Nach den Krawallen im Steintor-Viertel
An der Sielwall-Kreuzung treffen sich an Wochenenden immer wieder Menschen, um Fußball zu spielen und so den Verkehr zu blockieren. In der Nacht zum 10. Juli 2011 eskalierte die Situation jedoch: Nach Angaben der Polizisten seien die Beamten mit Steinen, Bierflaschen, Feuerwerkskörpern und Eisenstangen beworfen worden. Nun hat die Diskussion begonnen, wie Krawalle dort in Zukunft verhindert werden können. Zwei Beispiele im Nordwesten könnten Vorbild für Bremen sein: Auf der Hamburger Reeperbahn wurden Glasflaschen verboten und im Hauptbahnhof Hannover wird am Wochenende kein Alkohol mehr verkauft.
Wir wollten von Kiosk-, Kneipen- und Imbissbesitzer wissen, was solche Verbote an der Sielwall-Kreuzung bewirken würden. Der 55-jährige Hamit arbeitet im Falafel-Imbiss "Torno“ am Sielwalleck. Er erlebt die Fußballspiele oft friedlich. Vor zwei Wochen hätten die Leute ein bisschen Fußball gespielt und sind dann wieder weggegangen. Auch den 43-jährigen Mehmet vom Döner-Imbiss "Taverna“ stören die illegalen Fußballspiele auf der Kreuzung nicht. Er schlägt vor, den Straßenfußball sogar einmal im Monat zuzulassen und den Sielwall für 45 Minuten zu sperren. Stress gebe es eigentlich nur, wenn die Polizei einschreitet und den Ball wegnimmt.
Nageeb hat die Situation in der Samstagnacht bei der Arbeit im Kiosk "Que pasa“ als extrem wahrgenommen. Eine solche Randale habe er bisher noch nicht erlebt. Es seien fünf oder sechs Leute dabei gewesen, die von außerhalb kamen und Stress gesucht hätten. Ein generelles Verbot helfe nicht, solche Situationen zu verhindern. "Flaschen gibt es auch woanders. Die bringen sich einen Kasten mit und trinken ihn dann hier", sagt der 30-Jährige. Die Supermärkte im Viertel haben bis 22 beziehungsweise 24 Uhr auf.
Wenn die Polizei einen Einsatz plant, verbietet sie vorher den Läden rund um die Kreuzung ohnehin Glasflaschen zu verkaufen. Dann können die meisten eigentlich schließen. Ein generelles Glasflaschenverbot würde auch den Umsatz vom "Taverna“ kräftig drücken. Die Kunden zahlen nicht gern ein erhöhtes Pfand von 25 Cent für Dosen oder Plastikflaschen statt acht Cent für Glas. Denn keiner will sich hinterher um das Flaschenpfand kümmern, erklärt Mehmet.
Außerdem würde vielen das Bier nur aus einer Glasflasche schmecken. Durch Verbote sieht Ulrike, die in der Kneipe "Eisen" arbeitet, die individuelle Kultur des Viertels bedroht. "Der Charme geht verloren. Die verschiedenen Kulturen machen das Leben im Viertel aus", sagt die 43-Jährige. Meistens bleibe es ja friedlich und gegen Menschen, die die Kultur falsch interpretierten, könnte ein Verbot auch nichts ausrichten.
Video: Randale im Bremer Viertel
Einstellungen, Infos und Kommentare
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