Betreuung von Kleinkindern
Wie viele Krippenplätze werden in Bremen und Bremerhaven ab dem 1. August 2013 gebraucht? Auf diese Frage gibt es noch keine konkrete Antwort. Bremens Sozialsenatoren Anja Stahmann (Grüne) hat Eltern befragen lassen, um das herauszufinden. Über die Höhe des Bedarfs bahnt sich jetzt ein Streit in der rot-grünen Koalition an.
Krippenplätze sind bei Bremer Eltern heiß begehrt.
Das Bremer Sozialressort geht davon aus, dass 40 Prozent aller unter Dreijährigen einen Krippenplatz brauchen. Das deckt sich mit der Einschätzung des Bundesfamilienministeriums. Der Deutsche Städtetag rechnet allerdings damit, dass die Nachfrage in Ballungsgebieten weitaus höher sein wird. Senatorin Stahmann geht in Bremen statt zunächst von 200 nun von 350 neuen Plätzen aus, die sie für dieses Jahr bereitstellen will.
SPD-Sozialpolitiker Klaus Möhle hat vor der Deputationssitzung am 6. September 2012 nach eigenen Worten verhindert, dass die Grüne Sozialsenatorin ihren Plan für den Kita-Ausbau vorlegen konnte. In der Sitzung erklärte Stahmann den Deputierten, dass es noch Beratungsbedarf gebe. Von den 350 neuen Plätzen sollen wohl einige Kinder nur in so genannten Spielkreisen betreut werden. Hier begleitet ein Elternteil das Kleinkind in die Gruppe, könnte also weder arbeiten, studieren oder eine Ausbildung machen. Laut Senatorin Stahmann wird es immer Familien geben, denen diese Art der Betreuung in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder ausreiche. Sie wisse sehr wohl, dass sich das Familienbild in den vergangenen Jahren verändert habe. Meist wollen beide Elternteile arbeiten und auch Väter beteiligen sich stärker an der Erziehung. Stahmann glaubt, dass sie ausreichend Ganztagsplätze bis 2013 bereitstellen kann. Dem sozialdemokratischen Koalitionspartner reicht das nicht. Denn viele Eltern bräuchten schon früher einen Ganztagesplatz für ihr Kleinkind.
Kritik kommt vom CDU-Politiker Claas Rohmeyer. Er sagt, dass Rot-Grün diesen Streit auf dem Rücken der Eltern austrägt. Die CDU-Fraktion hat zu diesem Thema für kommenden Dienstag, 11. September 2012, eine "Aktuelle Stunde“ in der Bremischen Bürgerschaft beantragt. Dann soll auch über die umstrittene Forsa-Studie gesprochen werden, die die Sozialbehörde beauftragt hatte. Sie sollte Auskunft darüber geben, wie viele Kita-Plätze in Bremen benötigt werden.
Rund 7.500 Eltern in Bremen wurden angeschrieben. Aber nur rund 900 haben einen Fragebogen ausgefüllt. Viele Deputierte aller Parteien haben diese Studie scharf kritisiert. Sie liefere kaum neuen Erkenntnisse und habe nur Geld gekostet, so der Tenor. Aus der Studie geht unter anderem hervor, dass viele Eltern sich eine Betreuung für ihre Kinder wünschen, damit sie arbeiten oder studieren können. Allerdings haben sich an der Umfrage überwiegend gutverdienende Eltern mit hohem Bildungsgrad beteiligt. Nicht mitgemacht haben Menschen aus sozial schwächeren Stadtteilen. Wegen dieser Unausgewogenheit könne die Studie keine Grundlage für politische Entscheidungen sein, so schätzen es viele Deputierte ein.
Nur 200 neue Krippenplätze?, [3:33]
Fernsehbeitrag von Christian Dohle.
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