Stadtamt behält Konzession ein
Das "Stubu" an der Bremer Diskomeile bleibt geschlossen. Der Grund: Das Stadtamt hält die Geschäftsführer für Strohleute des ehemaligen Chefs. Diesen Vorwurf konnten weder die beiden alten Betreiber noch deren Nachfolger ausräumen. Unsere Chronik zeigt den jahrelangen Streit.
Sie sollen nur Strohleute sein: Büsings Ex-Frau Jeanette und Volker Hanslian.
Im Jahr 1960 gründete Rainer Büsing die "Studentenbude", kurz Stubu, als Keller-Klub des Allgemeinen Studentenausschusses (Asta) an der Bremer Universität. Dreimal musste er mit dem Stubu umziehen. Seit 1994 läuft der Klub auf der Diskomeile in der Nähe des Hauptbahnhofs. Hier lässt er seine Gäste auf fünf Etagen tanzen. Aus der einstigen Keller-Bar ist die größte Diskothek Bremens geworden. Doch es gab immer mal wieder Ärger. Nach der Schießerei 2006 in einem benachbarten Tanzlokal vermutete die Polizei, dass ein Streit unter den Türstehern dahintersteckte. Im Stubu waren Mitglieder eines polizeibekannten Zuwanderer-Clans beschäftigt. Was sich seitdem getan hat, haben wir chronologisch zusammengestellt:
26. August 2006: Mit einer Großrazzia legt die Bremer Polizei die Diskomeile im Bahnhofsviertel lahm. Etwa 500 Beamte sperren die Diskothek Stubu ab, halten die Angestellten und Besucher bis zu fünf Stunden lang fest und führen zahlreiche Personenkontrollen durch. Der Anlass: In der Vergangenheit, so ein Polizeisprecher, seien zahlreiche Stubu-Türsteher immer wieder in Körperverletzungs- und Drogendelikte verwickelt gewesen – allein im ersten Halbjahr 2006 fast 70 Mal. Bei der Razzia finden die Polizisten "mehrere Verkaufseinheiten Kokain und einen höheren Geldbetrag" bei einem Türsteher, bei mehreren Gästen außerdem "Kokain zum Eigenkonsum". Unter den rund 1.500 kontrollierten Personen sind 115 Minderjährige. Zudem zogen die Beamten zwei Messer ein.
11. Dezember 2006: Das Bremer Stadtamt entzieht Rainer Büsing die Konzession für sein Tanzlokal. Er muss sich für seine brutalen Türsteher verantworten, die mehrfach Gäste grundlos oder aus nichtigem Grund geschlagen hatten. Darin sieht das Amt eine Gefahr für die öffentliche Ordnung. Trotz mehrfacher Aufforderungen habe der Betreiber nicht ernsthaft versucht, an seiner Tür durchzugreifen.
24. Januar 2007: Gegen das Urteil legt der Betreiber Büsing beim Oberverwaltungsgericht Beschwerde ein. Bis die nächste Instanz entscheidet, verzichtet das Stadtamt auf die Schließung, "sofern sich die Zustände nicht weiter verschärfen".
17. April 2007: Das Oberverwaltungsgericht Bremen weist Büsings Beschwerde gegen die Schließung ab. Ihm fehle die "gaststättenrechtliche Zuverlässigkeit", monieren die Richter. Als wichtigsten Grund nennen sie die Türsteherproblematik. Selbst während des Widerspruchsverfahrens sei es noch zu brutalen Übergriffen von Türstehern auf Gäste gekommen.
15. Juni 2007: Rainer Büsing macht den DJ Tim Meister zum Geschäftsführer seiner neu gegründeten Betreibergesellschaft "Stubu Dance House GmbH".
12. Juli 2007: Wiedereröffnung mit neuem Chef Tim Meister. Drei Jahre führt er fortan die Geschäfte des Stubus.
Im Mai 2010: Rainer Büsing setzt überraschend Tim Meister ab. Neuer Geschäftsführer wird Onur Baykul vom Schlachte-Club S1.
