Das Ende des Bremer Vulkan
Am 15. August 1997 stellte die Werft ihren Betrieb ein, nachdem am Vortag das letzte Schiff fertig gestellt worden war. Damit ging eine Industrie-Ära zu Ende. Rund 4.500 Menschen verloren ihre Arbeit, die Auswirkungen auf den Standort und die indirekt betroffenen Arbeitsplätze nicht mitgerechnet. Von diesem Schlag haben sich der Stadtteil Vegesack und das Land Bremen bis heute nicht völlig erholt.
Um zwölf Uhr und fünf Minuten endet die letzte Schicht auf der Bremer Traditionswerft. Das letzte Schiff, die "Hansa Constitution", wurde am Vorabend ohne Taufe und ohne Festakt ins Wasser gelassen. Jetzt hängen 40 Meter lange Trauer-Bänder vom großen Bockkran. Das riesige Gelände an der Weser ist verwaist und leer. Selbst die Zigaretten-Automaten werden schon abgebaut.
Die wenigen hundert Arbeiter, die noch Beschäftigung hatten, werfen symbolisch ihre Helme weg. Wenn nicht der Ökumenische Runde Tisch zum Treffen vor das Werktor geladen hätte, der Bremer Vulkan hätte einfach so dicht gemacht wie ein beliebiger Kleinbetrieb an der Straßenecke, schreibt die Bremer Tageszeitung (Taz). Nur Helga Ziegert, die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bremen, redet - als eine der wenigen: "Ich glaub fast, den meisten Bremern ist es gar nicht bewusst, was es bedeutet, dass es in Bremen praktisch ja dann keinen Schiffbau mehr gibt. Und in Anbetracht der Entwicklung im Hafenbereich, glaube ich, dass Bremen dabei ist einen großen Teil seiner Identität zu verlieren. Und im Augenblick noch keine neue aufgebaut hat."
Mit dem Vulkan geht nach 104 Jahren eine Industrie-Ära in Bremen zu Ende. Weit über 1.000 Schiffe sind hier gebaut worden: Wal- und Fischfangschiffe, Tanker und Massengutfrachter, Fregatten und Luxusliner. Zeitweise war der Vulkan-Verbund die größte Werft in Deutschland gewesen mit mehr als 20.000 Beschäftigten, in Bremen und in Ostdeutschland. Bis Firmen-Chef Friedrich Hennemann im Frühjahr 1996 endgültig Konkurs anmelden musste. Rund 850 Millionen D-Mark an Fördermitteln für die Standorte Wismar, Stralsund und Rostock waren in Bremen versickert. Mindestens 550 Millionen D-Mark hatte der Bremer Senat in seine vergeblichen Rettungsversuche gesteckt. Die Süddeutsche Zeitung kommentierte: "Kaum ein Bremer Politiker wollte zur Kenntnis nehmen, dass der Schiffbau in Deutschland am Ende war. Aus Angst vor der Realität, dass der Vulkan konkursreif war, wurde immer wieder Geld nachgeschossen."
Pro hundert D-Mark Auftragswert machte der Vulkan am Ende 47 D-Mark Verlust. Anderen Werften ging es genauso: Die Brand-Werft in Oldenburg oder die Elbewerft im ostdeutschen Boizenburg mussten ebenfalls schließen. Die ganze Branche verlor innerhalb von sechs Jahren fast die Hälfte ihrer Beschäftigten. In Bremen wechseln nach der Werft-Schließung mehrere hundert Vulkanesen erstmal in eine Beschäftigungsgesellschaft. Doch viel Hoffnung auf Arbeit gibt es in Bremen-Nord nicht nach dem letzten Tag auf der Vulkan-Werft, am 15. August 1997.
15. August 1997: Letzter Tag der Vulkan-Werft, [2:57]
Radiobeitrag von Dorothee Krumpipe
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