Glosse
Die rechte Szene spielt in Bremen ja keine so große Rolle. Trotzdem haben wir schon oft darüber berichtet. Diesmal drehen wir den Spieß um: Die Radio-Bremen-Autoren Andreas Neumann und Steffen Hudemann zeigen mal aus Sicht eines Neonazis, wie schwer das Leben hier für ihn und seine Mitstreiter doch ist.
Video: Nazi-Glosse
Einstellungen, Infos und Kommentare
Heute ist ein schöner Tag. Am Abend lädt die Kameradschaft in Bremen zu einem Konzert mit deutsch-nationaler Musik. Endlich mal wieder mit Gleichgesinnten feiern. Nur ob ich mit den Stiefeln da hin sollte? Da muss man sich schon den Weg genau aussuchen. Im Viertel, Gröpelingen, der Neustadt und in anderen – an Nicht-Arier verlorenen Quartieren – schlägt einem als Nazi doch eine gewisse Ablehnung entgegen. Die reine Aggression gegen die nationale Idee.
Wobei was hat der Kameradschaftsführer gesagt? Wir sollen uns eh nicht mehr anziehen wie die Skinheads. Der Nazi von heute trägt einen gepflegt, sportlichen Look, sagt er! Nur wo kann man denn in Bremen so was noch kaufen. Kaum macht mal ein Fachgeschäft für die Bekleidung Rechtsradikaler in der Innenstadt auf, dann kommt schon eine Anwohner-Initiative und protestiert so lange und nervend, bis die Betreiber vom "Sportsfreund" den Laden aufgeben. Und wo soll man jetzt mal in Ruhe einen Thor-Steinar-Pullover probieren oder in ein ordentliches Hemd schlüpfen?!
Dann muss es für heute Abend eben noch mal die gute alte Bomberjacke sein. Sitzt eigentlich noch recht ordentlich und die hab ich ja auch auf der letzten großen Demo der NPD in Bremen getragen. Zum Bürgerschaftswahlkampf im vergangenen Jahr. Da hatte ich mich so drauf gefreut. Immerhin kamen da auch die Kameraden aus Sachsen und Niedersachsen, darunter auch die Partei-Prominenz aus Dresden und Berlin. Aber glauben Sie mal nicht, dass die Bremer unsere Mühen wertschätzten. Und als wir dann losgegangen sind, war natürlich auch diese Antifa wieder zur Stelle. Das sind viel mehr als wir, und wenn man nicht aufpasst als Nazi in Bremen, hau'n die einem auch schon mal eine rein. Was ich gemein finde.
Genauso gemein übrigens wie die Tatsache, dass wir Nazis jetzt Stadionverbot haben bei Werder Bremen und dass man da als Nazis gleich abgeführt wird, wenn man mal ein paar rechtsradikale Transparente entfaltet im Fan-Block, für die man dann auch von den anderen Fans beschimpft wird mit Rufen wie "Nazis raus!"
Ja, deutsch-heimatliche Kameradschaft, die sucht man meistens vergeblich in Bremen. Kameradschaft wie mein Opa Gustav sie noch gefunden hat, damals Frankreichfeldzug 1940. Da galt Freundschaft noch was. Hatten wir uns eigentlich von den Hells Angels auch gewünscht. Aber kaum sind einige von uns da eingetreten, haben die ihren Verein auch schon wieder aufgelöst.
Und dann dieser Innensenator und seine Verwaltung. Versuchen Sie mal in Bremen eine ordentliche Wehrsportgruppe aufzumachen, wenn Polizei und Stadtamt allen NPD- und DVU-Mitgliedern ihre Waffen wegnehmen. Auch den Kameraden, die einen Waffenschein haben für ihre Pistolen und Gewehre.
Nein, es ist eben nicht schön in Bremen ein Nazi zu sein. Aber, was ist jetzt eigentlich mit dem Konzert heute Abend. Mal anrufen, wo das jetzt genau läuft. Wie in Bremen abgesagt? In der Nähe von Magdeburg jetzt, weil die Polizei wie neulich schon längst die Zufahrten zum Konzert dicht gemacht hat und die Kameraden nach Hause schickt. Die Band musste auch schon die Verstärker, Boxen und alles wieder abbauen, so wie neulich in Bremerhaven und die Polizisten haben noch nicht mal tragen geholfen. Also, jetzt nach Magdeburg fahr ich nicht. Konzert hin oder her. Das Ticket ist mir zu teuer, und mein Hartz-IV-Berater beim Amt meint auch, dass es dafür keinen Zuschuss gibt. Nein, es ist nicht schön in Bremen ein Nazi zu sein. Vielleicht fahr ich morgen mal ins niedersächsische Umland, einen Friedhof verwüsten…
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