreichen Familien aus aller Welt“ (so in einem Kommentar von Jochen Grabler: Elite Uni mit Rakete – www.radiobremen.de/politik/themen/politikjacobsuniversitykommentar100.html).
Lässt sich ein „Entertainment- und Shoppingcenter" wirklich mit einer Hochschule vergleichen, an der junge Menschen auf einem sicheren Campus und bei ausgezeichneter akademischer Betreuung den Geist von Toleranz und interdisziplinärer Forschung in international zusammengesetzten Teams leben können? Was wissen die angeblich so sozial eingestellten Linken („Allein die Linken meckern“) von den begabten jungen Menschen aus Afrika, Jordanien, Sri Lanka, die ohne eine Universität wie Jacobs überhaupt keine Chance hätten, ihren Bildungsweg nach der Schule fortzusetzen? 70-80% der Studierenden an der Jacobs-Uni kommen aus dem Ausland, ca. 90% erhalten irgendeine Art von finanzieller Unterstützung – abhängig von dem Familieneinkommen und –ja! – von ihren schulischen Leistungen und ihrem sozialen Engagement. Es gibt Studierende, die ohne Sponsoren noch nicht einmal die Mittel hätten, ihren Flug nach Deutschland zu bezahlen. Im Vergleich zu einigen dieser Kids kommen eher unsere deutschen Studierenden an staatlichen Hochschulen aus „spitzenreichen Familien“.
Zu den Auswirkungen der Jacobs-Universität auf einen Strukturwandel in Bremen-Nord kann ich nichts sagen. Es steht allerding einer weltoffenen Stadt mit langer sozialdemokratischer Tradition gut an, den Geist der Jacobs-Universität zu fördern, wo sie nur kann. Eine Studentin aus einem bettelarmen Land, die noch nie einen Fuß in ein westliches Land gesetzt hat, tut sich schwer an unseren deutschen Massenuniversitäten, an denen gute Deutschkenntnisse vorausgesetzt werden, an denen sie weitgehend allein gelassen ist und an denen das Studium unverhältnismäßig lange dauert. Fehlende Jobmöglichkeiten für Ausländer, schlechte Betreuung, überfüllte Hörsäle führen häufig zum Studienabbruch. An der Jacobs-Universität haben sie die Chance in einer sehr konzentrierten Studienphase die (Aus-)bildung zu bekommen, die sie brauchen, um entweder in ihren Heimatländern nützlich zu sein oder den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in Deutschland beheben zu helfen.
Michael Bau, Lesum, 28. Oktober 2012, 18:42 Uhr:
Es sprechen viele Gründe FÜR die Jacobs University (sehr hohe Qualität von Forschung und Lehre, sehr positive Aussendarstellung des internationalen Wissenschaftsstandorts Bremen, usw.), aber in der derzeitigen Diskussion, bei der es ja ausschliesslich um die Finanzhilfen des Bremer Senats geht, kann man sich auf folgende Punkte beschränken:
- die Jacobs University bringt unter dem Strich deutlich(!) mehr Geld nach Bremen hinein, als diese Uni das Land Bremen kostet!
- die Jacobs University ist eines der seltenen Beispiele dafür, dass ein Entwicklungsprojekt in Bremen-Nord auch ein Erfolg sein kann!
Steffen K., 28. Oktober 2012, 14:30 Uhr:
Brauchen wir die Jacobs Uni? Ein klares und eindeutiges JA von meiner Seite. Ich habe regelmäßig Kontakt mit Studierenden von dort (übrigens ebenso wie mit Uni Bremen-Studenten), da ich in einem Technologie-Unternehmen tätig bin. Die Jacobs Uni ist sehr wichtig für Bremen - damit wird ein Wissenschaftsstandort komplettiert. Nach den Strukturkrisen ist Bildung und Wissenschaft das größte Gut, das Bremen hat. Wie ich von meinem internationalen Kollegen in Europa und Übersee gehört habe, bringen die Jacobs-Studenten eine hohe Qualität mit sich. Also werden sie zu Botschaftern Bremens in der Welt. Wenn ich mir einige der Beiträge hier und anderswo anschaue, fällt mir auf: Die Kritiker lassen sich in drei wesentliche Gruppen unterteilen: a) diejenigen, die die Jacobs Uni nicht kennen (Warum soll man mögen, was man nicht kennt? Oder warum soll man es nicht ablehnen, wenn man es nicht kennt?...) b) diejenigen, die aus ideologischen Gründen gegen die Jacobs Uni sein MÜSSEN (die tun mir leid... jeder Mensch hat das Recht auf eine freie Meinung, die man sich aber dann auch selbst bilden muss...) und c) diejenigen, die befürchten, dass wichtige Bildungsausgaben zu Lasten der Jacobs Uni gestrichen werden. An letztere gerichtet: Ich kann Ihre Bedenken verstehen - aber das Aufrechnen von zwei wichtigen Bildungsprojekten (Schulsport in der Ganztagsschule gegen internationale Studierende auf einem Campus) ist meiner Meinung nach nicht der richtige Weg. Das wäre so, also ob sich zwei Fördervereine gegenseitig das Recht absprächen, förderungswürdig zu sein. Und da kommt möglicherweise wieder die Ideologie ins Spiel. Es ist gar keine Frage: Der Staat muss deutlich mehr in Bildung investieren. Aber innerhalb von Bildung und Wissenschaft mit Grabenkämpfen zu beginnen, halte ich für falsch. Also, geben wir der Jacobs University die Zeit, um sich zu verfestigen. Sie ist auf einem guten Weg dorthin.
