Porträt Niels Stolberg
Er galt lange Zeit als Vorzeige-Reeder. Ein Star des Szene. Niels Stolberg. Mit der Beluga-Reederei lieferte er die perfekte Aufsteiger-Geschichte. Ambitioniert gepaart mit hanseatischem Charisma. Beluga Shipping gehörte einmal zu den international führenden Schwergut-Reedereien. Millionenumsätze im dreistelligen Bereich, mehr als 1.500 Mitarbeiter, 70 Schiffe und ein imposanter Firmensitz mitten in Bremen auf dem Teerhof. 2010 wurde dann das Ende der Aufsteiger-Geschichte eingeläutet. Ein Porträt.
Hier steht Niels Stolberg am liebsten: auf der Kommando-Brücke
Die "Beluga Shipping GmbH" gibt es seit 1995. Das erste Schiff wurde drei Jahre später in Dienst genommen, ein Mehrzweckfrachter. Das Unternehmen wuchs mit atemberaubendem Tempo, so wurde bereits 2003 eine Niederlassung in Peking eröffnet. Und innerhalb von zehn Jahren ist Niels Stolbergs Reederei zum Markführer für internationale Projekt- und Schwerguttransporte aufgestiegen. Vielen in der Branche ist das unheimlich und in der Reederszene gilt der Aufsteiger Stolberg als "bunter Vogel". 2006 knackt Beluga erstmals die 100-Millionen-Umsatz-Marke und beschäftigte 1.600 Mitarbeiter. Drei Jahre später waren schon 66 Mehrzweck-Schwergutfrachter für die Reederei im Einsatz. Sie bringen unter anderen zerlegte Kraftwerke, Turbinen oder Transformatoren rund um den Globus. Ganz nebenbei wird die Reederei zum größten Ausbilder der deutschen Schifffahrtsbranche.
Stolberg beschreibt sich selbst als ehrgeizig, kreativ und diszipliniert. In Brake geboren als Sohn eines Lotsen wird er selbst Kapitän und studiert Wirtschaftsingenieur. Stolberg ist stets für publikumswirksame Neuerungen zu haben. So macht er mit einer innovativen Idee - den "Skysails" von sich Reden - einer Art Zugdrachen, der Schwergutschiffe ziehen kann, um so die Treibstoffkosten zu senken. Auch den Klimawandel wollte Stolberg geschickt für sich nutzen: So gab er zum Besten, mit seinen Schiffen künftig über die Nordostpassage entlang der sibirischen Küste von Europa nach Asien fahren zu wollen, was die Strecke um ein Drittel verkürzen würde.
Für die einen war er ein willkommener Förderer ihrer Insel, für die anderen eine "Heuschrecke" als Niels Stolberg sich mit 16 Millionen Euro auf der Nordseeinsel "Spiekeroog" engagiert. In kürzester Zeit verfügte der Reeder über Ferienwohnungen mit 300 Betten und wurde für viele Insulaner zum "Finanzungeheuer vom Festland", der aus Spiekeroog ein kleines Sylt machen wollte. Unter anderem wegen seiner kulturellen Projekte auf der Insel. So schloss er eine Partnerschaft mit der Kirche und baute ein Künstlerhaus, in das Stipendiaten eingeladen werden und Gäste sich kreativ entfalten können. Fast nichts davon ist mehr geblieben nach dem Untergang der Reederei. Hotels, Ferienwohnungen und auch ein Buchladen standen zum Verkauf. Das Künstlerhaus kam sogar unter den Hammer.
Den Bedarf an qualifiziertem Personal im Blick ließ Stolberg ein neues Ausbildungskonzept für die Seefahrt entwickeln: die "Sea-Academy". Auf sechs Schiffen lernen 160 Auszubildende. An den einschlägigen Hochschulen finanzierte der Beluga-Eigner Professuren im Bereich Seefahrt und Nautik. Aber auch jenseits aller maritimen Bezüge gab es eine rege Sponsorenaktivität: Er engagierte sich für den Handball: Für den Nachwuchs des VfL Oldenburg baute er ein Internat. In Bremen unterstützte er das Museum "Weserburg" und die Deutsche Kammerphilharmonie. Bei Werder Bremen saß er zeitweilig im Aufsichtsrat, nachdem der umtriebige Reeder für Werders Eckbälle im Weserstadion jährlich mehr als eine Million Euro Sponsorengeld locker machte. Nach dem Tsunami im Dezember 2004 gründete Stolberg in Thailand die "Beluga School for Life", durch die Kinder von Tsunami-Opfern eine neue Perspektive erhalten sollen.
Als das Wachstumstempo immer rasanter, die Banken aber wegen der Finanzkrise immer sparsamer mit ihren Krediten wurden, holte Stolberg 2010 den US-amerikanischen Finanzinvestor "Oaktree" ins Boot. Der kickte Stolberg am 1. März 2011 aus dem Unternehmen. Bald war von Bilanzfälschungen die Rede, die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Das Ende der Geschichte eines Aufsteigers aus Bremen.
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