Zukunft des Bremer Rennvereins
Der Bremer Rennverein will auf der Galopprennbahn in der Vahr weitermachen und plant fünf Renntage für das laufende Jahr. Ein neues Konzept sieht vor, dass weniger Preisgelder gezahlt werden und mehr Pferde aus dem Norden starten. Darauf einigten sich die Mitglieder Mitte Februar. Einen neuen Vorstand konnten sie nicht finden und somit heißt der alte und neue Präsident weiterhin George C. Muhle.
Video: Der Neue ist der Alte
Einstellungen, Infos und Kommentare
In der momentanen Situation sei es schwierig, neue Leute zu finden, so lautet das Fazit von Muhle, der Ende 2012 den Verein noch auflösen wollte. Denn das Renngeschäft lief in den letzen Jahren schlecht. Es gab zu wenige Sponsoren und die anfallenden Kosten für das Gelände standen in keinem Verhältnis mehr zu den hohen Verlusten. Zudem kann der Vorstand gegenüber der Stadt nicht erklären, wo die Subventionsmittel in Höhe von 1,4 Millionen Euro geblieben sind. Dieses Startgeld erhielt der Rennverein, als Bremen sich 2010 aus dem Renngeschäft zurückzog. Es sollte den Rennbetrieb zehn Jahre lang sichern.
Anteilmäßig geht es pro Jahr um 140.000. Wenn der Verein sieben Jahre vor Vertragende aufgegeben hätte, hätten Ende 2012 noch etwa 980.000 Euro auf dem Konto sein müssen. Von diesem Geld soll aber nach Angaben des Vereinspräsidenten, George Muhle nichts mehr übrig sein. Da die Mittel aber zweckgebunden sind, bleibt die Frage offen, was der Verein damit gemacht hat. Die Verantwortlichen haben sich dazu noch nicht erklärt.
Allein die Grünpflege soll etwa 150.000 Euro jährlich kosten. Zudem machte der Rennverein in den letzten drei Jahren hohe Verluste: 2012 waren es 320.000 Euro, im Vorjahr 420.000 Euro und 2010 sogar 625.000 Euro. In einer Pressemitteilung des Vereins heißt es dazu: "Wir mussten erleben, dass die wirtschaftliche Entwicklung des Galopprennsports nicht positiv ist, wie von vielen erwartet, sondern, insbesondere die Wette, immer weniger Erträge bringt."
Video: Neue Ideen für das Jahr 2013 stellt der Rennvereins-Präsident im Interview vor.
Einstellungen, Infos und Kommentare
Nachdem der Präsident des Vereins Anfang Oktober 2012 das Aus angekündigt hatte, war er zuletzt wieder optimistisch gestimmt. In einem Radio-Bremen-Interview sagte er: "Aus ganz Deutschland gibt es sehr viel Solidarität aus dem Galopprennsport". George Muhle spricht immer wieder von 150.000 Euro, die er braucht, für die jährliche Rasenpflege. Diese Summe dürfte aber wohl kaum reichen, um die Rennbahn zu retten: Legt man die durchschnittlichen Verlusten der letzten drei Jahre zugrunde, bräuchte der Verein mindestens 465.000 Euro im Jahr.
Helfen könnte Andreas Jacobs, der Enkel des langjährigen Bremer Rennvereinspräsidenten und Mäzens Walther Jacobs. Bis 2005 war Jacobs selbst Präsident des Bremer Rennvereins. Aktuell ist er Vorstandsmitglied und betreibt die Trainingsanlage in Mahndorf. Bisher hat er dem Bremer Rennverein immer seine Unterstützung versprochen. "Meine Familie und unser Gestüt werden den Rennverein daher unverändert unterstützen", heißt es auf der Homepage der Trainingsanlage.
Andreas Jacobs könnte seine Interessen allerdings geändert haben. Die englische "Racing Post" zitiert ihn mit einem klaren Statement gegen die Subventionierung kleinerer Bahnen: "Wir sollten vielleicht nur halb so viele Rennplätze haben und die Starken kräftigen, anstatt die zu subventionieren, die weniger gut sind". Andreas Jacobs ist mittlerweile Präsident der Baden Racing, die seit 2010 die Rennbahn in Iffezheim (Baden-Baden) betreibt, die erfolgreichste Rennbahn Deutschlands.
Bremer Rennverein
Der 1857 gegründete Verein hat derzeit 135 Mitglieder. Im Vorstand sitzen Präsident George C. Muhle (Versicherungs-Makler), Andreas Jacobs (Mäzen und Pferdezüchter), Johann Th. Pavenstedt (Versicherungs-Makler und Pferdezüchter), Christian Helms (Logistiker), Kurt Zech (Bauunternehmer) und Geschäftsführer Klaus Martin (Rechtsanwalt).
"Wenn der Verein den Vertrag kündigt, dann werden wir uns nachweisen lassen, was mit dem Geld passiert ist", sagte Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) im Radio-Bremen-Interview. Hat der Verein das Geld für andere Zwecke ausgegeben wie etwa für verlustreiche Renntage, steht er im Verdacht, die Subventionsmittel veruntreut zu haben. Dafür müsste am Ende der Vorstand haften. Eine Tatsache, die die Sponsorensuche offenbar beflügelt hat: "Solche Drohungen spornen uns noch einmal mehr an weiterzumachen", so Muhle im Weser-Kurier-Interview. "Das ist doch alles kein Thema, wenn wir die Verträge mit der Stadt nicht auflösen."
Tatsächlich ist die Rückzahlung kein Thema, wenn der Rennverein weitermacht und seine Verpflichtung aus dem Vertrag erfüllt, sprich sechs Rennen im Jahr veranstaltet. Die Stadt kann und wird dann nichts unternehmen. Das Thema Insolvenz mit all seinen negativen Auswirkungen ist aber nicht vom Tisch, selbst wenn neue Sponsoren auftauchen, aber am Ende doch nicht genug Geld zusammenkommt. Denn macht der Verein dann trotz einer offenkundigen Unterfinanzierung weiter, könnte der Vorstand dennoch für die Schulden des Vereins haften müssen. Ein verspätet gestellter Insolvenzantrag könnte sogar dazu führen, dass sich die Verantwortlichen wegen einer Insolvenzverschleppung strafbar machen.
Unabhängig davon, ob der Rennverein weiter besteht oder nicht, gibt es weitere langfristige Verträge, die das Land Bremen u. a. mit dem Golfplatz im Innenoval, mit dem Hotel "Atlantik" neben der Rennbahn und dem Trainingszentrum in Mahndorf abgeschlossen hat. Das Bremer Wirtschaftsressort soll Verhandlungen mit diesen Vertragspartnern führen. Am Tisch sitzen hier auch zwei amtierende Vorstandsmitglieder des Rennvereins: für das Hotel der Bauunternehmer Kurt Zech und für den Betrieb der Mahndorfer Trainingsbahn der Mäzen und Pferdezüchter Andreas Jacobs. Es ist zwar erklärtes Ziel der Stadt, sich auch aus diesen Verpflichtungen zu verabschieden. Die Verhandlungen sollen sich zäh gestalten. Neuer Wind käme aber wahrscheinlich erst dann wieder auf, wenn der Rennverein aufgibt. Dann nämlich könnte die Stadt das Gelände in der Vahr anders nutzen, zum Beispiel für Wohnungsbau.
Bestehende Verträge
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