Bremer CDU-Chef Thomas Röwekamp
Seit dem desaströsen Abschneiden der Bremer CDU bei der Bürgerschaftswahl im Mai 2011 steht er im Zentrum der Kritik: der Partei- und Fraktionsvorsitzende Thomas Röwekamp. Soll er die Partei in den nächsten Jahren führen oder den Chefposten an Spitzenkandidatin Rita Mohr-Lüllmann abgeben? Aufschluss darüber soll eine Mitgliederbefragung geben.
Thomas Röwekamp
Vom Vorsitzenden der Jungen Union Bremerhaven zum Innensenator und CDU-Fraktions- und Parteichef: Thomas Röwekamp hat in der Bremer CDU eine steile Karriere gemacht. 1966 in Bremerhaven geboren, lernt er zunächst Bankkaufmann, später studiert er Jura. Anschließend macht er sich als Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Versicherungsrecht selbständig. Seit 2000 ist er Partner in einer Kanzlei. Röwekamp ist verheiratet und hat drei Kinder.
Seine politische Laufbahn beginnt er als 17-Jähriger in der Jungen Union, der Jugendorganisation von CDU und CSU. Seit 1985 ist Röwekamp Mitglied des CDU-Kreisvorstandes Bremerhaven. In der Wahlperiode 1987-1991 sitzt er in der Stadtverordnetenversammlung der Seestadt. Noch als Student zieht der damals 25-Jährige in die Bremische Bürgerschaft ein. Unterbrochen wird seine Abgeordnetenzeit seitdem nur von den vier Jahren zwischen 2003 und 2007, in denen er Bremer Senator für Inneres und Sport in der Großen Koalition und Bürgermeister ist.
Bundesweit Aufsehen erregt er in dieser Zeit durch den Versuch, Murat Kurnaz seine Aufenthaltsgenehmigung abzuerkennen. Der Grund: Er soll versäumt haben, sie rechtzeitig verlängern zu lassen. Der Bremer Türke sitzt zu dieser Zeit im US-Gefangenenlager Guantanamo. Rückblickend sagt Röwekamp dazu, dass Kurnaz Unrecht getan worden sei, lehnt aber eine persönliche Verantwortung ab.
Anfang 2005 stirbt ein 35-jähriger Drogendealer im Bremer Polizeigewahrsam. Zuvor waren ihm von einem Arzt große Mengen Brechmittel und Wasser eingeflößt worden, um verschluckte Drogen-Kügelchen sicherzustellen. "Schwerverbrecher" müssten nun mal "mit körperlichen Nachteilen rechnen", kommentiert das Thomas Röwekamp in seiner Funktion als Innensenator. Ein Misstrauensantrag der Grünen gegen ihn scheitert an seinem Rückhalt in der Großen Koalition.
Thomas Röwekamp provoziert gern – nicht nur als Innensenator, auch als CDU-Fraktionschef. Er gilt als fachlich kompetent, meinungs- und durchsetzungsstark. Politische Gegner wie Parteifreunde schätzen den 45-Jährigen, fürchten aber auch seinen manchmal zynischen Humor. Der Zwischenruf "Unter Brücken sollen sie schlafen" verfolgt ihn lange, als im Parlament die Wohnsituation von Bedürftigen diskutiert wird. Bewusst überspitzt und sarkastisch sei das gemeint gewesen, verteidigt sich Röwekamp.
Als die CDU bei der Bürgerschaftswahl 2007 mit Thomas Röwekamp als Spitzenkandidat bei gerade mal 25,7 Prozent landet, beenden die Sozialdemokraten das Regierungsbündnis und schließen eine Koalition mit den Grünen. Röwekamp ist seitdem Fraktionsvorsitzender. Ein Jahr darauf übernimmt er außerdem den Parteivorsitz und löst nach 30 Jahren den heutigen Kulturstaatsminister Bernd Neumann ab. Neumann nennt damals seinen politischen Ziehsohn liebevoll "Tommy".
Bei der Wahl im Frühjahr 2011 nehmen die Christdemokraten gerade noch die 20-Prozent-Hürde und landen damit hinter den Grünen. Es ist eines der schlechtesten Ergebnisse seit Kriegsende. Danach kommt die Partei monatelang nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus.
Video: Wie reagiert Röwekamp?
Einstellungen, Infos und Kommentare
Erstmals fordern auch viele Parteimitglieder und Delegierte Röwekamps Rücktritt und werfen ihm vor, die Partei eher zu spalten als zu einen. Auf dem Landesparteitag Mitte Oktober 2011 sagte er, dass er der CDU treu bleiben werde, egal wie die Mitgliederbefragung über seine Zukunft ausgehen werde.
Ringen um Parteivorsitz
Wahlkampfanalyse der Bremer CDU
Gesprächszeit: Thomas Röwekamp
Der Bremer CDU-Landesvorsitzende im Gespräch mit Rene Möller
Der "Bremer Taliban"
Rückblick auf den Fall Kurnaz
Brechmittel-Prozess
Eine Chronologie
Was nun, Herr Röwekamp?
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