Wie nutzen Rechtsradikale das Internet?
Das Internet bietet für das Vermarkten der eigenen Gedanken ganz neue Möglichkeiten. Potentiell schaut die ganze Welt zu. Das wissen nicht nur Möchtegern-Popstars, sondern auch Rechtsradikale und sie nutzen das Netz für ihre Zwecke. In unserer Serie "Der Norden schaut hin" hat sich Radio-Bremen-Reporter Marcel Heberlein angesehen, was die Rechten im Internet treiben.
Rechtsextreme versuchen seit einiger Zeit im Internet gezielt, Anhänger anzusprechen und Nachwuchs anzuwerben. Ähnlich wie bei den Schulhof-CDs spielt dabei Musik eine zentrale Rolle. Sie ist für viele Jugendliche der erste Zugang zur Szene. Bei Videoplattformen wie Youtube gibt es nicht mehr nur den typischen "Schrammelrock" mit viel Geschrei und Hetze, sondern mittlerweile auch rechten HipHop oder rechte Liedermacher. Rechtsradikale haben sehr schnell begriffen, was das Netz für Möglichkeiten bietet, sagt Simone Rafael von der Initiative Netz gegen Nazis: "Während man früher Nazi-Musik nur auf Kassette überspielt mal mitbekommen hat von einem Klassenkameraden, hat heute jeder Zugriff da drauf. Das heißt man findet von den Bands sehr explizite, volksverhetzende, rassistische Songs, aber auch sehr viel harmlosere, die dann durchaus gern mal verschickt werden und gesagt wird: 'Hör dir die doch mal an, die sind doch gar nicht so rechts.' In der Hoffnung, dass die Leute sich trotzdem die schlimmeren Songs anhören."
Im Netz kursieren aber noch sehr viel mehr rechte Inhalte. Videos von der Gruppe "Die Unsterblichen" zum Beispiel haben in letzter Zeit für viel Aufsehen gesorgt. In der Regel zeigen die Filme jüngere Leute, die mit weißen Theatermasken und Fackeln durch Innenstädte laufen, etwa durch Hamburg-Harburg oder Hannover. Viele tragen dabei Transparente gegen die Demokratie oder gegen Ausländer.
Rechte Musik und rechte Videos sind nichts grundlegend Neues. Neu ist aber, dass Rechtsradikale sie gezielt nutzen, um ihrer Ideologie ein neues cooles Image zu geben. Die Videos zeigen nicht mehr das biedere Bild vom Neonazi mit Seitenscheitel und Springerstiefeln. Stattdessen tragen die Teilnehmer lässige schwarze Kapuzenpullis. Hetzparolen gegen Ausländer oder die Demokratie werden nur nebenbei eingeflochten. Die Internet-Videos der "Unsterblichen" wirken professionell produziert: mit dramatischer, unheimlicher Musik unterlegt strahlen sie gleichzeitig aber die Bereitschaft aus, Gewalt anzuwenden.
Relativ neu ist die Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook: Vor allem mit emotionalen Themen, die auf den ersten Blick gar nicht "typisch rechts" wirken. Beispiele sind Seiten für Umweltschutz oder gegen Kindesmissbrauch. Nur werden viele solcher Seiten eben von Rechten ins Leben gerufen oder von ihnen unterwandert. Dann setzt die "Propaganda-Maschine" ein. Mitglieder fordern die "Todesstrafe für Kinderschänder" und rufen offen zu Gewalt auf. Dazu gibt es Links, zum Beispiel auf Seiten der NPD, mit weiteren Infos und Umfragen zum Thema. Diese Nachrichten bekommt dann jeder geliefert, der auf Facebook geklickt hat, dass eine Seite gegen Kindesmissbrauch "gefällt".
Wie schnell Facebook-Nutzer Anfragen der rechten Szene erhalten, haben unsere Reporter ausprobiert. Für die Recherche meldeten sie sich unter einem anderen Namen an und gaben als Vorlieben einige rechte Musikgruppen, aber auch unpolitische Dinge wie Fußballvereine und Computerspiele an. Schon kurz darauf erhielt er Freundschaftsanfragen und wurde in geschlossene Foren aufgenommen. Ähnliche Erfahrungen hat auch Simone Rafael vom Netz gegen Nazis gemacht: "Rechtsextreme suchen in den sozialen Netzwerken diese Kontakte wirklich. Das geht bis hin zu einer persönlichen Ansprache. Bei mir waren das meistens NPD-Politikerinnen und Politiker. Die haben geschrieben: 'Offensichtlich hast du Interesse an dem und dem Thema. Komm doch mal auf meiner Website vorbei oder komm doch mal zu meiner Veranstaltung.'" Aus der Kontaktaufnahme im Netz werde schnell ein Kontakt in der realen Welt. Und schon seien einige Nutzer tief drin in der rechten Szene.