christoph, 28. Oktober 2012, 09:50 Uhr:
Niemand hat etwas gegen eine private Uni, die sich dann aber bitteschön auch privat finanziert. Unipräsident Treusch sagte ja so schön "keinem anderen Unternehmen in Bremen" würde so übel mitgespielt und er sehe es überhaupt nicht ein, sich in die tiefroten Zahlen gucken zu lassen.
Der Mann ist übrigens seit 6 Jahren am Ruder und hat - gelinde gesagt - in Sachen Betriebswirtschaft wohl deutliche Defizite bewiesen. In jedem "anderen Unternehmen in Bremen" wäre er längst gekündigt worden.
Die JUB hat reihenweise die eigenen Ziele gerissen. Die JUB hat aber auch die Vorgaben der Geldgeber (Kaffee-Stiftung, Land Bremen) entweder schlicht ignoriert oder einfach nicht umsetzen können. Nicht über 1-2 Jahre, sondern seit der Gründung in 2001.
Im Prinzip kann es zwei Begründungen für die Schieflage geben:
- Die Geschäftsführung ist nicht in der Lage, Geschäfte kostendeckend zu führen - dann sollte man kein Geld geben, bis vernünftige Leute am Ruder sind.
- das Geschäftsmodell ist auch hier rundweg gescheitert, für reinprivate Unis ist in der deutschen Forschungslandschaft kein Platz. Das ist schon in Witten/Herdecke und Ludgwigshafen/Zeppelin so bewiesen worden - dann muss die JUB jetzt nach den Regeln des Landes, von dem sie immer Geld einfordert, spielen.
Und dann ist sie keine Privatuni mehr.
Cornelia Lohmann, 27. Oktober 2012, 19:59 Uhr:
skeptische Bilicke finden überall Mängel, wie soll Bremen über die Jacobs University abstimmen, wenn die Bevölkerung über diese Universität einseitig informiert wird ? Seit Bestehen der Universität wird über die Medien in einer Weise berichtet, die weitgehend negativ ist. Es scheint, wie allgemein üblich lohnender um jeden Preis Mängel aufzuspüren und breit darüber zu informieren, als die positiven Seiten für Bremen zu benennen. Ich bin mir sicher, würden die Bremer sich über diese Universität umfassend informieren können, dann wären wir stolz darauf, diese Universität in Bremen zu haben. Sie ist beispielhaft für die Notwendigkeiten der global vernetzten Welt. Die jungen Studenten, die hier studieren sind von einer unvergleichlichen Internationalität, Bremen ist für sie der Start in Ihr berufliches erwachsenes Leben , wenn Sie mit Ihrem Abschluss in die Welt ziehen, tragen Sie Bremen fest sowohl in Ihrem Herzen als auch in Ihrem Geiste und sind Botschafter für unsere Stadt in der ganzen Welt.
Diese Institution ist ein großes Geschenk für Bremen, man bedenke den Zuzug von Professoren und Ihren Familien ebenso wie die Auswirkung der Kaufkraft der Studenten, die ausserdem über das Gastfamilienprogramm enge Beziehungen zu hiesigen Familien knüpfen und uns durch ihre freundschaftlichen Bindungen bereichern. Auch wird kaum erwähnt, dass die Universität Bremen ohne die Mitwirkung der Jacobs University die Exellenzinitiative nicht gewonnen hätte. Bremen hat sich mit und durch die Jacobs University zu einem außergewöhnlichen Bildungsstandort entwickelt der Beispielfunktion hat. Ich wünschte mir, dass die Bremer Bürger erkennen würden, was für ein ausserordentliches Potential diese Universität für Bremen hat. Sie ist einer der bedeutenden Sterne über dem Himmel Bremens auf den wir sehr stolz sein können.
