Galopprennen in Bremen
Ende der 70er Jahre begann Bremen, den Rennverein zu unterstützen - vor allem finanziell. Aber der Traum von einer Pferdesport-Metropole erfüllte sich nicht. Zwar gibt es seit 2010 keine neuen Finanzspritzen, trotzdem fließt noch Geld aus alten Verträgen.
Bis zu 50 Millionen Euro Steuergelder sind seit 1979 in den Rennverein geflossen. Doch 30 Jahre später soll damit Schluss sein, denn die Verluste der Rennbahn sollten nicht länger vom Steuerzahler ausgeglichen werden: Pro Jahr waren das etwa eine halbe bis eine Million Euro.
Zum Abschied gab es 2010 eine einmalige Abfindung in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Damit sollte der Rennverein zehn Jahre lang auskommen und mindestens sechs Renntage pro Saison ausrichten. Dieser Verpflichtung kann der Verein für die verbleibenden sieben Jahre wohl nicht mehr nachkommen. Deshalb müsste er anteilig das Geld zurückzahlen. So hatten es Bremer Politiker 2009 beschlossen. Bloß scheint im Vertrag mit dem Rennverein davon nichts zu stehen, bestätigte ein Sprecher des Wirtschaftsressorts. Diese Nachricht führte bei den zuständigen Parlamentariern zu Entrüstung, denn sie fühlen sich von der Verwaltung getäuscht. Klaus-Rainer Rupp von der Linkspartei hat Akteneinsicht genommen. Im Vertrag sei lediglich eine zweckgebundene Nutzung genannt: für Grünpflege und den Unterhalt des Geländes. Zurückgezahlt müsste bei einer Aufgabe des Rennbetriebs lediglich das übrig gebliebene Geld – jedoch ist von einer anteiligen Summe nicht die Rede.
Video: Bremer Abgeordnete fühlen sich getäuscht
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Seit 2010 kümmert sich der Rennverein nun selbst um das Gelände und die Grünpflege. Er zahlt aber für das etwa 34 Hektar große Gelände eine auffällig niedrige Pacht, kritisiert Klaus-Rainer Rupp. Für ihn sind Vergünstigungen dieser Art auch Subventionen: "Ich weiß, dass der Rennverein für das Gelände nur 8.000 Euro Pacht im Jahr bezahlt. Für ein vergleichbares Gelände müsste man nach meiner Schätzung normalerweise 130.000 Euro pro Jahr bezahlen." Auch der Präsident des Rennvereins, George Muhle, räumt ein, dass die verbilligte Pacht eine finanzielle Unterstützung ist. "Aber, wer sollte sonst das Gelände pachten?", fragt er sich.
Neben der Rennbahn errichtete der Bauunternehmer Kurt Zech das Atlantic Hotel. Hier hat die Stadt seit 2003 ein paar Räume gemietet, die auch der Rennverein bei Bedarf nutzen kann. Das macht er zwar selten, trotzdem muss Bremen dafür 25 Jahre lang 114.000 Euro Miete bezahlen und im 26. Jahr nochmal 100.000 Euro. Nur einen kleinen Teil kann sie davon durch Vermietung wieder reinholen, wie etwa für einen Golfsport-Fachhandel, der aber schon ausgezogen ist, und einen Buchmacher. Bis 2030 zahlt Bremen also weiter Miete für Räume, mit denen die Stadt eigentlich nichts anfangen kann.
2003 saniert der gleiche Bauunternehmer die traditionelle Holztribüne und erweitert sie mit einem Anbau. Bremen bezahlt die Miete bis 2032 im Voraus: 4,343 Millionen Euro. Laut Vertrag könnte der Pächter den verbleibenden Zeitwert zwar ankaufen, aber dazu wird es wohl nicht kommen. Dieser Vertrag stammt noch aus einer Zeit, als die Bremer Rennbahn GmbH (BRG) hier das Sagen hatte. An der Gesellschaft hielt der Rennverein 40 Prozent und 60 Prozent gehörten der Hanseatischen Veranstaltungs-GmbH (HVG), eine Bremische Gesellschaft, die 2009 in der Wirtschaftsförderung Bremen mbH aufgegangen ist.
Im Jahr 2004 pachtet eine süddeutsche Firma die 150.000 Quadratmeter große Fläche im Innenraum der Rennbahn. Hier entsteht eine Golfsportanlage, die nur an den wenigen Renntagen geschlossen bleiben muss. Denn herumfliegende Golfbälle sind eine zu große Gefahr für Ross und Reiter. Der Betreiber, die "Golf Range", verpflichtet sich zudem, die Galopprennen jährlich mit 13.000 Euro zu unterstützen. Ein vorzeitiges Aus des Rennvereins hätte auf den Pachtvertrag keinen Einfluss, aber im Falle eines Grundstücksverkaufs müssen Gespräche geführt werden. Aber bis das so weit ist, kann es noch eine Weile dauern, vermutet der Sprecher des Bremer Wirtschaftsressorts, Holger Bruns.
Die Stadt stellt eine 85.000 Quadratmeter große Fläche in Mahndorf zur Verfügung, auf der 2004 ein Trainingszentrum für Rennpferde entsteht. Die Bremer Galopptrainingsgesellschaft mbH pachtet 30 Jahre lang das Gelände. Bremen verpflichtet sich abzüglich der Pacht jährlich noch etwa 90.000 Euro für die Grünpflege zuzuschießen. Der damalige rot-schwarze Senat hatte sich davon nicht abhalten lassen, obwohl kurz zuvor der erfolgreiche Galopp-Trainer Andreas Wöhler Bremen verließ und nach Dortmund wechselte. Von Anfang an soll die Anlage nicht ausgelastet gewesen sein. Die Betreibergesellschaft um Andreas Jacobs stehe derzeit mit Bremen noch in Verhandlung.
Wegen alter Verpflichtungen fließt immer noch viel Geld aus dem Bremer Haushalt in das Hotel und die Trainingsanlage. Bleibt zu hoffen, dass sich die Vertragspartner doch mal auf ein vorzeitiges Vertragsende einlassen.
Video: Rückblick: Bremen und die Rennbahn
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