Video: Rechte Szene in sozialen Netzwerken
Einstellungen, Infos und Kommentare
Netz gegen Nazis: Vorlieben im Netz
Die Website der Amadeu Antonio Stiftung mit Rat und Tat gegen Rechtsextremismus
Streit um die Stadtautobahn 281
Seit fast 30 Jahren streiten Anwohner, Behördenvertreter und Politiker über den Weiterbau der Stadtautobahn 281. Hier eine Chronologie der jüngsten Ereignisse. Mehr...
Bremer Brechmittel-Prozess
Ein Bremer Arzt im Polizeidienst wurde zweimal für den zwangsweisen Brechmittel-Einsatz an einem mutmaßlichen Drogen-Dealer freigesprochen. Beide Urteile hat der Bundesgerichtshof kassiert. Jetzt befindet sich der Fall in der dritten Runde und könnte eingestellt werden. Mehr...
Streitfall Weservertiefung
Obwohl die Hafenwirtschaft entlang des Flusses schon lange ungeduldig auf die ersten Bagger wartet, konnten die Richter am Bundesverwaltungsgericht noch keine Entscheidung fällen. Wir haben zusammengefasst, was dafür und was dagegen spricht. Mehr...
Rocker-Dossier
Die Rocker im Nordwesten stellen aus Sicht der Polizei eine permanente Gefahr dar. Denn sie sind in der organisierten Kriminalität aktiv. Ob dagegen Verbote helfen, die Schließung von Klubhäusern oder Razzien – die Experten sind sich nicht einig. Mehr erfahren Sie hier. Mehr...
Ein Haushalt mit Risiken
Finanzprobleme hat Bremen genug. Trotz aller Anstrengungen wächst der Schuldenberg weiter. Sparen ist also "oberstes Gebot". Trozdem fordern Politiker mehr Geld für Schulen und Krankenhäuser. Wie groß ist der Schuldendruck also wirklich? Mehr...
Recherche-Redaktion
Wo stimmt etwas nicht? Auf welches Thema möchten Sie uns hinweisen? Wo sollen wir nachhaken? Schreiben Sie an unsere Recherche-Redaktion – oder rufen Sie uns an. Mehr...
Jetzt läuft
Streit ums Grundwasser in Holdorf
Die Brunnen der Gemeinde Holdorf liefern den größten Teil des Wasserbedarfs der Region Vechta. Nun sollen noch mehr Brunnen noch mehr Grundwasser abpumpen. Viele Anwohner beklagen aber schon jetzt, dass ihre Felder vertrocknen und der Wasserspiegel ihres Badesees sinkt. Welche Folgen hat es, wenn immer mehr Grundwasser aus dem Boden gepumpt wird? Wir diskutieren live vor Ort. Mehr...
29. Mai, 15:05 Uhr | Nordwestradio
Info: Die Rundschau
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7, 8, 12, 16, 17 Uhr
Info: Nordwestradio Journal
Sendezeit:
Mo., - Fr.,
6:05 - 9 Uhr
12:08 - 13 Uhr
17:08 - 18:30 Uhr
Sa.,
8:05 - 9 Uhr
12:05 - 13 Uhr
Podcasts
Hier können Sie die neuesten Politik-Beiträge hören – wann und wo Sie wollen. Mit einem Download auch so oft Sie wollen. Mehr...
Soziale Netzwerke
Sie finden Radio-Bremen-Nachrichten nicht nur hier, sondern auch bei Twitter, Facebook, Google Plus und Youtube. Mehr...
radiobremen.de für unterwegs
Unter "m.radiobremen.de" sind wir nun auch mobil abrufbar. Damit kommen wir vielen Internetnutzern entgegen. Testen Sie es einfach mal aus! Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Transport nach Kanada: Tonnenschwerer Koloss im Neustädter Hafen verschifft
Tote Frau im Pflegeheim: Bremer Sozialsenatorin will tägliche Kontakte
VBN-Jahresbilanz: Fahrgastzahlen und Einnahmen gestiegen
Neuer Trainer vorgestellt: Robin Dutt: "Werder ist Euphorie pur!"