Porträt eines Pastors aus Unterlüß
Wilfried Manneke aus Unterlüß im Landkreis Celle hat eigentlich zwei Berufe: Hauptamtlich ist er Pastor der Evangelisch-lutherischen Friedensgemeinde, der 59-jährige Familienvater fühlt sich aber auch berufen, gegen Rechtsextremismus ein Zeichen zu setzten. Mit ganzer Kraft und viel Zeitaufwand. Immer wieder wird er von Mitgliedern der rechten Szene dafür öffentlich attackiert – teilweise erlebt Manneke das als Bedrohung für Leib und Seele. Und dennoch: Aufhören kommt für ihn nicht in Frage – im Gegenteil.
Was Rassismus anrichten kann, hat Wilfried Manneke in Südafrika miterlebt - hautnah, 13 Jahre lang während des Apartheid-Regimes. Als er vor 17 Jahren nach Unterlüß kam, gab es da noch das Neonazi-Schulungszentrum "Hetendorf 13" in unmittelbarer Nachbarschaft seiner neuen Gemeinde. Das war der Anlass für Mannekes Engagement gegen Rechts. Und dabei steht er nicht alleine: Im Bündnis "Netzwerk Südheide" haben sich inzwischen rund 160 Mitglieder zusammengefunden und organisieren den Widerstand gegen die Rechten: Präventionsmaßnahmen in den örtlichen Schulen, Mahnwachen und Demonstrationen. Da könne es schon mal vorkommen, dass er Jugendlichen gegenübersteht, die er aus seiner Umgebung kennt, sagt Manneke. Genauso sei dort auch die gesamte Hautvolee der Neonazis aus dem Norddeutschen Raum vertreten. Die Südheide sei eine von drei Neonazi-Hochburgen im Norden: "Allein im Umkreis von 50 Kilometern haben wir drei Neonazi-Kameradschaften, eine in Celle und zwei in Schneverdingen." Dabei würden die Rechtsextremen die Städte vom Land aus ins Visier nehmen. Dort richten sie ihre Schulungszentren ein und versammeln sich, während sie in den Städten viel mehr Gegenwind erfahren, erklärt Manneke weiter.
Aber auch der Gegenwind, der den Rechten aus der Südheide entgegen bläst, zeigt Wirkung. Jedes Mal, wenn er und seine Mitstreiter zu Demonstrationen aufgerufen, Interviews gegeben oder Aufklärungsaktionen gestartet haben, wird öffentlich gegen sie gehetzt. Hakenkreuzzeichen an der Kirchentür und pöbelnde Neonazis vor der Haustür gehören da noch zu den harmloseren Attacken. Im Dezember 2011 wurden die Anfeindungen gegen den Pastor kriminell - mit einem Brandanschlag auf sein Haus. Gerade erst wurde gegen ihn und zwei Amtskollegen auf einschlägigen Internetseiten massiv gehetzt: "Der Verräter-Deutsche muss aus Deutschland entfernt werden" - so war dort zu lesen. Dagegen hat Manneke Anzeige erstattet.
Es sei typisch für Rechtsextreme, dass sie Andersdenkende sofort verurteilen und an den Pranger stellen. Dazu diene auch immer häufiger das Internet, sagt Manneke. Eine Tendenz, die sich in den letzten zwei Jahren verstärkt hat, meint er. Schützen kann sich Manneke nur dadurch, dass er die Öffentlichkeit sucht oder gegebenenfalls Anzeige erstattet. Doch häufig seien die Ermittlungen schnell wieder eingestellt worden. So recht verstehen kann er das nicht: Denn es könne doch nicht angehen, dass es in einem Land wie Deutschland mit guten demokratischen Strukturen und einem Rechtsstaat nicht möglich ist, die menschenverachtende Ideologie der Neonazis zu kritisieren, ohne dass man persönlich bedroht wird. Wilfried Manneke erwartet, dass der Staat Menschen besser schützt, die solche Ideologien kritisieren. Eines steht für den Pastor aus Unterlüß jedenfalls fest: einschüchtern lässt er sich nicht. Rechtsextremismus ist für ihn Rassismus und Gewalt ist für ihn unerträglich. Grund genug für Manneke, für seine Überzeugung auch weiterhin öffentlich einzutreten.
Pastor Wilfried Manneke wehrt sich gegen Rechts, [3:40]
Beitrag von Ulrike Kressel
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