Tanzverbot in Bremen
Tanzen verboten! Laut Gesetz gilt das am Totensonntag, am Karfreitag, am Volkstrauertag und an Sonntagen. Im Radio Bremen-Interview verteidigt der Schriftführer der evangelischen Kirche in Bremen, Renke Brahms, das Verbot. Die Tage seien dafür da, um über gesellschaftliche Themen wie Tod, Sterben oder Opfer von Kriegen nachzudenken. Politische Pläne das Tanzverbot auszuhebeln, seien vor allem dem ökonomischen Druck geschuldet. Dieser Druck höhle die wichtigen Feiertage auf Dauer aus, so Brahms. Die Kritiker sehen das anders. Sie sprechen von einem gesetzlich verordneten Spaßverbot.
Einer der Kritiker ist der Bremer Student Maurice Mäschig. Er will das Tanzverbot abschaffen. Nachdem er mit einer Online-Petition fast 800 Unterstützer hinter sich gebracht hat, diskutieren jetzt auch die Parteien darüber. Warum der 26-Jährige das Tanzverbot an Feiertagen wie Karfreitag zu Fall bringen will, sagt er im Interview mit Radio Bremen.
Viele junge Menschen wollen sich nicht per Gesetz diktieren lassen, wann sie tanzen dürfen oder nicht.
Bremer Spaßbremsen?
Informationen, Kommentare und Gästebuch zum Thema Tanzverbot
Radio Bremen: Eineinhalb Jahre hat es gedauert. Jetzt beschäftigen sich die Fraktionen mit Ihrem Anliegen. Gut Ding will Weile haben, oder was sagen Sie zum Tempo in der Politik?
Maurice Mäschig: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Das Thema hätte schneller behandelt werden können. Besonders da es politischer Konsens ist, dass Bürgerbegehren und Bürgerbeteiligung gefördert werden sollen. Lange Wartezeiten sind dabei nicht förderlich. Ich erwarte, dass meine von 790 Personen unterstützte Petition gegen das Tanzverbot jetzt auch zeitnah als Antrag in der Bürgerschaft debattiert und beschlossen wird.
Radio Bremen: Die Grünen sind bei Ihnen. Was ist mit Ihrer eigenen Partei, der SPD?
Maurice Mäschig: Die tut nun hoffentlich das, wofür Parteien in unserer Demokratie da sind: ein Thema behandeln und zur politischen Willensbildung beitragen. Dass dieses Thema durchaus kontrovers diskutiert wird, ist mir klar. Aber gerade Diskussionen sind gesund und notwendig, wenn eine Partei lebendig bleiben möchte. Wichtig ist, sich Themen nicht zu verschließen, sondern sie offen besprechen zu können.
Radio Bremen: Wie kommt ein Student darauf, gegen ein Tanzverbot an Feiertagen mobil zu machen?
Maurice Mäschig: Zum Studentendasein gehört es dazu, mit seinen Kommilitoninnen und Kommilitonen auch mal feiern und tanzen zu gehen. Wenn man dann als Nicht- oder Andersgläubiger an staatlichen oder kirchlichen Trauertagen um 4 Uhr damit aufhören muss, kann man sich das entweder gefallen lassen, oder man versucht etwas dagegen zu tun. Ich habe mich für letzteres entschieden. Schließlich besagt Artikel 59 der Bremischen Landesverfassung, dass die Kirchen und Religionsgemeinschaften vom Staat getrennt sind. Und die Kirchen fänden es sicherlich auch nicht schön, wenn ihnen der Staat jede Woche die Themen ihrer Predigten vorgeben würde.
Radio Bremen: Jemand, der gläubig ist und im Stadtteil Findorff wohnt, freut sich vielleicht darüber, dass Karfreitag auf der benachbarten Osterwiese mal Ruhe ist. Ist Ihnen das egal?
Maurice Mäschig: Ganz und gar nicht. Aber die Realität sieht schon heute anders aus. Nehmen wir das Galopprennen in der Vahr, das regelmäßig am Karfreitag stattfindet, oder das Werder-Spiel im Weser-Stadion, ein Musical in der Stadthalle und ein Zirkus auf der Bürgerweide am vergangenen Volkstrauertag. Am Totensonntag führt sogar die stadteigene Wirtschaftsförderung Bremen eine nach dem Gesetz untersagte kommerzielle Veranstaltung in der Stadthalle durch. Wenn es also bereits jetzt schon geht, und sich offenbar niemand dadurch gestört fühlt oder sogar diese Veranstaltungen besucht, dann kann das Gesetz auch gleich abgeschafft werden.
Video: Der Parteienstreit um das Tanzverbot
Einstellungen, Infos und Kommentare
Radio Bremen: Am Volkstrauertag und Totensonntag gilt ein Tanzverbot in der Zeit von 4 bis 17 Uhr. Da liegen doch Nachtschwärmer ohnehin im Bett. Und auch von Gründonnerstag auf Karfreitag ist Tanzen bis in die frühen Morgenstunden möglich. Warum also weg mit dem Verbot, wenn Ausgehen und Konzerte kaum betroffen sind?
Maurice Mäschig: Auch um 4 Uhr gibt es Menschen die noch weiter organisiert tanzen wollen. Das kann man finden wie man möchte, gesetzlich verbieten sollte man es aber nicht. Erst recht nicht aus religiösen Gründen. Zumal es wohl kaum einen Angehörigen einer Religionsgemeinschaft stört, wenn andere mitten in der Nacht und weit weg von der nächsten Kirche tanzen. Im Gegensatz zum privaten Tanzen mit Musik direkt vor einer Kirche – was übrigens erlaubt ist.
Radio Bremen: Wenn die Bürgerschaft das Tanzverbot nicht aufhebt, was dann?
Maurice Mäschig: Dann dauert es noch etwas länger bis das Tanzverbot fällt. Es ist keine Frage, ob es fällt, nur wann. Anhand der öffentlichen Diskussion zeigt sich aber schon jetzt, dass die Politik die geänderte Lebensrealität der Menschen nicht ignorieren kann. Vielmehr sollte sie aktiv darauf hinwirken, dass sich auch die Gesetze mit entwickeln und verändern.
Online-Voting: Tanzverbot abschaffen oder beibehalten?
Es gibt im Gästebuch keine klare Linie zum Tanzverbot. Einige Kommentare zielen eher auf die Haltung zu Feiertagen generell ab. Wie ist Ihre Meinung: Tanzverbot abschaffen oder nicht?
Bremer Spaßbremsen?
der Parteienstreit um das Tanzverbot , [7:41]
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24. Mai, 21:15 Uhr | RB TV und NDR/RB
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Mo. - Fr., 7, 8, 12, 16, 17 Uhr
Info: Nordwestradio Journal
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