26. August 2010: Das Bremer Stadtamt kündigt an, der Diskothek Stubu die Konzession erneut zu entziehen. Grund sei die gewerberechtliche Unzuverlässigkeit des Alleingesellschafters und Inhabers Rainer Büsing. Der von ihm eingesetzte Geschäftsführer Baykul sei nur ein so genannter Strohmann. Binnen fünf Tagen muss der Betrieb der Bremer Traditionsdiskothek eingestellt werden. Andernfalls droht die zwangsweise Schließung, so das Stadtamt.
31. August 2010: Das Stubu bleibt vorläufig geöffnet. Das Stadtamt erklärt sich bereit, die Diskothek so lange nicht zu schließen, bis das Verwaltungsgericht in der laufenden Angelegenheit entschieden hat. Der Betreiber des Stubu hatte beim Amt Widerspruch eingelegt und beim Verwaltungsgericht außerdem einen Antrag eingereicht, dass das Stadtamt die Diskothek nicht wie angekündigt sofort schließen darf.
Im September 2010 gab es gleich mehrere Wechsel in der Geschäftsführung: Zunächst kommen Büsings Ex-Frau Jeanette und André Dikow hinzu. Später verlässt Onur Baykul das Stubu und wird ersetzt durch Volker Hanslian.
Video: Stubu soll mal wieder schließen
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1. August 2012: Das Stadtamt entzieht den Betreibern erneut die Gaststätten-Lizenz. Binnen 14 Tagen sollte die Diskothek schließen. Die Behörde wirft dem früheren Club-Chef Rainer Büsing vor, das Stubu weiterhin über Strohleute zu kontrollieren. Diese hätten Ermittlungen der Polizei ergeben. Aktuell führen Büsings Ex-Frau Jeanette und Volker Hanslian das Tanzlokal. Als kürzlich der Vertrag mit der Sicherheitsfirma ausgelaufen war, hatten sie neue Türsteher wieder direkt beim Stubu eingestellt. Nach Ansicht des Stadtamtes sei so die Sicherheit der bis zu 3.000 Gäste nicht mehr gewährleistet. Damit geben sich die Stubu-Betreiber nicht zufrieden und schalten ihren Anwalt ein.
Video: Stubu-Entscheidung angekündigt
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4. September 2012: Das Verwaltungsgericht hört sich die Argumente beider Seiten an: Für die Stubu Dance House GmbH erscheinen Jeanette Büsing und Volker Hanslian. Auch das Stadtamt schickt einen Vertreter. Nach Ansicht des Stubu-Anwaltes sei zwar eine einvernehmliche Lösung gescheitert, aber der Disko-Betrieb werde trotzdem weiterlaufen.
Video: Stadtamt darf Stubu schließen
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Bis 14. September 2012: Das Verwaltungsgericht sieht es als erwiesen an, dass Rainer Büsing das Stubu noch immer leitet, obwohl ihm bereits vor Jahren die Konzession entzogen worden ist. Er habe Einfluss auf die aktuellen Geschäftsführer, und das sei ein illegales Strohmann-Verhältnis, so die Richter. Weil die Stubu-Betreiber gegen den Gerichtsbeschluss Beschwerde eingelegt haben, lässt das Stadtamt den Betrieb allerdings erst einmal weiterlaufen.
10. Oktober 2012: Das Stubu ist geschlossen. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bremen hatte eine Beschwerde der Geschäftsführer gegen die Schließung zurückgewiesen. Zwar stehe eine Entscheidung im Hauptverfahren noch aus, aber die Richter sehen nur wenig Chancen, dass sich daran etwas ändern werde.
14. Februar 2013: Das Stadtamt lehnt einen Konzessionsantrag der "Seven Days GmbH" ab. Deren Geschäftsführer Tim Meister konnte nicht überzeugend darstellen, dass er die Diskothek unbeeinflusst vom früheren Club-Chef Rainer Büsing betreiben kann.
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