Da die Informationen, so zweifelhaft sie auch sein mögen fast ausschliesslich in der Beilage die Norddeutssche in Bremen Nord veröffentlicht werden wundert es nicht, dass die Stadtbremer Bevölkerung über jedewelchen Nutzen der Jacobs University im dunklen gelassen wird und sie dementsprechend für überflüssig halten muss.
Nach elf Jahren, in denen die Universität zu jedem Zeitpunkt höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügt hat, wird es Zeit ! : die Augen zu öffnen und und diese Bildungseinrichtung auf breiter Basis zu wertschätzen und zu unterstützen.Es gibt nicht Vieles wofür Bremen sich auf internationaler Ebene in solcher Weise rühmen kann.
Roderich Reidick, 27. Oktober 2012, 19:02 Uhr:
Braucht Bremen eine Privatuniversität? Ganz klar Nein!!!
Junge Menschen aus anderen Ländern nach Bremen (oder Deutschland) zum studieren holen? Ganz klar Ja!!!
Wenn es eine Bereicherung für Bremen-Nord ist,Prima!!!
Ich bin Elternvertreter an einer Bremer Oberschule. Es gibt z.B., nicht nur da, Schul-Gebäude, die bedinderte Schüler und auch Lehrer nicht nutzen können, weil es keine Aufzüge gibt! Dafür ist im Bildungshaushalt Bremens kein Geld vorgesehen.
Z.B. Unterrichtsfach Sport, im englischen heißt das PE (Physical Education). Dieses Fach wird mit 2-3Std. die Woche in allen Ganztagsschulen angeboten! Zum gesund Bleiben soll die Form von Bewegung reichen, Freiflächen zum Sporttreiben gibt es nicht!
Zwei kleine Beispiele aus dem Bildungsbereich, der katastrophal unterfinanziert ist.
Die Bremer Pfeffersäcke (so nennen die alten Bremer die KaufMANNschaft) hat die private Universität gefordert, sie haben versprochen sie zu finanzieren, dann sollen sie es auch machen.
Die Bremer leiden seit Jahren unter der schlechten, nicht von ihnen zu verantwortenden, Finanzierung öffentlicher Aufgaben.
Deshalb keine öffentlichen Mittel für private Institutionen.
Veronika S., 27. Oktober 2012, 13:53 Uhr:
Ich lebe in Vegesack und muss sagen, die jungen Leute vom Jacobs Campus sind hier sehr gegenwärtig. Ich sehe sie oft im Einkaufszentrum oder in der G-Rolfs-Strasse - auch auf dem Markt. Ob diese jungen Menschen viel Geld haben, um es ausgeben zu können, kann ich nicht einschätzen. Von Bekannten weiss ich, dass man Gastmutter oder -vater werden kann. Das ist eine gute Form der Integration für die jungen Menschen. Ich spiele jetzt auch mit dem Gedanken. Für unser Vegesack und die umliegenden Ortsteile ist der Campus ein großer Gewinn. Ich bin es leid, in nordbremer Opferhaltung zu verharren. Wir hier im Norden können es! Also bitte weiter so.
ludwig g., 27. Oktober 2012, 11:53 Uhr:
hallo radio bremen!an die beiden netten moderadoren gerichtet:liebe grüße aus wie,auch ich seh euren wunderbaren umzug!lg.ludwig
Sylvia , 26. Oktober 2012, 22:53 Uhr:
Sie fragen nach Jacobs-Absolventen. Es gibt an meinem Institut hier in Bremen gleich sechs mir bekannte. Sie machen entweder ihren Master, sind Doktoranden, oder haben eine Anstellung als Wissenschaftler. Alles bingo hier.
Wolfgang W., 26. Oktober 2012, 22:32 Uhr:
In unserem mittelstaendigem Unternehmen hatten wir schon mehrmals Jacobs-Studenten, die uebrigens aus Nepal, Rumaenien und z.B. Kenia kommend immer recht gut, wenn auch stockend deutsch sprachen. Diese jungen Leute hatten grosses Interesse an unserem Bremen. Wir stehen noch immer im Kontakt mit ihnen. Einer ist uebrigens hier in Deutschland geblieben. Mir ist nicht ganz klar, warum das ein Problem sein soll. Die Jacobs-Universitaet ist eine Bereicherung fuer unsere Hansestadt. Von solchen mutigen Ideen hat Bremen schon immer profitiert.
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